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Full text of "Internationale Klinische Rundschau. Centralblatt für die gesammte praktische Heilkunde sowie für die Gesammtinteressen des ärztlichen Standes. VI.Jahrgang Wien, 15. Mai 1892, Nr.20-21."

VI. Jahrgang. 



Wien, 15. Mai 1892 



Nr. 20. 



lDl*rn»Mnn*L> KlinUrhe Uumls.hiu" 



jeden Sonntag 
Slreltfragea" 



2 bis 3 Bogen. „Klinische Zelt- und 
iährllch 10—12 Hefte m 2—3 Bogen. Pranumeraüoni- 
preis fflr Oesterreich- Ungarn : Ganzj. 10 fl., halbj. 5 fl., 
Tiertelj. 2.50 B.; IHr Deutschland: Ganzj. 20 Mark, 
halbj. 10 Mark- für die übrig Staaten : Ganzj. 25 Fn., 
halbj. 12.50 Francs. Man abonnirt mittelst Poet- 
enweisung oder Einsendung de« Betrages an die 
Administration: Wien, I. He/.., Llchtenfelsgaue 9. 



INTERNATIONALE 



Bestellungen nehmen alle Postämter und alle Ruch 
Handlungen des In- und Auslandes an. — Für den 
Buchhandel: Wilhelm Branmüllor, k. k. Hof- und 
Universität« - Buchhändler in Wien. — Annoncen- 
Aufnahme: Administration der ..Internationalen Klini- 
schen Rundschau", I., LichtonfcJ-gasso 9 in Wien- 
Für die Redaktion bestimmte Zuschriften, Manuscripte, 
Recensions- Exemplare etc. sind portofrei zn adressiren : 
Prof. Dr. Job. Schnllzlrr, Wien, I., Burgring 1. 



KLINISCHE RUNDSCHAU. 

Centralblatt für die gesamte praktische Heilkunde, sowie für die Gesammtinteressen des ärztlichen Standes. 

Herausgeber und Chef-Redacteur: Prof. Dr. Joh. Schnitzler. 



INHALT: Originalartikel. Berichte aus Kliniken und Spitälern. Ein Fall von paralytischer Luxation im Hüftgelenke. Von Prof. E. Albert, k. k. Hofrath, Wien. 

— Ueber Vaccine-Syphilis. Von Prof. Dr. M. Kaposi in Wien. (Schluss) — Ueber Hypnose und Suggestion. Von Dr. S. Freud, Dozent an 
der Wiener Universität. — Verhandlungen wissenschaftlicher Vereine. K. k Gesellschaft der Aerzte in Wien Schluss der Diskussion 
ober die Wasserversorgung Wiens. — Wienermedizinischer Klub. Dr. Julius Weiss: Demonstration von Blutbildern. — Dr. Zappert: 
Demonstration einer Zählmethode der eosinophilen Zellen im frischen Blute. — Dr. Erben: Vorstellung dreier interessanter Nervenfälle. — 
Dr. H. Schlesinger; Die Lymphstomata im Zwerchfelle. — Kritische Besprechungen und literarische Anzeigen. Diagnostik und Therapie der 
Magenkrankheiten. Nach dem heutigen Stande der Wissenschaft bearbeitet von Dr. J. Bons in Berlin. — Der chronische (»elenks- 
Rheumatismus und seine Beziehungen zum Nervensystem. Nach eigenen Beobachtungen von Dr. med. Ralf Wichmann in Brauoschweig. 

— Beiträge zur praktischen Elektrotherapie in Form einer Kasuistik. Von C. W. Müller, grossherzoglich Oldenburg'scher Leibarzt. — 
Siebenter und achter Jahresbericht des Stadtphysikates Ober die Gesundheitsverhältnisse der konigl. Hauptstadt Prag für die Jahre 1888 
und 1889. Erstattet von Dr' Heinrich Zdhor, Stadtphysikus, k. k. Sanitfitsrath. — Ungarisches Archiv für Medizin. Redigirt von Ar päd 
Bökai, IM: Ferdinand Klug, Dr. Otto Pertifc, Professoren an der Universität Budapest. — Zeitungsschau. Vorzeitige Arthropathien bei der 
Tabes dorsalis. Von Professor Charcot in Paris. — Prognose bei Manie. Von Dr. W. Willerding. — Die Operationen von Gebärmutter- 
geschwülsten, die Oophorektomie und die Kastration der Frauen bei Geistes- und Nervenkrankheiten. Von Thomas Spencer- Wells. — 
Laparotomie bei Darmperforation im Typhus. Von Van Hook. — Aus dem Institute für allgem. Pathologie der königl. Universität zu Bo- 
logna. Vorstand Prof Tizzoni. Ueber die Ausscheidung des Tetanusgiftes durch den Urin. Vorläufige Milthrilung von Dr. AlUsandro 
Bruschettini in Bologna. — Ueber die Anwendung von Morphium bei der Urämie. Von Dr. Washburn. — Militärärztliche Zeitung. Ein Wort 
zum Schutze geisteskranker Soldaten gerichtet an das Preussische Officier- und Samtäts-Officierkorps. Von Dr. Schäfer in Brieg. — Tanps- 
r>»rhricht*n nnri Noti7er. Aerztliches Vereinsleben in Wien. — Universitäts- und Personalnachrichten. — Niederösterreichischer Landes-Sanitäts- 
rath. — Budapest. — Miliaria-Epidemie. — Anklagen gegen Apotheker. — Zur Anzeigepflicht der Aerzte. — Anzeigen. 



Originalartikel, Berichte aus Kliniken und Spitälern. 



Ein Fall von paralytischer Luxation im 

Hüftgelenke. 

Von Prof. E. Albert, k. k. Hofrath, Wien. 

Die paralytischen Luxationen des Hüftgelenkes bildelen ab 
und zu den Gegenstand kleiner Controversen, namentlich unter 
den französischen Chirurgen. Seinerzeit war man der Ansicht, 
dass jene Fälle von kongenitaler Luxation, die erst später 
während des Gehens und nachdem eine Zeit lang die Dislo- 
kation des Kopfes nicht nachzuweisen war, entstehen, auf einer 
partiellen Paralyse der Hüftmuskeln beruhen, während man 
heutzutage die.se Fälle so deutet, dass die kongenitale Luxation 
ursprünglich unvollständig ist und erst im Laufe der Zeit so 
vollständig wird, dass sich der heraustretende Kopf im Gesässe 
nachweisen lässt. Dass die letztere Deutung die richtige ist, er- 
gibt sich leicht aus der Analyse der Bewegungen, bei denen 
sich von einer Schwäche und Atrophie irgend welcher Muskel- 
gruppen nichts nachweisen lässt. 

Scheidet man diese Fälle aus, so bleibt eine Reihe anderer 
Fälle, wo die Kombination : Poliomyelitis acuta, Kinderlähmung 
und allmählig eingetretene Luxation unzweifelhaft vorhanden ist. 

Und zwar hat man hier zwei Gruppen von Fällen zu 
unterscheiden. Die eine Gruppe von Fällen begreift die partiellen 
Lähmungen der Hiiftmuskeln, die andere die Totallähmungen 
des Beines. 

In der ersten Gruppe finden wir Fälle, wo die Luxations- 
richtung bestimmt ist durch den Umfang der Lähmung. Als 
Beispiele mögen folgende Fälle angesehen werden : 

«Em Mädchen von anderthalb Jahren hält den rechten Ober- 
schenkel in Beugung und rechtwinkeliger Abduction. Aktive Be- 
wegungen waren von den Glutaealmuskeln aus möglich ; der Tensor 
fasciae ebenfalls aktionsfähig ; die Adductoren schlaff und unfähig. 
In der Leiste, auf dem horizontalen Schambeinaste und zwar in 
der Mitte zwischen Symphyse und vorderem oberen Darmbeinstachel 
fühlt man den Schenkelkopf, Her bei Rollbewpgungen deutlicher her- 
vortritt. (Bradford)> 



Hier, wo die Auswärtsroller und Abductoren tüchtig ge- 
blieben waren, trat die entsprechende Luxation auf den hori- 
zontalen Schambeinast ein. 

«Bei einem bis dahin gesunden Kinde von 7 Jahren trat 
plötzlich Fieber und Lähmung ein, die Anfaugs allgemein, bald 
auf die Gesässmuskeln und die Becken-Trochantermuskeln beschränkt 
blieb; die anderen Muskeln, insbesondere die Adductoren erlangten 
wieder ihre Tüchtigkeit; es bildete sich eine bestens charakterisirte 
Luxatio iliaca aus (Recluse).» 

Hier waren die Adductoren und die mit einwärtsrollenden 
Komponenten begabten Muskeln tüchtig geblieben ; dement- 
sprechend entwickelte sich eine Luxatio iliaca. 

Fälle dieser Art kommen Jedem, der viele Fälle von 
infantiler Paralyse sieht, ab und zu zur Beobachtung. Sie 
stehen in Analogie mit jenen interessanten Fällen, die Koser 
hervorgehoben, und wo hei kyphotischen Patienten durch 
Krämple der Beuger und Adductoren eine hintere Luxation 
allmählig entsteht. War es dort die Lähmung der Auswärts- 
roller, so ist es hier der Krampf der Adductoren etc.. der das 
Gleichgewicht der Muskelkräffe in ganz gleicher Richtung 
stört und zu gleicher Dislokation führt. 

Bei totaler Beinlähmung poliomyelitischen Ursprungs 
kommt wohl nur eine hintere Luxation zu Stande, oder gar 
eine solche Schlaffheit des Hüftgelenkes, dass man sowohl die 
hintere als auch eine vordere Luxation erzeugen kann, je 
nachdem man das Bein nach einwärts oder auswärts rollt. Ich 
habe mehrere Fälle dieser Art beobachtet. 

Seinerzeit hat Roser behauptet, dass eine Luxation des 
gelähmten Beines nur dann eintreten kann, wenn die Gelenks- 
kapsel mit einem Ergüsse gefüllt ist. Die paralytischen Luxationen 
dieser Art wären demnach als Distensionsluxationen zu deuten. 
Es war dies eine jener theoretischen Schrullen, denen der 
sonst so hochverdiente Mann und kritische Geist nachgab, die 
aber immer anregend und befruchtend wirkten und daher mit 
entsprechender Pietät zu betrachten sind. 

Ich habe bei Untersuchung der hieher gehörigen Fälle 
nie auch nur eine Spur von Zeichen gefunden, die auf einen Er- 
guss im Hüftgelenke bezogen werden konnten. Irgend eine 
Vorwölbung der mit einem angenommenen Ergüsse gelullten 




. 



»ogle 



Original froni 
UNIVERSITYOF MICHIGAN 



811 



Internationale Klinische Rundschau 1892. 



812 



; 



Kapsel, irgend eine Prallheit, irgend ein Ballottement des Kopfes 
auf einer Flüssigkeitsschichte — nie war dergleichen zu be- 
merken. 

Bei dem mächtigen Aufschwünge der orthopädischen 
Forschung und Praxis, der in den letzten Jahren unter unseren 
Augen durch hervorragende Köpfe herbeigeführt wurde, wird dieses 
Kapitel über kurz oder lang einer eingehenden Bearbeitung ge- 
wiss unterzogen werden. Ich will daher den nachfolgenden 
Fall, als einen Beleg operativer Autopsie, in Kurzem mittheilen, 
zumal er auch in therapeutischer Hinsicht einiges Interesse besitzt. 

Herr N. N. aus Russland hat in der Kindheit in Folge von 
Poliomyelitis acuta eine Totallähmung des linken Beines erworben. 
Das Bein ist um 10 cm kürzer und in entsprechendem Grade ab- 
gemagert ; das Gesäss ganz flach. Auch nicht die geringste Spur einer 
aktiven Bewegung ist an dem Beine ausführbar. Dasselbe ist, wenn 
der Kranke liegt, in der Hüfte etwas gebeugt, etwas adducirt, etwas 
einwärts gerollt, im Knie schwach stumpfwinklig gebeugt ; der Fuss 
etwas pronirt. Passiv lässt sich beim stärkeren Adduciren und Ein- 
wärtsrollen des Hüftgelenkes der Kopf aus der Pfanne nach hinten 
hinausrollen und deutlich umgreifen; das Kniegelenk lässt sich nicht 
vollkommen strecken ; der Fuss erlaubt eine anomale Pronation, ist 
aber gegen Dorsalreflexion starr. Der Kranke geht mit einer Krücke, 
wobei das Bein wie ein lebloser Schwengel hin- und herpendelt. 
Der Kranke, sonst von blühendem Aussehen, und einer fröhlichen 
Geraüthsart, ist offenbar unter dem Einflüsse seiner Frau, die nur 
das Eine wünscht, dass ihr Mann ohne Krücke, mit einem oder 
zwei Stöcken zu gehen vermöge, zu einem operativen Einschreiten 
nicht verstümmelnder Art bereit; die Frau wünscht solches lebhaft. 
Meine Absicht war nun, den Kranken in eine solche Situation zu 
versetzen, dass sein Bein zu einem in sich und gegenüber dem 
Becken starren Gebilde umgewandelt werde, damit er sich darauf 
stützen könne und mit einer Prothese auslange, die nur die vor- 
handene Verkürzung ausgleicht. Er war ja in der Situation eines 
im Hüftgelenke Exartikulirten, nur mit dem Vortheile, dass seine 
Stelze — sein Bein war, aber mit dem Nachtheile, dass diese 
Stelze einknickte. Die Stelze sollte also fest werden; dann hatte 
er aber den Vortheil, dass diese Stelze ein Theil seines Körpers 
wurde und in allen Lagen mit seinem Körper verbunden war. 

Ich unternahm daher in der LoKw'schen Privatheilanstalt die 
Arthrodese der Hauptgelenke seines Beines. In dem ersten Akte 
wurde das obere Sprunggelenk und das Hüftgelenk einfach durch 
Ausschneiden der Kapsel und Abkratzen der Gelenkflächen, in dem 
anderen das Kniegelenk durch Ausschneiden der Kapsel und ganz 
flache Absetzung der Gelenkflächen festgemacht. Bei dem letzteren 
Akte wurden die Sägeflächen in einer von vorne oben nach hinten 
unten gehenden Richtung angelegt, so dass die vorhandene Beuge- 
stellung ohne nennenswerthe Verkürzung des Skelettes in eine gerade 
Streckung umgewandelt werden konnte. 

Der Verlauf war vollkommen glatt, die Wunden heilten aus- 
gezeichnet überall und rasch und alle Gelenke erlangten die er- 
wünschte Festigkeit. Der Kranke geht vorläufig in einem von 
Lorenz angefertigten Apparate, bei welchem die Stütze auf den 
Sitzknorren verlegt ist ; aber es ist bei der erzielten Starrheit des 
Beines nur eine Frage kurzer Zeit, den Kranken auf einer Tritt- 
vorrichtung gehen zu lassen, welche nur am Unterschenkel ihren 
Halt nehmen wird. 

Bei der Arthrodese des Hüftgelenkes, die ich von einem 
hinteren, zur Faserung des grossen Gesässmuskels parallelen 
Schnitte aus unternahm, fand ich nun die Gelenkskapsel sehr 
bedeutend ausgedehnt, hinten auch bemerkenswert!! verdickt, 
aber auch nicht eine Spur von Erguss in ihrer Höhle. Ja ich 
muss es ausdrücklich betonen, dass sich beim Einschneiden 
der Kapsel auch nicht ein Tropfen von Flüssigkeit ergoss; 
die Gelenkskapsel war nur feucht und glänzend; von einem 
Ligamentum teres war keine Spur vorhanden. Es ist also die 
Annahme Roser's, als ob zum Zustandekommen einer solchen 
Luxation ein Erguss in die Kapsel nothwendig wäre, vollkommen 
widerlegt. (Im Uebrigen zeigte das Gelenk keine Spuren aulfallen- 
der Veränderungen: keine Schliffflächen, keine Gestaltverände- 
rungen, keine Veränderungen im Aussehen der Knorpeln u. dgl.). 



Ueber Vaccine-Syphilis. 

Von Prof. Dr. M. Kaposi in Wien. 

(Schluss*.) 

Für den Arzt ergeben sich aus den vorangeschickten 
Erörterungen gewisse Regeln. 

1. Für sein Vorgehen bei der Impfung mittels humanisirter 
Lymphe. 

2. Für die Beurtheilung vorkommender Vaccinesyphilis 
und der ihr ähnlicher Abnormitäten. 

ad 1 a) Von einem notorisch syphilitischen, oder syphi- 
litisch gewesenen, oder von syphilitischen Eltern stammenden 
Kinde soll keine Lymphe benutzt werden. 

Da aber bezüglich der vorausgegangenen Syphilis der 
Eltern und demnach auch der Möglichkeit hereditärer Lues 
des Kindes oft keine positive Kenntniss zu erlangen ist, soll 
kein Kind vor Ende des 4. Lebensmonates als Stammimpfling, 
weder an der Spitze, noch innerhalb einer Impfserie verwendet 
werden. 

Die hereditäre Syphilis manifestirt sich nämlich, wofern 
nicht schon bei der Geburt deren Symptome vorliegen, inner- 
halb der ersten 3—6 Lebenswochen, selten später. Allein auch 
für den Fall, als während der Geburt dessen Infektion erfolgen 
sollte, würde, wie bei acquirirter Lues, innerhalb 8 — 12 Wochen 
dieselbe sich durch Exanthem kundgeben. Das Lebensalter von 
4 Monaten abzuwarten, wäre demnach eine genügende Gewähr 
gegen das Vorkommen einer latenten Syphilis. Andere plaidiren 
für 1 Jahr, Pick sogar für das 10. Lebensjahr. 

b) Während der Serienimpfung von Arm zu Arm soll 
die Impflancette (oder anderes Instrument) nach jedem absol- 
virten Individuum sorgfältigst gereinigt werden. Denn es be- 
steht die Gefahr, dass in der Reihe Her Impflinge sich Eines 
mit Syphilis, oder latenter Lues befindet, das beim Einstechen 
den Syphiliskeim der Lancette liefert. 

c) Zur Lymphabnahme und Weiterimpfung soll nur eine 
normale Pocke mit klarem Lymphinhalt und vom 8. Tage 
genommen werden. 

Es ist schon gesagt worden, dass selbst von einem syphi- 
litischen Individuum herrührende klare Lymphe fast keine Ge- 
fahr der Syphilisübertragung bietet. Wenn also durch ein unver- 
meidliches Versehen von einem latent syphilitischen Kinde 
(oder Erwachsenen, bei Revaccination). das eine normal aus- 
sehende Pocke trägt, klare Lymphe entnommen und weiter 
geimpft wird, so dürfte doch kaum jemals damit Imphsyphilis 
erzeugt werden. 

Wenn einem zum Stammimpfling ausersehenen gesunden 
Kinde bei der Impfung Syphilis beigebracht worden ist, dann 
entwickelt sich vorerst die normale Pocke. Infiltration und 
Ulceration zeigt sich, wenn überhaupt, erst von der 3. Woche 
ab. Wenn nun der 8. Tag zur Lymphabnahme eingehalten wird, 
ist klare Lymphe zur Verfügung und dürfte von dem Produkte 
des späteren syphilitischen Lokalaffektes eben noch nichts auf 
die Lancette gerathen. 

ad 2. Bezüglich der (gerichtsärztlichen) Beurtheilung ab- 
normer Vorkommnisse wäre festzuhalten : 

Wenn einem Impflinge mittels Impfung Syphilis inoculirl 
worden, so können, die Pocken mögen normal, oder abnorm 
verlaufen sein, die Erscheinungen der Syphilis (Exanthem) 
gerade so, wie bei der anderweitig acquirirten Syphilis Er- 
wachsener, nicht vor 6 Wochen und nicht später als nach 
12 Wochen auftreten. In jedem Falle also, in welchem viel 
später Syphilis auftritt, ist letztere von der Impfung unabhängig 
und durch gelegentlichen Kontakt (von einer dritten Person, 
Amme, Pflegerin etc.) entstanden — accidentelle Syphilis. Er- 
scheint die Syphilis beträchtlich vor 6 Wochen, 3 — 4 Wochen 
nach der Impfung, dann liegt wieder nicht Impfsyphilis vor. 
Dann war der Impfling schon früher syphilitisch inficirt, here- 
ditär oder durch Kontakt. Bei älteren Impflingen mag auch 



*i Siehe «Internationale Klinische Rundschan» Nr. 17 u. 18, 1892 



v :1c 



Original from 
UNIVERSITYOF MICHIGAN 



813 



Internationale Klinische Rundschau 1892. 



814 



durch die Form der Syphilis festgestellt werden können, dass 
eventuell nicht erste, sondern Recidivsyphili* vorliegt. 

Zur Konstatirung von Impfsyphilis nothwendig ist ausser 
der Klarstellung der obigen Verhältnisse noch die Gegenwart 
von Allgemeinen Symptomen (Exanthem, Papeln, Angina 
specifica). Infiltration und Ulceration, zögernde Verheilung, 
Wucherung an der Impfstelle für sich allein genügt nicht lür : 
die Diagnose «Impfsyphilis», selbst nicht wenn mehrere, Viele 
oder Alle einer ganzen Impflingsreihe solche Vorkommnisse I 
aufweisen. I 

Es ist bekannt, dass bei der Impfung mit reiner Lymphe 
ein in dem geschilderten Sinne abnormer Heilungsvorgang an 
der Impfstelle gar nicht selten vorkommt : erysipeloide Ent- I 
zündung und Infiltration des Pockengrundes, zuweilen dabei | 
Erythema toxicum, Adenitis axillaris, Vaccinolen u. s. f. Man 
hat aber auch kleine Endemien solcher beobachtet, welche 
dann zu dem falschen Gerüchte von Impfsyphilis und grosser 
Beunruhigung der Bevölkerung, gerichtlichen Untersuchungen 
und Misscreditirung der Vaccinalion und der Aerzte — semper 
aliquid haeret — Veranlassung gegeben haben. 

Solche «falsche» Epidemien von Impfsyphilis, die eben 
gar nicht Syphilis waren, sind von Gamberini aus Ferrara 
(1869), Möller aus Berlin (1870) u. v. A. mitgetheilt worden. 

Sehr lehrreich ist eine jüngste, 1889, in La Molte-au-Bois 
von Leloir untersuchte und beurtheilte «Epidemie>, welche 
derselbe als «Epidemie de Vaccine chancriforme> beschreibt. 
Am 31. .luli 1889 sind in dem genannten Dorle durch den 
Arzt Dr. D. von einem 9 Jahre alten Stammimpfling 43 Kinder 
geimpft worden. Bei allen zeigte sich nach verspäteter Ent- 
wicklung der Pocke Geschwürsbildung, die geradezu hartem 
Schanker zum Verwechseln ähnlich waren, nebst zerstreuten 
Pusteln am Körper. Auch einzelne Erwachsene bekamen pustu- 
löse Ausschläge. Trotz des Allarms und trotz der von anderen 
Aerzten, wie von der Bevölkerung getheilten Meinung, dass es 
sich um Impfsyphilis handelte, hat Leloir von dem richtigen 
Wege, dem der Beobachtung sich nicht ablenken lassen, welche 
nach Ablauf von nahe 4 Monaten ergab, dass auch nicht ein 
einziges Kind syphilitisch war. Die Vaccinegeschwüre waren 
verheilt. 

Die Bevölkerung war beruhigt und der Impfarzt von der 
Beschuldigung eines schweren Kunstfehlers befreit. 

Es ist wahrscheinlich, dass in diesem und in ähnlichen 
Fällen andere, Entzündung und Eiterung erregende pathogene 
Organismen (Streptococcus pyogenes) mit überimpft worden 
sind, und Vidal hat mit Recht darauf aufmerksam gemacht, 
dass in dem Falle von de la Motte-au-Bois, wie in einer 
früheren solchen Epidemie (1882) in Paris von der schon 
trüben Lymphe des 9. Tages abgeimpft worden war, in welcher 
Pourquibr eitererregende Mikroben konstatirt hat. 

Die Diagnose der Imphsyphilis zu stellen oder zu wider- 
legen tritt an den Arzt schon heran, wenn an der Stelle der 
Vaccineimpfung eine von den früher beschriebenen Anomalien 
des Ansehens und Verlaufes sich entwickelt. Aus den obigen 
Ausführungen erhellt, dass zu dieser Zeit, selbst von viel Er- 
fahrenen, besser kein definitives Urtheil abgegeben und dieses 
verschoben wird bis zu der Zeit, da Syphilissymptome allge- 
meiner Natur auftreten oder, im negativen Falle, die Zeitperiode 
— 3 Monate — ohne Auftreten der letzteren verstrichen sind. 
Die diflerentiellen Merkmale zwischen indurirtem Schanker an 
der Basis der Vaccine, oder an Stelle einer abortiven Vaccine 
einerseits und andererseits entzündlichem Geschwür, schlappen 
Granulationen bei kachectischen Säuglingen, Gangrän u. s. w. 
(Chancre vaccinal und Vaccine ulcereuse, Vaccine chancriforme) 
sind zwar nicht gerade unmöglich festzustellen, aber dennoch 
nicht entscheidend, da die Syphilis neben solchen anomalen Vacci- 
neerscheinungen, ja bei normaler Vaccine eingeimplt sein kann. 

Immerhin kann den mangelnden Entzündungssymptomen 
bei bedeutender Härte und scharfer Begrenzung der Basis, und 
der Beschränkung auf eine einzige Impfstelle, während die 
übrigen Impfpocken normal beschaffen sind, ein pathogno- 
monischer Werth für Sklerose beigemessen werden. 



Bichtig ist es auf alle Fälle, den Abiaul des bezeichneten 
Zeitraumes abzuwarten. 

Aber auch bei Ausbruch eines Exanthemes ist es noch 
Sache des Arztes, auch die nicht syphilitischen exanthematischen 
Formen, welche die Vaccine im Einzelfall oder in allen einer 
Impfserie kompliciren können, richtig zu diagnosticiren und 
gegen die falsche Deutung von Impfsyphilis zu vertheidigen, so 
Impf-Erythem, Erysipel, Vaccinolen, Varicella und Variola, 
welche letztere ja unmittelbar nach und während des Vaccine- 
verlaufes auftreten können u. A , Entzündung, Eiterung, Hämor- 
rhagie, Gangrän der Pockenbasis in Folge von mechanischen 
Insulten und lokalen septischen Infektionen, bei Ankleben der 
Verbände, Einreissen, Schmutz u. s. f. Zu diesen gehört auch 
als seltenes Vorkommniss das epidemische Auftreten von 
Impetigo contagiosa, wie solches in Wittow auf Rügen im 
Jahre 1885, in mehren Gegenden Deutschlands, der Schweiz, 
im Jahre 1889 nächst Horovitz in Böhmen beobachtet worden 
ist, wobei es sich, nach den Untersuchungen von Pogob, Lust- 
garten u. A., wahrscheinlich um Beimengung eitererregender , 
Kokken handelt. 

Sobald bei einem Impflinge durch Konstatirung des 
spezifischen Exanthems Syphilis festgestellt ist, muss dessen 
Behandlung in gleicher Weise, wie bei hereditärer oder ander- 
weitig acquirirter Syphilis geschehen. 

Die beste Vorbeugung und Sicherheit gegen die Gefahr 
der Impfsyphilis ist in der Benützung animaler Impflymphe 
gegeben. 



_. 



lieber Hypnose und Suggestion. 

Von Dr. S. Freud, Dozent an der Wiener Universität.*) 

Nach einigen einleitenden Bemerkungen über sein persön- 
liches Verhältniss zu dem Thema des Vortrages, erinnert der 
Vortragende daran, dass die noch vor Kurzem herrschende 
Ansicht, der Hypnotismus sei ein Gewebe von Schwindel und 
Selbstbetrug heute überwunden sei und dass man behaupten 
dürfe, es handle sich um ein wichtiges Gebiet von psycho- 
logischen Thatsachen, das den Arzt sehr nahe angeht. Er 
theilt dann mit, dass die Grundthatsache des Hypnotismus in 
zweierlei Fassung ausgesprochen worden sei, von Charcot und 
von den Männern der «Schule von Nancy». Nach einer kurzen 
Beleuchtung der CHARCOT'schen Lehren übergeht er zu der 
Auffassung der Schule von Nancy, zu welcher er sich rück- 
haltslos bekennt. Vorher macht er einige interessante Mit- 
theilungen über die Persönlichkeit des Gründers dieser Schule, 
des Dr. LiGbault, der in selbstlosester Weise sein Leben der 
Erforschung dieses Problems gewidmet hat, sowie über Prof. 
Brrnheim, dessen Publikationen die allgemeine Aufmerksamkeit 
auf die bis dahin unbeachtete Lehre und Thätigkeit Li6bault's 
gelenkt haben. 

Die Schule von Nancy definire die Hypnose als einen 
besonderen psychischen Zustand, in dem die S ugg er ir bar- 
keit gesteigert ist. Der Vortragende will nun die erste Stunde 
auf die Erörterung der Begriffe «Suggestion» und «Hypnose» 
verwenden, und in einem zweiten Vortrag auf die therapeu- 
tische Rolle der Hypnose eingehen. 

Die «Suggestion» werde von Bbrnheim definirt als der 
psychische Akt, durch welchen eine Vorstellung in ein fremdes 
Gehirn eingeführt und von diesem angenommen werde. Diese 
Definition erscheine aber unbefriedigend, weil zu weit; sie lasse 
die Folgerung zu, dass jede psychische Beeinflussung zwischen 
verschiedenen Personen eine Suggestion sei, und nehme so der 
Suggestion, die uns an der Hypnose befremdet, das Charak- 
teristische weg. Bernheim sei thatsächlich bereit, eine solche 
Folgerung zu acceptiren und sehe in allem psychischen Ge- 
schehen eine Erscheinung der Suggestion. Dem entgegen sucht 
der Vortragende an der Hand von Beispielen für Befehl, 
Ueberredung, Belehrung u. dgl. das Charakteristische der 



+) Vortrag gehalten im «Wiener medizinischen Klub* am 27. April 
und 4. Mai 1892. — Originalbericht der «Intern. Klinischen Rundschau.» 



\\c 



Original from 
UNIVERSITY OF MICHIGAN 



815 



Internationale Klinische Rundschau 1892. 



816 



Suggestion festzustellen und kommt zum Schlüsse, die Sug- 
gestion bestehe darin, dass ein (iehirn eine ihm von aussen 
dargebotene Vorstellung annimmt, ohne Kritik an ihr zu üben, 
obwohl es über das Materiale für diese Kritik verlügt. 

Das Hauptverdienst der Schule von Nancy besteht nun 
darin, dass sie den Erscheinungen der Suggestion auf allen 
Gebieten des menschlichen Seelenlebens nachgespürt und er- 
wiesen habe, dass wir alle unter einer Fülle von Bedingungen 
uns als suggerirhar erweisen, eine Thatsache, die ein viel 
weitgehenderes Interesse als blos für den Arzt beansprucht. 
Der Vortragende berichtete über einige höchst frappante Ver- 
suche Bernhrim's, welche das ganz unerwartete Mass der 
Gläubigkeit bei normalen Menschen beweisen. 

Den Arzt interessire es nun hauptsächlich zu wissen» 
unter welchen Bedingungen die Menschen suggerirbar sind. 
Eine nicht erschöpfende Aulzahlung ist die folgende: 

1. Die gesteigerte Suggerirbarkeit kommt spontan als 
dauernder abnormer Seelenzustand vor — in seltenen Fällen. 

2. Sie findet sich zeitweise in Affektzuständen und bei 
Einwirkung psychischer Infektion; von den ersteren ist be- 
sonders der Zustand der religiösen Gläubigkeit anzuführen. 

3. Sie findet sich in der durch gewisse Methoden zu 
erzielenden tiefen Hypnose. 

Die Suggerirbarkeit des hypnotischen Zustandes zeigt 
gewisse Unterschiede gegen die Suggerirbarkeit unter anderen 
Bedingungen. Sie ist nämlich eine allgemeine, während eine 
sonstige Steigerung der Gläubigkeit sich nur auf die Suggestion 
bezieht, welche im Zusammenhange mit der wirksamen Be- 
dingung stehen. So wird ein religiös Suggerirter nur 
leichtgläubig gegen Suggestionen, die zu dem Inhalt seines 
religiösen Glaubens passen, aber nicht allgemein leichtgläubig. 
Er wird etwa in Lourdes eine Wunderheilung ohne Prüfung 
annehmen, aber an einem Versuch, ihm eine Illusion für eine 
Speise zu ertheilen, scharfe Kritik üben. In der Hypnose werde 
die Suggestion ermöglicht durch die gleichmässige Abschwäehung 
aller vorhandenen Vorstellungen, bei der religiösen Gläubigkeit 
dagegen durch Verstärkung einer besonderen Vorstellungs- 
gruppe . 

Ein anderer unterscheidender Charakter der hypnotischen 
Suggerirbarkeit bestehe darin, dass sie mit Amnesie verbunden 
sei, was bei der Suggerirbarkeit unter auderen Bedingungen 
fehle. Der Vortragende suchte aber die Bedeutung dieses Unter- 
schiedes selbst einzuschränken, indem er die Behauptung auf- 
stellte, die Amnesie der Hypnose rühre nur daher, dass wir es 
vermeiden, sehr verschiedene Zustände des Bewusstseins mit 
einander zu assoeiiren, so knüpfen wir z. B. die Gedanken- 
gänge des «Morgens unmittelbar an die des vorigen Abends 
an mit Ueberspringung der Nacht, und merken mitunter, dass 
wir Nacht an Nacht assoeiiren, die in der einen Nacht be- 
gonnenen Träume von denen wir bei Tag nichts gewusst 
haben, in der nächsten fortsetzen. Die Amnesie der Hypno- 
tisirten sei weiter nichts als ein solches Vermeiden der Ver- 
knüpfung zweier verschiedener Bewusstseinszustände, denn 
jede folgende Hypnose bringe die Erinnerung an die vorigen 
wieder. Auch seien wir gelegentlich unter anderen Verhält- 
nissen amnestisch, ja auf der Höhe des Affekts, wie man die 
Jähzornigen beobachten kann, die dann in Abrede stellen, arge 
Ausdrücke gebraucht zu haben. 

Der Vortragende schloss damit, es sei bisher gelungen, 
die Begriffe «Hypnose» und «Suggestion» auseinanderzuhalten, 
das werde aber von jetzt ab schwerer werden. Wenn man 
nämlich auf die Methoden eingehe, durcii welche die Hypnose 
erzeugt wird, so müsse man zugestehen, dass diese selbst in 
der Anwendung der Suggestion bestehen. Nimmt man hinzu, 
dass die Hypnose nach den Lehren der Schule von Nancy 
keine konstanten körperlichen Zeichen hat, sondern blos den 
Charakter der gesteigerten Suggerirbarkeit, so versteht man, 
wie ein geistreicher Anhänger der Nancy'schen Schule, Prof. 



Delboeuf den Salz aussprechen konnte: es gibt keine Hypnose 
sondern nur verschiedene Arten und Grade der Suggerirbarkeit 

in dem zweiten Vortrag über die Bedeutung von Hyp- 
nose und Suggestion für die Therapie, den wir ausführlicher 
wiedergeben wollen, sagte Dr. Freud etwa Folgendes: 

Neben der Medizin der Schule, die sich bemühte, die 
ärztliche Therapie auf die Gesammtheit der jeweiligen naturwissen- 
schaftliche Erkenntnisse zu basiren, mag in derselben die 
mathematisch-physikalische oder wie gegenwärtig die biologisch- 
chemische Auffassung vorschlagen, hat es jederzeit eine laien- 
hafte, oppositionelle «wilde» Medizin gegeben, deren Haupt- 
charakter es gerade war, die wissenschaftlichen Grundlagen der 
Therapie bei Seite zu lassen. So in unserer Zeit die Homöo- 
pathie, die Naturheilkünstler, der Pfarrer Kneipp u. dgl. Die 
Erfolge dieser Laientherapie seien aber unzweifelhaft und nicht 
zu unterschätzen. Fragt man sich, worin dieselben bestünden, 
so kann man wohl sagen, es sei nicht ein einziger Fall von 
Heilung durch solche Methoden vorgekommen, der unseren auf 
die Anatomie gegründeten Folgerungen widersprechen würde, 
es sei noch Niemand durch einen Heilkünstler zum Gehen ge- 
bracht worden, dessen N. ischiadici in einen bindegewebig- 
fettigen Strang verwandelt waren, oder zum Sehen, wenn er 
keine Stäbchen-Zapfenschicht in der Netzhaut besass. Es handle 
sich da immer um Fälle, die auch wir als prinzipiell heilbare 
erklären würden, und deren Heilung auch uns in einer Reihe 
von Malen gelingt. Doch müsse es zu denken «eben, dass diese 
wilde Medizin ungefähr das Gleiche auswählen könne wie unsere 
wissenschaftliche, und seihst einzelne Fälle zur Heilung bringt, 
die der rationellen Therapie widerstanden haben. Es verlohne 
sich daher nachzusuchen, welchem Faktor die laienhafte Medizin 
ihre Erfolge verdanke, und bei näherer Ueberlegung müsse mau 
sagen, dass dies nur ein psychischer Faktor sein kann, denn 
diese Hedungen vollziehen sich unter drei verschiedenen Be- 
dingungen, bei denen allen der psychische Faktor der Suggestion 
unverkennbar ist, 1. an Orten mit deren Besuch eine Steigerung 
der religiösen Gläubigkeit verbunden ist, so in Lourdes, in 
der Gebetanstalt Zcller's am Zürichersee u.dgl. Die 
religiöse Gläubigkeit haben wir aber letzthin unter den kräf- 
tigsten Einflüssen zur partiellen Steigerung der Suggerirbarkeit 
kennen gelernt; 2. bei Behandlungsmethoden, welche der wissen- 
schaftlichen Medizin die Form entlehnen, aber nur durch den 
Glauben an sie wirken können, da sie nach unserer Einsicht 
den vorhandenen Leiden ganz inadäquat sind; dahin gehöre ja 
die Homöopathie; 3. gehören hierher noch in die Fälle, in denen 
eine wirklich rationelle Therapie Wirkungen erzielt, die weit 
über ihre eigentliche Macht hinausgehen, weil sich der sug- 
gestiven Einfluss des Arztes, der diese Behandlung ausübt, hia- 
zugesellt. Der Vortragende citirt hier Metzoer's Massagekuren 
und beruft sich für diese Auffassung auf einen Vortrag Char- 
cot's, der die suggestive Wirkung, die von Metzger ausgeht, 
schildert 

Angesichts dieser Erfahrungen erscheint es als ein be- 
rechtigter Wunsch des Arztes, sich dieses suggestiven Faktors 
zu bemächtigen, um ihn in seiner therapeutischen Thäligkeit 
zu verwenden. Als bequemstes Verfahren bietet sich ihm dazu 
die Anwendung der Suggestion in der Hypnose. Die Hoffnung, 
den Macht bc eich der rationellen Therapie erheblich zu erweitern, 
wenn es gelingt die Kranken in tiefe Hypnose mit Amnesie 
in sog Somnambulismus zu versetzen, gründet sich aber nicht 
nur auf die obigen Erfahrungen über die Erfolge der suggestiven 
Laientherapie, sondern auch auf eine Reihe von Thatsachen, 
die dem Tnema der Wechselwirkung des Physischen und Psy- 
chischen beim Menschen angeboren. Dieses Thema wird in der 
Schule meist einseitig behandelt, so dass die psychischen Vor- 
gänge als das Abhängige und Beinflusste erscheinen. Der 
Student hört von den somatischen Bedingungen der psychischen 
Funktionen, von der Beeinflussung derselben durch die Ver- 
änderungen der Blutzufuhr und durch toxische Stoffe oder 
Produkte Eine andere Reihe von Thatsachen, die von der Schul- 
medizin gegenwärtig im Hintergrund belas-en wirl, zeiat aber, 
dass auch das Gegentheil wahr ist, da-*s auch eine höchst he- 



• »ogle 



Original from 
UNIVERSITYOF MICHIGAN 



817 



Internationale Klinische Kundschtu 1892 



818 



deuisame [Beeinflussung der körperlichen Funktionen durch die 
psychischen Vorgänge stattfindet*) Vor Allem zeugen dafür 
jene körperlichen Veränderungen, die für den Verkehr der 
Menschen die wichtigste Holle spielen, die man als Ausdruck 
der Gemüthsbewegungen zusammenfasse und die für das Ver- 
ständniss der Neurosen eine so grosse Bedeutung gewonnen 
haben, seitdem mau als das Charakteristische des Status ner- 
vosus einen gesteigerten Ausdruck der Gemütsbewegungen 
erkannt hat. Ausserdem weiss man, dass alle Sekretionen auf 
Vorstellungen hin erfolgen und gehemmt werden, man kennt 
Beispiele von auffälligen trophischen Veränderungen in Folge 
primärer Veränderung des Vorstellungslebens und gerade am 
Beispiel der Neurasthenie lässt sich zeigen, dass man jetzt 
häufig genötliigl ist, eine Wirkung vom Psychischen auf's Phy- 
sische anzunehmen, wo man früher das (iegentheil iür sicher 
hielt. Der Vortragende erwähnt als das auffälligste Phänomen 
dieser Reihe die Hervorrufung von Röthungen der Haut an 
angegebenen Stellen durch Einführung einer Vorstellung in der 
Hypnose — ein Versuch, den er selbst an einer Patientin Life- 
ba ölt's wiederholt angestellt und berichtet, dass von vertrauens- 
würdigen Männern auch Eiterung und Blasenbildung auf dem- 
selben Wege erzeugt worden sind 

Gelänge es also, tiefe Hypnose zu erzeugen, so würde 
man durch Einführung von geeigneten Vorstellungen, 1. alle 
Erscheinungen aufheben können, die selbst von Vorstellungen 
herrühren, indem man diesen krankmachenden Vorstellungen 
energisch wiederspricht; 2. auch andere Krankheitssymptome 
hemmen oder aufheben, die somatischer Herkunft sind, wenn 
der Krankheitsprozess nicht unvermeidlicher Weise sich durch 
diese Symptome kundgeben muss. 

Erscheine so die therapeutische Anwendung der Hypnose 
gerechtfertigt, so sei es an der Zeit einen Einwurf zu würdigen, 
der gerade von Denjenigen komme, welche die Bedeutung der 
Suggestion für die Therapie zu schätzen verstehen. Man sage, 
gewiss solle der Arzt suggeriren, aber das thue er ohnedies 
und seit jeher. Der Arzt suggerire immer durch seine Persön- 
lichkeit, durch seine tröstliche Versicherung und selbst in 
unseren rationellen Behandlungsmethoden stecke eine Portion 
Suggestion. Bei jedem ärztlichen Eingriff vermenge sich der 
psychische Faktor der Suggestion mit der physikalisch- 
chemischen Wirkung der Therapie. Von unserer Elektrotherapie 
ist es gerade jetzt fraglich geworden, ob sie nicht zum aller- 
grössten Theil auf Suggestion beruhe. Wozu dann noch die 
Hypnose, die Selbstsuggestion sei nichts Anderes, bringe nichts 
Neues als einen neuen Namen? Besonders häufig höre man 
diesen Einwand von hervorragenden Aerzten, die einen grossen 
Ruf geniessen und in der That durch ihren blossen Verkehr, 
ja ihrer Miene die Kranken zu erleichtern vermögen. Darauf 
■sei aber zu erwidern, dass die bewusste Suggestion doch von 
den Aerzten nicht allgemein geübt wird, dass dieselben im 
Allgemeinen nichts dazuthun, dass die Kranken sich suggeriren. 
Das komme hie und da vor, besonders bei einzelnen Persön- 
lichkeiten, es handle sich aber darum, die Suggestion in 
grossem Umtange und absichtlich hervorzurufen und die Hilfs- 
kraft dieses Faktors gmz allgemein auch solchen Aerzten zu 
Theil werden zu lassen, die sich nicht eines besonderen persön- 
lichen Einflusses erfreuen. 

Die eigentliche Würdigung dieses Einwandes meint der 
Vortragende, sei nur möglich, wenn man sich für xier gegen 
Dklboeup entscheide, die Hypnose als einen besonderen Zu- 
stand oder selbst nur als ein Produkt der Suggestion hinstellen zu 
lassen. Im letzteren Falle sei der Einwand berechtigt, man bedürfe 
der Hypnose nicht, wenn man mit ihr nichts Anderes erreiche 
als eine solche Suggerirung des Kranken, wie sie auch ohne 
Hypnose zu Stande kommt. Es sei dann auch zu erwarten. 
dass die Hypnose ihre besondere Wirkung bei den Kranken 
verlieren werde, wenn dieselben gemerkt haben, dass dieser 
Zustand keine von ihrem Glauben unabhängige Wirkung aus- 



üben kannte. Im anderen Falle, wenn die Hyprose ein eigen- 
artiger physisch bestimmbarer Zustand ist, sei es klar, dass 
ihre Verwendung einen grossen Fortschritt im Vergleich mit 
der gebräuchlichen Suggerirung von Seiten der Aerzte bedeute. 
Der Vortragende will auf diese überaus wichtige Ent- 
scheidung hier nicht eingehen, er bemerkt nur, dass er seiner- 
seits noch an der Auffassung der Hypnose als eines eigen- 
artigen Zustandes festhalte. Die Hypnose lasse sich wenigstens 
der Definition nach gut von den anderen Zuständen mit er- 
höhter Suggerirbarkeit trennen. Suggeriren bedeute ja allgemein, 
einen Anderen dahin zu bringen, dass er eine Vorstellung auf 
Grund eines psychologischen Motives anstatt eines logischen 
Beweggrundes annehme. Für die anderen Arten der Suggerirung 
gelte diese Definition wörtlich, bei der Hypnose geschehe dies 
dadurch, nicht dass man dem Anderen ein psychologisches 
Motiv verschafft, sondern indem der besondere psychische 
Zustand den Widerstand gegen die neue Vorstellung aufhebt. 
Soviel stehe aber fest, dass Diejenigen, welche diesen Einwand 
erhoben, die Anwendung der Hypnose nur überflüssig, nicht 
verwerflich finden können. 

(Fortsetzung folgt.) 



*) Eine vortreffliche Sammlung von Beispielen hiefQr enthalte das be- 
kannte Buch von Hack Tdkb, Influenoe of Ihe mind upon the body. 



Verhandlungen wissenschaftlicher Vereine. 

K. k. Gesellschaft der Aerzte in Wien. 

(Originalbericht der »internationalen Klinischen Rundschau».) 

Sitzung vom 6. Mai 1892. 

Schlußs der Diskussion über die Wasserversorgung Wiens. 

Reichsrathsabgeordneter Prof. SüRSS ergreift das Wort, um 
die an ihn gestellten Fragen zu beantworten. Die erste Frage 
betrifft das von P r of. Subss aufgestellte Projekt der 
Einbeziehung neuer Quellen aus dem Märzthal e, 
welche derselbe dahin beantwortet, dass schon vor 30 Jahren in 
weiser Voraussicht der Aquädukt viel grösser angelegt worden sei, 
um den späteren Bedürfnissen genügen zu können. Die neuen ins 
Auge gefassten Quellen liefern 358.340 Hektoliter, also das Doppelte 
an Quellwasser, wie es jetzt Wien besitze und mit dieser Vermehrung 
könne die Wiener Bevölkerung zufrieden sein. Die Schwierigkeit, 
in's Mürzthal zu gelangen, sei heute keine grosse und die Anlegung 
eines grossen Stollens sei heutzutage nur eine technische Spielerei. 
Die neuen Quellen könne Prof. SüKSS nicht nennen, damit sich der- 
selben nicht die Privatspekulation bemächtige, das könne er aber 
bestimmt sagen, dass er auf das «todte Weib» wegen der sehr 
schwankenden Wastermengen nicht reflektiren würde. 

Die zweite, die Menge d«s unter dem Steinfelde vorhandenen 
Wasser betreffende Frage, beantwortet Prof. Suess dahin, dass wohl 
Wasser in hinreichender Menge vorhanden sei, man könne sogar 
den Abfluss desselben sehen, dass aber der Bau eines Stollens 
nichts Anderes als eine Drainirung des Bodens bedeute und dass 
durch dieses Projekt nach einer Reihe von Jahren die Wasserent- 
nahme sehr beschränkt werden würde, da sich der Wasserspiegel 
gegen den Stollen hin sehr senken würde. Zur Zeit des Maximum 
werde wohl Wasser in hinreichender Menge vorhanden sein, aber 
nicht zur Zeit des Minimum. Das Projekt der Wiener-Neustädter 
Tiefquellenleitung sei daher nur durch Anlegung von weit ausein- 
ander liegenden, tiefen Pumpwerken möglich; dann aber dürfe das 
Wasser nicht in den projektirten Aquädukt geleitet werden. 

Was die Qualität des Wassers anlange, so solle raan mit der 
Frage der Selbstreinigung eiwas strenger sein. Nach den neueren 
Forschungen werde die Selbstreinigung des Bodens hauptsächlich 
durch Pflanzenwuchs, besonders durch Algen, bedingt. Wenn es 
sich aber darum handle, eine Millionenstadt mit gutem Trinkwasser 
zu versorgen und man dasselbe in genügender Menge vorräthig habe, 
so sei nicht einzusehen, warum man demselben ein minderwerthiges 
vorziehen wolle, bei dem man sich überdies auf die etwas zweifel- 
hafte Selbstreinigung verlassen müsse? 

Hofrath Prof. Ludwig erinnert an den vor sieben Jahren von 
der Gesellschaft der Aerzte in derselben Angelegenheit erstatteten 
Bericht, welcher sich mit den Ausführungen des Prof. Grubbr heute 



L, 



?ltr 



Original ftom 
UNIVERSITYOFMICHIwUL^ 



1* 



1 



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Internationale Klinische Rundschau 1892. 



820 



vollkommen decke. Seit dieser Zeit habe sieh aber nichts geändert, 
was die Gesellschaft veranlassen könnte, eine andere Stellung in 
dieser Frage einzunehmen. Die Kalamität der Wasserversorgung be- 
finde sich jetzt in einem akuten Stadium und den bedrohten Vor- 
ortebewohnern dürfe ihr gutes Recht nicht länger vorbehalten bleiben. 
Man habe sich beschwert, dass Herr Prof. Grubkr, dessen Referat 
ein sachliches, erschöpfendes und musterhaftes zu nennen sei, eine 
schärfere Tonart eingeschlagen habe und dass in der Gesellschaft 
der Aerzte zum Fenster hinaus^esprochen werde. Wenn zum Fenster 
hinausgesprochen werde, so sei dies ganz recht, da die Stellung 
der Gesellschaft in einer so eminenten Frage dem Publikum nicht 
geheim bleiben dürfe. Auch die schärfere Tonart sei am Platze und 
wenn sich Jemand zu beschweren habe, so sei es nur die k. k. 
Gesellschaft der Aerzte, deren Gutachten wiederholt verhöhnt und 
verdreht wurden, aber nicht von Fachmännern, sondern von Laien ! 
Dass das Projekt der Tiefquellenleitung ausführbar sei, das lehre 
die Stadt Frankfurt. Für eine Nutzwasserleitung werde sich wohl 
Niemand erwärmen können und das Wasser könne man nicht so 
abschlössen, als dass es doch nicht getrunken werden sollte. Selbst 
die grösslen Vorsichtemassregeln scheitern an der Indolenz der 
Menschen. Was Prof. Suess über die Selbstreinigung gesprochen 
habe, sei nicht richtig; die Selbslieinigung in einem offenen Gerinne 
und die in einer Schotterachichte seien zwei grundverschiedene 
Dinge. Ein richtiges Unheil über die Reinheit des Wasrers könne 
nur die physikalische, bakteriologische und chemische Untersuchung 
geben. Das Tiefquellenwaaser sei zwar härter als das Hochquell- 
wasser, sonst aber mit demselben ganz identisch. Hofr. Ludwig 
fordert zum Schlüsse die Gesellschaft auf, die von Prof. Grubkr 
verfassle Resolution anzunehmen und die Errichtung einer Donau- 
nutzwasserleitung zu perhorresciren. Thue dies die Gesellschaft, dann 
werde sie ihren alten Traditionen, zur rechten Zeit das rechte Wort 
gesprochen und sanitäre Uebelstände bekämpft zu haben, treu ge- 
blieben sein. 

Prof. Grüber wendet sich zuerst mit einigen thatsächlichen 
Berichtigungen gegen die Ausführungen des Stadtbaudirektors. Was 
die Anschauungen des Prof. Suess anlange, so seien dieselben sehr 
anfechtbar; im übrigen kümmere aber die Aerzte gar nicht der Bau 
des Stollens, die Aerzte habe nur die Frage zu beschäftigen, ob 
im Steinfelde genug und gutes Wasser vorhanden sei. Prof. Suess 
habe über die Selbstreinigung der Flüsse gesprochen, während er 
doch über die Selbstreinigung des Grundwassers hätte sprechen sollen. 
Prof. Suess habe die Entnahme und Verwendung des Steinfelder 
Grundwaaaers, nachdem es Kilometer lange Wege im Boden in 
unbewohnter Gegend zurückgelegt hat, für eine Kalamität erklärt, 
die Gründe für den Wechsel seiner Anschauungen sei er schuldig 
geblieben. 

Die Erfahrung, welche Prof. Winternitz mitgetheilt, sei nich 1 
so bedeutungsvoll, wie er annehme und es sei etwas ganz Anderes 
ob man 200 Wt" oder 50000 m* im Tage einem Uferboden ent- 
nehme. Es sei an der Zeit, dass man endlich die schlechten Er- 
fahrungen, die man bei der Kaiser Ferdinands-Wasserleitung ge- 
macht habe, zu würdigen wisse. 

Was die Ausführungen des Ingenieur Brbyer anlange, so 
seien seine auf einer nachmittägigen Spritzfahrt gemachten Er- 
fahrungen nicht sehr ernst zu nehmen. Mehr Beruhigung in Bezug 
auf die Quantität des Steinfelder Grundwassers gewähren die neuesten 
auf Rath des Siadtbaurathes Lindley vorgenommenen Messungen, 
wobei das freiwillig dem Steinfelde entstammende Grundwasser 
gemessen wurde, nach welchen sich der durchschnittliche Grund- 
was8erabfluss nach der Kapacität der Werksbache auf 2,332 800 m s 
schätzen lasse. Was die BRKYER'schen Asbestfilter anlange, so sei 
nach den gemachten Vorproben die Leistung derselben zwar be- 
wunderungswürdig zu nennen, die praktische Verwerthung lasse 
sich aber nicht sicherstellen und der Asbestfilter habe erst seine 
Feuerprobe zu bestehen, da hier noch viele andere Sachen eine 
Rolle spielen. Auch sei noch nicht sichergestellt, ob das von Grubbr 
benützte Element nicht ein Unicura vorstelle, das Brbyer nicht so 
leicht nochmals herzustellen vermöge. 

Was die von Baron Schwarz-Senborn empfohlene Bohrung 
artesischer Brunnen anlange, so sei zwar aus grosser Tiefe er- 



bohrles Wasser unverdächtig, aber wegen der grossen Härte 
und hohen Temperatur nicht immer geniessbar. Auch die Anlegung 
von Flachbrunnen lasse sich nicht überall in Wien durchführen. 

Prof. Gruber resumirt nun: Gegen die Verwendung des 
Donaunutzwassers zur Spülung von Slransenkanälen u. s. w. lasse 
sich, wenn die Leitung in die Häuser unterbleibe, nichts einwenden, 
aber dadurch sei noch immer nicht der grossen Noth an Haus- 
brauchwasser abgeholfen. Bei der anerkannten guten Qualität 
und ungeheueren Quantität des Steinfelder Grundwassers 
sei nur dieses zu empfehlen. Wenn Gruber die Annahme seiner 
Resolution vorschlage, so müsse er ausdrücklich bemerken, dass 
sich dadurch die Gesellschaft durchaus nicht für ein bestimmtes 
Unternehmen, für die Wiener-Neustädler Tiefquellenleitung engagiren 
würde. Die Kommune Wien köine, trotzdem sie vieles verabsäumt 
habe, heute noch ohne unerträgliche finanzielle Schädigung das 
von der Gesellschaft erwünschte Ziel erreichen ! Die Gesellschaft 
der Aerzte würde sich selbst preisgeben, wenn sie heute die im 
Jahre 1885 gefassten Beschlüsse widerriefe oder gar von erneuter 
entschiedener Stellungnahme zurückschrecken würde. Es sei zwar 
nicht völlig ausgeschlossen, dass der GemeinderKth Wiens, welches 
eine der ältesten und berühmtesten medizinischen Schulen der Welt 
beherberge, über das Votum der ersten ärztlichen Gesellschaft Wiens 
hinweggehen werde, wenn ihr dieses unbequem ist! In keiner an- 
deren Kapitale sei es möglich, da*?s so wie in Wien die städtischen 
Behörden, ohne die ärztlichen Fachmänner zu befragen, in einer 
so wichtigen sanitären Frage Stellung nehmen, obwohl das Stadt - 
physikat selbst gegen die Donaunutzwasserleilung Stellung nimmt! 
Ja der Bürgermeister habe es nicht einmal für nothwendig befun- 
den, das ihm freiwillig angebotene Votum der Aerzte abzuwarten ! 
Aber wa9 auch immer kommen möge, die Gesellschaft der Aerzte 
könne in dem Bewusstsein treu erfüllter Pflicht dem weiteren Laufe 
der Dinge ruhig entgegensehen. 

Die Resolution Prof. Gruber 's lautet: 

«Festhaltend an den Grundsätzen, welche in dem am 11. 
Dezember 1885 einstimmig angenommen Berichte des zur hygie- 
nischen Beurtheilung des Projektes der Wiener-Neustädter Tief- 
quellenleilung eingesetzten Komites enthalten sind, erklärt die k. k. 
Gesellschaft der Aerzte neuerdings, dass sie die getrennte 
Versorgung der Stadt und insbesondere der Häuser mit 
ungleichartigem Genuss- und Nutzwasser für ein sanitäres 
Hebel und für eine sanitäre Gefahr halte, welche solange 
als möglich vermieden werden solle ; dass sie insbesondere 
die Errichtung einer Nutzwasserleitung, welche Wasser aus 
dem Stromgebiete der Donau liefern soll, insolange für 
unzulässig hält, als die Bezugsquellen für einheitliche Versor- 
gung mit tadellosem Wasser nicht erschöpft sind. Sie erklärt 
wiederholt, dass das Grundwasser des Wiener-Neustädter Stein- 
feldes in hygienischer Beziehung tadellos ist und dass insbe- 
sondere auch die geologischen Verhältnisse, Tiefe des Grund- 
wassers, Mächtigkeit der Schotterschichte, Wasserarmuth und 
Dürre der Bodenoberfläche und in Abhängigkeit davon auch 
die Besiedelungsverhältnisse auch für die Zukunft genügende 
Gewähr bieten, dass der tadellose Zustand des Wassers er- 
halten bleiben wird. Dass endlich durch die Aussage der Sach- 
verständigen und die darauf gegründeten Entscheidungen des 
hohen k. k. Ackerbauministeriums und des hohen k. k. Ver- 
waltungsgerichtshofes auch sicher gestellt erscheint, dass jedenfalls 
auf eine längere Reihe von Jahren, wahrscheinlich für eine 
fernere Zukunft genügende Mengen Wassers im Steinfelde vor- 
handen sind, so spricht die k. k. Gesellschaft der Aerzte neuer- 
dings die Ueberzeugung aus, dass durch Einleitung des Grund- 
wassers des Wiener-Neustädter Sleinfeldes in die Stadt die 
Hochquelienleilung ergänzt und der klägliche und seit der Ver- 
einigung der Vororte mit der alten Stadt ganz unhaltbar 
gewordene Zustand der Wiener Wasserversorgung in glücklicher 
Weise beseitigt werden kann. Sie erwartet daher, dass endlich 
diese allein erspriessliche Abhilfe angebahnt und geschaffen 
werde.» 

Diese Resolution wird nun en bloc und einstimmig ange- 
nommen. 



■ 1^ 



Original ftom 
UNIVERSITYOF MICHIGAN- 



"% — -. 



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Internationale Klinische Rundschau 1892. 



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Der Antrag Prof. v. Schrötter*s, möglichste Vervollständigung 
der Hochquellenleitung und das Tiefquellwasser nicht in den Aquä- 
dukt zu teilen, ferner der Antrag des Hof-Arztes Dr. Mauczka 
«auch den Ausbau der Hochquellenleitung zu befürworten» (damit 
es nach dem Ausaprushe Prof. SüESS nicht so aussehen solle, als 
wollte die k. k. Gesellschaft der Aerzte das «höchste IdeaU ignoriren), 
diese Anträge werden, da sie wenig Anklang finden, von den An- 
tragstellern zurückgezogen. 

Hofr. Prof. Billroth dankt nun dem Referenten für seine 
Mühe, sowie den anwesenden Gästen für ihr Erscheinen und Theil- 
nahme an der Diskussion und erbittet sich die Erlaubniss, 500 
Separatabdrücke über die in der Gesellschaft behandelte Wasser- 
versorgungsfrage drucken lassen zu dürfen, um die Anschauungen 
der Gesellschaft auch in breitere Schichten dringen lassen zu können. 

Dr. Em. Mandl. 



Wiener medizinischer Klub. 

Sitzung vom 4. Mai 1892. 

Dr. Julius Weiss: Demonstration von Blutbildern. 

Dr. Julius Weiss demonstfirt eine Reihe von Blutbildern 
(Trockenpräparate mit Eosin-Methylenblau gefärbt) und bespricht 
die Differentialdiagnose der verschiedenen Formen von Leukocytose 
einerseits und des leukämischen Biutbefundes andererseits. Die 
meisten Leukocylosen zeigen eine typische Einförmigkeit, 
indem die Vermehrung der weissen Blutzellen hauptsächlich, ja fast 
ausschliesslich die polynuklearen neutrophilen Leukocyten betrifft. 
Die Leukämie dagegen bietet ein Blutbild, das durch die Pol y- 
marphie der Zelltypen charakterisirt ist. 

Nicht bestimmte Zellformen (eosinophile Zellen, Markzellen, 
Mastzellen) kennzeichnen das histologische Präparat des Leukämie- 
blutes, sondern nur die Polymorphie des Bildes in toto. Diese für 
die praktische Diagnose wichtige Thatsache erleidet gewisse Aus- 
nahmen, da es einerseits Leukocylosen gibt, bei denen die mono- 
nuclearen Leukocyten in der Majorität sind, es andererseits 
eine Form der Leukämie gibt, bei der die kleinzelligen weissen 
Blutzellen vorherrschen: die sogenannte lymphatische Leuk- 
ämie. In solchen Fällen muss der klinische Verlauf der Krankheit 
und der Zählbefund die Entscheidung bringen. Zum Schlüsse de- 
mon8trirle der Vortragende das Blutbild der Anämia infantum. 
Bei dieser komme wohl bedeutende. Leukocytose vor, dieselbe sei 
aber sekundär, die Abnahme der rothen Blutzellen sei das pri- 
märe, bei der Leukämie dagegen ist die Anämie sekundär, die 
Leukocytose primär. 

••■ * 

Sitzung vom 11. Mai 1892. 

/>/*. Zappert: Demonstration einer Zählmethode der eosinophilen 

Zellen im frischen Blute. 

Der Vortragende weist auf die Bedeutung hin, welche das 
Studium dieser Elemente in der letzten Zeit gewonnen hat und 
geht hiebe: von Ehrlich, dem Entdecker der eosinophilen Zellen aus. 
Nachdem eine Vermehrung derselben von Ehrlich nur im Blute 
Leukämischer angenommen worden war, wiesen Müller und Rieder 
nach, das« auch eine Reihe anderer Krankheiten, für deren Zu- 
sammengehörigkeit sonst das Band fehlt, deutliche perzentuelle 
Vermehrung der eosinophilen Leukocyten aufweisen. Von Neusser 
sind in der letzten Zeit neue Untersuchungen über diesen Gegen- 
sland gemacht worden, wobei dieser Forscher zu höchst interessanten 
diagnostisch und prognostisch wichtigen Schlüssen kommt, deren 
exakten Beweis uns die Schule Neusskr's wohl noch bringen wird. 

Nachdem der Vortragende die Nachtheile der bisherigen 
MüLLBR-RlEDBR'schen Zählraeihode — die von der Anfertigungszeit 
und Güle eines Trockenpräparates abhängig ist, immer nur relative 
Zahlen gibt — mit einigen Worten beleuchtet hatte, wendet er 
sich der von ihm geübten Zählmethode zu. 

Es ist dies die Modifikation einer älteren Methode von 
Mayet (1878), die seinerzeit ohne Zuhilfenahme des jetzt ge- 
bräuchlichen THOMA-ZEiss'schen Blulzählapparates und ohne Kennt- 
nis der eosinophilen Zellen vorgeschlagen worden war. 



Man mische ungefähr */■ einer 1% igen Osmiumsäurelösung 
mit x /s einer Flüssigkeit von folgender Beschaffenheit : 

Aquae destill. 

Glycerini ää 250 

l°/ ige wässerige Eosinlösung 100 

kurz vor der Zählung in eine Eprouvette und giesst dann mit 
einem gewöhnlichen THOMA-ZEiss'schen Blut körperchen- Zählapparat 
zuerst Blut, dann die Zählflüssigkeit nach. 

Man muss die Mischflüssigkeit cirka 2 Minuten auf das Blut 
einwirken lassen und kann dann die Zählkammer beschicken. Es 
färben sich hiebei die rothen Blutkörperchen, die alle häufig etwas 
geschrumpft erscheinen, die eosinophilen Zellen, welche durch ihre 
tiefdunkelrofhe Farbe und die grobe, deutliche Körnung nicht 
zu verkennen Bind, endlich die neutrophilen Leukocyten, die eine 
rölhliche Farbe, oft auch eine zarte Granulation aufweisen. Un- 
gefärbt bleiben die nicht neutrophilen Formen — die wir als 
Lymphocyten, resp. als grosse mononucleare Zellen zu bezeichnen 
gewöhnt sind. Dieselbe zeigen nur schwache, schattenhafte Kon- 
touren, sind aber doch deutlich zu erkennen und besonders im 
Falle der Vermehrung auch gut zu zählen. 

Die Resultate, welche der Vortragende bei einer grösseren 
Anzahl von normalen und kranken Individuen erhalten hat, sind 
noch nicht abgeschlossen. Bei gesunden Leuten stellt sich die 
Zahl der eosinophilen Zellen im kern Blut auf cirka 70 — 200, resp. 
lV'a — 4 l ,V/o sämmtlicher Leukocyten. In mehreren untersuchten 
Fällen von Leukämie nahmen die eosinophilen Formelemente cirka 
2 — 4°/ der Leukocyten ein, nur in einem Falle steigerte sich 
diese Zahl auf 6%- 

In einigen akut fieberhaften Krankheiten konnte der Vor- 
tragende keine eosinophilen Zellen nachweisen. Es handelt sich 
hiebei also vielleicht um eine absolute Verminderung dieser Formen, 
über welche sich Vortragender heute noch nicht genauer aussprechen 
kann. 

Vortragender glaubt, später wieder einmal auf die heute 
erwähnten Untersuchungen zurückkommen zu dürfen. 

D i s k u 8 s i o n : Dr. H. Schlesinger fragt an, ob der Vortragende 
Kontrolzählungen mit der MüLLER-RiEDBR'schen Methode gemacht 
hat, was Letzterer bejaht. Doch kenne er die von Schlesinger- 
Hock in ihren letzthin veröffentlichen hämlologischen Studien bei 
Kindern vorgeschlagene Modifikation, die Zählung mittels einer 
quadratischen Eintheilung in Ocular nicht aus eigener Erfahrung. 

Dr. J. Weiss hält die Fixirung der absoluten Zahlen der 
eosinophilen Zellen für wichtig und wünscht Aufklärung, ob die- 
selben bei anderen Krankheiten jene bei Leukämie erreichen, was 
Vortragender verneint. Weiss erwähnt, dass auch Ehrlich nur von 
einer absoluten Vermehrung der eosinophilen Elemente bei Leukämie 
spreche und dass Müller-Rieder daher ohne Berechtigung Ehrlich's 
Behauptung mit ihrer Angabe der nicht gesteigerten perzentuellen 
Verhältnisse der Leukämie angreife. 

Dr. Weiss demonstrirt hierauf ein von Canon eingeschicktes 
Präparat des Influenzabaeillus. 

An Stelle des verhinderten Dr. Julius Folly demonstrirt 
Dr. Max Herz zwei Präparate, welche von dem ersteren ange- 
fertigt worden waren. Das eine zeigt den Masernbacillus von 
Canon im Blute nach Eosin-Methylenblaufärbung ; das andere 
Präparat rührt von einer Reinkultur her, welche Dr. Folly von 
demselben Patienten in Bouillon gelungen war. An beiden Orten 
zeigten sich nur die kleineren der von Canon beschriebenen, 
nämlich die diplokokken-ähnlichen Formen. 



Dr. Erben: Vorstellung dreier interessanter Nervenfölle. 

Der erste Fall betrifft einen 40jährigen Patienten, bei dem 
sämmtiiehe Finger der rechten Hand in Volarstellung sich befinden ; 
Supination erhalten, Daumen kann opponirt werden. Man könnte 
an eine Bleilähmung denken, die aber wegen Mangel der Entartungs- 
reaktion ausgeschlossen ist. Triceps, Brachialis und Bicep* sind 
matsch, Conlour des Deltoides nicht vorhanden; also die meisten 
Armnerven betheiligt. Sensibilität ist unverändert. Der Sitz der Lftsion 
muss also im Plexus sein. Mit der ERB'schen Plexuslähmung deckt 






Original from 
UNIVERSITYOFMICHIGML^ 



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internationale Klinische Rundschau 1H92 



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sich nicht das Bild, weil hier die Handmuskeln mitergriffen sind. 
Folglich ist das nicht nur eine Affektion des 5. und 6- Halsnerven, 
sondern eine kombinirte Armnervenlähmung eigenartiger Gestaltung, 
die hier als seltene Komplikation zu einer Luxatio subcoracoidea 
hinzugetreten ist. Trotz regelrechter Einrichtung kann Patient seinen 
Arm nicht gebrauchen. 

Der zweite Fall betrifft einen Patienten, dessen rechte Hand 
verbildet ist u. zw.: ulnarwärts die Antheile der Hand nach dem 
Bilde der Klauenhand gefaltet, Klein fingerballen hohl, Muskeln an der 
Ulna fehlen, Skelettband. Daumenballen hat ebenfalls gelitten, Abductor 
brevis geschwunden. Es ist dies also wieder eine kombinirte Arm- 
nervenlähmung. Da keine weitere Lähmung vorhanden, ist an eine 
Flexusaffektion nicht zu denken. Gegen Neuritis multiplex spricht 
die Anamnese, da keine Schmerzen verbanden waren und die Affek- 
tion sich nicht an den Nervenverlauf hält. Es wäre daher an eine 
Rückenmarkserkrankung zu denken. Auch deckt sich das Bild mit 
den Anfangsstadien der progressiven spinalen Muskelatrophie nach 
dem Typus des Aran-Ducbennes. Die fibrillären Zuckungen am Ober- 
arm sprechen ebenfalls für den Sitz im Rückenmarke. Die vor- 
handenen Parästhesien und das Ziehen in den Muskeln würden 
nach Landois nicht gegen eine Affektion des Vorderarmes sprechen. 
Poliomyelitis acuta, chron. ist hier nicht anzunehmen, weil bei dieser 
die Lähmung die Atrophie überragt und die Lähmungen diffus sind. 
Wernicke identificirt übrigens beide Prozesse. Primäre Myopathien 
sind entweder hereditär oder juvenil, was hier nicht zutrifft. Der 
kleine Finger und Ringfinger sind hier contrakt, Sehnenreflexe ge- 
steigert, Empfindung alterirt, Temperatursinn gestört, also Em- 
pfind un g s I ahm u nge n neben Atrophien, vasomo- 
torische Störungen und chronischer Verlauf, folglich 
ein Pruzess, der entweder extramedullär, als eine Affektion 
der Rückenmarkshäute angesehen werden kann, durch welche die 
vorderen und hinteren Wurzeln gedrückt werden, also Pachyme- 
ningitis cervicalis hypertrophica oder intramedullär 
Syringomyelie. Die Anamnese ergibt aber weder sensible noch mo- 
torische Reizerscheinungen (Epilepsia spinalis); Kopfbewegungen und 
Druck auf die Halswirbelsäule nicht schmerzhaft. Das spricht also 
gegen Pachymeningitis cerv. hyp. Es bleibt also die Diagnose 
zwischen Syringomyelie und amyo troph is-c her Laie- 
ralsclerose offen. 

Der dritte Fall ist selten, er betrifft eine nur auf eine 
Hälfte des Körpers sich beschränkende Paralysis agitans, 
bei einem 67jährigen Manne, die schon recht entwickelt ist; es 
sind bereits Contrakturen da auf der erkrankten Seite, Andeutung 
von Propulsion, starre bewegungslose Physiognomie, vorgeneigte 
Körperhaltung und -hesitirende explosive Sprache. Patellarreflexe auf 
der kranken (1.) Seite gesteigert. 

Patient gibt an, dass sich die Krankheit nach einem Unfälle 
gesteigert habe. Redner knüpft an diesen Fall einige forensisch 
interessante Bemerkungen. 



/>r. H. Schlesinger: Die Lymphstomata im Zwerchfelle. 

Das Zwerchfell enthält im Cenlrum tendineum ein ungemein 
dichtes Netz von Lymphgefässen. Dieselben kommuniciren, wie das 
Klein und Notkin gezeigt haben, frei mit der Bauchhöhte. Färbt 
man das lebende Gewebe mit Silber und untersucht dann das 
Zwerchfell mit schwachen Vergrößerungen, so findet man im 
Endothel scharf begrenzte Lücken, die zumeist in unmittelbarer 
Nähe oder über grossen Lymphgefässen liegen. Bei einer tiefern 
Einstellung der Mikrometerschraube sieht man den Boden dieser 
Verliefungen mit Endothel ausgekleidet und kann auch den Uebergang 
desselben in das Endothel der Lymphräume verfolgen. Mitunter 
sieht man auch schief zur Oberfläche gestellte Kanäle frei aus- 
münden, mitunter auch Gerinnsel in dieselben hineinragen. Die 
bedeutende Grösse und Zahl dieser Stomata dürften die oft über- 
raschend schnelle Resorption von Flüssigkeitsansammlungen in der 
Bauchhöhle hinreichend erklären. Dr. Em. Mandl. 



Kritische Besprechungen und literarische Anzeigen. 



Diagnostik und Therapie der Magenkrank- 
heiten. 

Nach dem heutigen Stande der Wissenschaft bearbeitet von Dr. J. Boas, 

Sp aalarzt für Magen- and Darmkrank heilen In Berlin. 

Mit 28 Holzschnitten. — Zweite neu bearbeitete Auflage. 
Verlag von Georg Thieme. Leipzig 1891. 

I. Theil. Allgemeine Diagnostik und Therapie der 

Magenkrankheiten. 

Verfasser hat mit dem vorliegenden Werke unse^ Wissen- 
schaft einen unzweifelhaften Dienst erwiesen, indem er in demselben 
in möglichster Knappheit, durch welche aber die Vollständigkeit 
durchaus nicht leidet, die Errungenschaften der neueren dia- 
gnostischen und therapeutischen Methoden bespricht. In der zweiten 
Auflage erscheint namentlich die allgemeine Therapie erweitert und 
hiermit die vielfach verbreitete Ansicht widerlegt, als ob von den 
Fortschritten in der Diagnostik der Verdauungskrankheiten die 
Therapie bisher keinen wesentlichen Nutzen gezogen hätte. Die 
chemischen Errungenschaften des letzten Jahrzehntes finden in 
dem Werke eine ausgebreitete Würdigung, ebenso die physikalischen 
Methoden, welche ja durch den Ausbau, der funktionellen Dia- 
gnostik einen Grad der Sicherheit und der Exaktheit gewonnen haben, 
wie er für die übrigen Höhlenorgane erst noch zu erreichen ist. 
Mit diesem Werke ist aber die Thätigkeit des Verfassers noch nicht 
abgeschlossen, indem binnen Jahresfrist die spezielle Diagnostik und 
Therapie der Magenkrankheiten und hierauf der 3. Theil welcher 
die Darmkrankheiten behandelt, folgen sollen. Theoretische Erörterungen 
und Hypothesen sind thunlichst von der Darstellung ferngehalten, und 
hauptsächlich ist den praktischen Bedürfnissen des Arztes Rechnung 
getragen. Das Buch, welches 314 Seiten hat, hübsch ausgestattet 
ist und sich angenehm liest, dürfte wesentlich dazu beitragen, das 
Interesse für die Krankheiten der Verdauungsorgane weiter anzu- 
fachen. 



Der chronische Gelenks-Rheumatisiiius 

und seine Beziehungen zum Nervensystem. 

Nach eigenen Beobachtungen von Dr. med. Ralf Wlohnxann, 

Sperialarzt für Nervenkrankheiten in Brausen weig. 

* 

Zweite vermehrte Auflage. 
Heuser's Verlag. Berlin — Leipzig 1892. 

Nach verhältnissmässig kurzer Zeit erscheint das vorliegende 
Werk in zweiter Auflage. Da es wesentliche Veränderungen der 
ersten Auflage gegenüber nicht aufweist, bedarf es hier keiner ein- 
gehenderen Besprechung. Unter Beibringung eines grossen Beob- 
achtungsmaterials und umfassender Literaturübersicht vertritt der 
Verfasser seine Ansicht von den Beziehungen zwischen chronischem 
Gelenkrheumatismus und Nervensystem. Wenn man auch nicht in 
allen Punkten den Standpunkt des Autors theilen wird, so enthält 
das Buch doch des Interessanten genug, um des Leser's Aufmerk- 
samkeit stets rege zu erhalten. Das Werk ist dem Lehrer des 
Verfassers, Geheimrath v. Rbnz, gewidmet. Zahlreiche Abbildungen 
schmücken das in jeder Beziehung sehr gut ausgestattete Werk. 



Beiträge zur praktischen Elektrotherapie in 

Form einer Kasuistik. 

Von O. W. Müller, 

grossherzoglich Oldenburg'scher Leibarzt and Sanitätsrath, prakt. Arzt in Wiesbaden. 

Verlag von J. F. Bergmann. Wiesbaden 1891. 
Eine Kasuistik ist immer von minderer Bedeutung, wenn sie 
nicht ausserordentlich Neues bringt; ist sie gar eine Aufzählung 
geheilter Fälle, so kommt sie leicht in den Verdacht, eine An- 
preisung ihres Verfassers zu sein. Wir wollen dies im vorliegenden 
Falle nicht voraussetzen und halten das Bändchen für lesenswerth 
seiner Nachträge und Erläuterungen halber, die Manches enthalten, 
was sich für den Elektropraktiker nützlich erweist. K — 



:lc 



Original from 
/ERSITYOF MICHIGAN 




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Internationale Klinische Rundschau 1892. 



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Siebenter und achter Jahresbericht des Stadtphysikates 
über die Gesundheitsverhältnisse der 

köiiigL Hauptstadt Prag 

für die Jahre 1888 und 1889. 

Erstattet von Dr. Heinrich Z&hor, Stadtphysikus, k. k. Sanitätsrath , 
Im Verlage der Gemeioderenten der königl. Hauptstadt Prag. Prag 1891. 

Der vorliegende Jahresbericht, welcher in ausführlicher Weise auf 
743 Seiten die sanitären Verhältnisse Prag's in den Jahren 1888 und 
1889 behandelt, befasst sich in erster Linie mit dem Berichte über die 
Morbidität und Mortalität in Prag, um sich dann der öffentlichen 
sanitären Thätigkeit zuzuwenden. Sehr viel Anregendes und Nach- 
ahmenswertes enthalten die Berichte von Vereinen zur öffentlichen 
Gesundheitspflege, die Berichte von den humanitären Anstalten, die 
Desinfektion in den Jahren 1888 und 1889 und die für diese Jahre 
bestimmten Normalien. 



Ungarisches Archiv für Medizin. 

Redigirt von Arpad Bökal, Dr. Ferdinand Klaff, Dr. Otto Pertik, 

Professoren an der Universität Budapest. 

Verlag von J. F. Bergmann. Wiesbaden 1892. 
Unter Mitwirkung aller medizinisch-wissenschaftlich (hätigen 
Aerzte Ungarns erscheint seit jüngster Zeit ein ungarisches Archiv 
für Medizin, das die Arbeiten ungarischer Autoren enthält und neben 
der ungarischen Ausgabe stets auch eine deutsche, resp. französische 
Ausgabe erscheinen lässt. Damit soll einerseits ein koncentrirteres 
Bild der Leistungen Ungarns auf medizinischem Gebiete geliefert 
werden, andererseits für die Verbreitung dieser Arbeiten gesorgt 
werden. Das vorliegende erste Heft enthält Publikationen von 
Lechner (Neurosen), Kössa (Morphin und Pikrotoxin), Klug 
(Belegzellen der Magenschleimhaut), Preysz (Phosphorsäureaus- 
scheidung), Marschalko (Syphilisbacillen) und Jendrassik (Bakte- 
rienkolonien) sowie eine Reihe von Referaten. Mag man über die 
Notwendigkeit neuer Archive denken wie man will, so wird man 
doch immerhin zugestehen müssen, dass das vorliegende Heft eine 
Fülle interessanten Materiales enthält und dass man dem neuen 
Unternehmen nur wünschen kann, die späleren Hefte mögen dem 
ersten nicht nachstehen. Die Ausstattung ist sehr gut. 



Zeitungsschau. 

Vorzeitige Arthropathien bei der Tabes dorsalis. 

Von Professor Charoot in Paris. 

Gegenstand einer jüngsten Vorlesung Charcot's bildete ein 
junger Mann von 28 Jahren, verheirathef, frei von Syphilis und 
Alkoholismus, jedoch von excessiver Nervosität, die ein Haupt- 
charakter seiner Familie ist. 

Dieser junge Mann wurde plötzlich von einem dumpfen 
Schmerze in der linken Hüfte befallen, er begann auch seit dieser 
Zeit lahm zu gehen. Der Arzt, der ihn zum ersten Mal gesehen, 
konstatirte eine doppelte Arthritis coxofemoralis. Bei seiner 
Aufnahme an der Salp£triere fand man bei ihm Ungleichheit der 
Pupillen und das Argyll- RoBBRTSON'sche Symptom vor. Das er- 
weckte den Verdacht auf eine tabijche Atropathie, und die 
weitere Anamnese ergab, dass nach dem Beginne der Gelenkläsion 
das Uriniren nur mit grosser Anstrengung, manchmal unwillkürlich 
erfolgte. Dann traten auch laneinirende Schmerzen an den Füssen 
und den Beinen auf. Aber ausser den genannten Erscheinungen 
(wenig schmerzhafte Arthropathieen, Parese der Blase, laneinirende 
Schmerzen, ARGYLL-RoBERTSON'sches Phänomen), die an sich schon 
die Diagnose : Tabes rechtfertigen, bietet Patient noch ein anderes 
charakteristisches Symptom dar: das sogenannte tabetische Ge- 
sicht, auf welches schon Duchenne db Bouloqnr aufmerksam 
gemacht hatte. Die Patienten haben nämlich eine verminderte 
Sensibilität im Gesichte und was das Furchtbarste für sie ist, es 
geht ihnen das Gefühl für das Vorhandensein des Gesichts selbst 
oder irgend eines Theiles desselben abhanden. Dazu gesellt sich 
häufig Verlust oder Perversion des Geschmacksinnes und auch des 
Geruchsinnes. 



Noch viele andere Erscheinungen gehören zur Reihe der 
tabischen Symptome, die in verschiedener Weise mit einander 
kombinirt die ganze Klinik der Tabes schematisch darstellen. 

Der klassische Typus Dochenne's ist exceptionell, in der 
That treten Coordinationsstörungen entweder spät oder auch gar 
nicht auf. Wiewohl im Allgemeinen laneinirende Schmerzen, Augen- 
und Blasenslörungen (präatactisches Stadium Foornier's) als erste 
Zeichen der Tabes auftreten, so kann doch jedes andere Symptom 
aus der Reihe der tabischen Phänomne die Scene eröffnen. 

So z. B. wenn bei einem Individuum, das über plötzliche 
Abschwächung seines Sehvermögens klagt, Achromatopsie gefunden 
wird, so kann man behaupten, dass es sich um Tabes handelt, 
die erst später, zuweilen erst nach einigen Jahren mit den 
klassischen Symptomen zum Ausbruch kommt. In anderen Fällen 
ereignet es sich, dass ein früher gesunder Mensch in der Nacht 
plötzlich mit Athembesch werden und einem Suffukationsgefühl aus 
dem Schlafe erwacht. Ein solcher Anfall endet erst nach einigen 
Stunden und wiederholt sich in den folgenden Nächten und lässt 
eine Art permanenter schnarchender Athmung zurück : es ist dies eine 
crise laryngöe tabötique. Dasselbe kann von den crises 
gastriques gesagt werden, welche sich mit einem Male mit 
heftigen Schmerzen, Appetitlosigkeit, Erbrochen und allgemeiner 
Schwäche, die sich bis zum Collaps steigern kann, einstellen, und 
welche dann für 1 — 2 Monate verschwinden, während welcher Zeit 
die Verdauungsfunktionen regelmässig vor sich gehen. Hinter einem 
solchen Krankheitsbilde, das für eine Krankheit des Magens und 
der Leber sprechen würde, steckt die Tabes. GbarCOT hat auch 
einen Fall mit Schmerzen des Rectums beobachiet, die 
der Kranke mit den Schmerzen verglich, die das Einführen 
eines glühenden Eisens in das Rectum oder die forcirte Dilatation 
des Schliessmuskels verursachen würden. Auf diese crises 
anales, wie sie der Verfasser genannt hat, folgten später lan- 
einirende Schmerzen und noch andere der Tabes eigentümliche 

Symplome. 

In Hinblick auf vorliegenden Fall, führt CharCOT Einiges 
über die pathologische Anatomie der tabischen Knochenläsionen 
an. In einem sozusagen präparatorischen Stadium hat man Er- 
weichung des Knochens mit Rarefaktion der Knochenplättchen, 
was eine grosse Zerbrechlichkeit bedingt, so dass bei dem geringsten 
Trauma oder bei einer einfachen Kraftanstrengung eine sogenannte 
spontane Fraktur erfolgt. Wenn diese Läsion in der Epiphyse 
auftritt, mu88 man zwei Fälle unterscheiden: 1. Fragmentäre 
Fraktur, bei welcher der Gelenkkopf in grÖ3sere Fragmente sich 
bricht; 2. moleculäre Fraktur, bei welcher die Epiphyse in 
kleinsten Stückchen sich tbeilt, als ob das betreffende Knochenstück 
von einem Mühlstein zermalmt worden wäre. Diese schweren 
Alterationen kommen ohne entzündliche Reaktion und ohne Bildung 
von Osteophyten zu Stande; nur ausnahmsweise gibt es Fälle, bei 
welchen man Vegetationen nachweisen kann, die ähnlich denjenigen 
der trockenen Arthritiden sind. 

Charcot schiiesst seinen Vortrag mit der Bemerkung, dass 
es gutartige und bösartige tabische Arthroparthieen gebe, und dass 
man die malignen Formen hintanhalten könne, wenn man Gelegen- 
heit hat, dem Kranken zur rechten Zeit Ruhe zu verordnen. 

(La Semaine Mödicale 1892, Nr. 11) A. D. 



Prognose bei Manie. 

Von Dr. W. WUlerdlnff. 

Eine statistische Bearbeitung aller vom Jahre 1878 bis zum 
August 1890 unter der Diagnose «Manie» in der Hildesheimer An- 
stalt aufgenommenen Kranken. Als «Manie» wurde eine Geistesstörung 
bezeichnet, welche sich charakterisirt «durch den krankhaft be- 
schleunigten, ungehemmten Ablauf der Bewegungen in der motorischen 
wie psychischen Sphäre, durch weite Vorstellungskreise und dadurch, 
dass der Umsatz des Psychischen ins entsprechende Motorische 
sich mit ungehemmter Leichtigkeit vollzieht. Die Hauptsymptome 
sind : gehobenes Selbstgefühl, Ideenflucht mit motorischer Unruhe ; 
nicht selten werden Sinnestäuschungen beobachtet.» 

Die wichtigsten Ergebnisse der statistischen Untersuchung und 
der klinischen Beobachtung sind folgende: 






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UNIVERSITYOFMICHIGAI 



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Internationale Klinische Rundschau 1892. 



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1. Circa 70% aller Manien heilen mit einer durchschnittlichen 
Dauer von einigen Monaten. 

2. Schnelle Ueberführung der Maniaci in eine Anstalt ist von 
günstigem Einfluss auf den Verlauf der Krankheit. 

3. Hereditär-psychopathische Belastung ist nicht als ungünstiges 
prognostisches Moment anzusehen. 

4. Manien, welche in Folge körperlicher Leiden entstanden sind, 
Alkohol- und Puerperal-Manieo bieten in den meisten Fällen 
hinsichtlich sowohl der Dauer als auch Her Heilung eine 
gute Prognose. 

5. Kopfverletzung geringeren Grades als veranlassende Ursache 
ist prognostisch nicht ungünstig. 

6 Wiederauftreten der Menses bei beginnender psychischer Besse- 
rung lässt baldige Genesung erwarten. 

7. Je jünger das Individuum ist, desto grösser ist die Hoffnung 
auf Wiederherstellung. 

8. Periodische Manien bieten eine schlechte Prognose auf dauernde 
und vollständige Heilung dar. 

9. Längeres Bestehen der Manie verschlechtert die Aussicht auf 
vollständige Heilung. 

10. Plötzliches und heftiges Einsetzen der Erregungserscheinungen 
ist als ungünstig anzusehen, ausser bei den eigentlichen Puer- 
peralmanien und den Manien nach Kopfverletzung. 

11. Plötzliches Aufhören der Erregungserscheinungen lässt den 
Uebergang in Periodicität oder ein baldiges Recidiv befürchten. 
Prognostisch günstig ist es aber bei Eintritt oder nach Ablauf 
acuter körperlicher Leiden. 

12. Ungünstig ist eine erheblichere Zunahme des Körpergewichtes 
vor dem Eintritt des ruhigen Stadiums. 

13. Je schwerer die Erkrankung ist, desto geringer ist die Aus- 
sicht auf vollständige Heilung. 

14 Lähmungserscheinungen und Convulsionen sind als ungünstige 
Complicationen anzusehen. 
15. Mehrmalige Erkrankungen gefährden den Intellekt. 
(Cenlralblatt für Nervenheilkunde und Psychiatrie Nr. 3, 1892.) 



Die Operationen von Gebärmuttergeschwülsten, die Oophorek- 
tomie und die Kastration der Frauen bei Geistes- und Nerven- 
krankheiten. 

Von Thomas Spenoer- Wells. 

Zunächst hebt Spencer-Wells, anknöpfend an die vortreff- 
lichen Resultate Keith's, hervor, dass in sehr vielen Fällen von 
Uterustumoren die Hysterektomie durch die elektrische Behandlung 
nach Apostoli erselzt werden könne. Krith gelang es, von 
106 Frauen 85 vermittelst der elektrischen Behandlung entweder zu 
heilen, oder doch von den dringendsten Symptomen zu befreien. 
Spencer -Wells kommt hierbei zu folgenden allgemeinen Schlüssen : 
«Das beinahe slets erzielte Resultat des elektrischen Verfahrens 
bei Fibromen und Myomen der Gebärmutter ist eine entschiedene 
Wiederherstellung der allgemeinen Gesundheit. In der Mehrzahl der 
Fälle wurden die Blutungen in kurzer Zeit zum Stillstände gebracht, 
in gewissen anderen Fällen erfolgte dies langsamer. Schmerz wird 
im Allgemeinen beseitigt, jedoch ist dies nicht so sicher der Fall, 
als das Aufhören der Hämorrhagien. Die Geschwülste erleiden meist 
eine bedeutende Massenverminderung; in selteneren Fällen ver- 
schwinden nie gänzlich; wenn sie fortbestehen, so sind sie von 
grösserer Beweglichkeit und verursachen geringere Beschwerden ; 
nur ausnahmsweise misslingt es, deren weiteres Wachsthum zu 
beschränken. In cystoiden Fibromen jedoch ist die elektische 
Behandlung verhältnissmässig nutzlos. Die durch Rückbildung der 
Geschwülste erzeugten Veränderungen, sowie das in Folge dessen 
hergestellte allgemeine Wohlbefinden sind in der Regel andauernd. 
Die elektrische Behandlung macht die Kranken für eine etwa durch 
später eingetretene Umstände noth wendige Myomektomie nicht 
untauglich; sie erleichtert im Gegentheile die Operation durch die 
erzielte Massenabnahme der Geschwulst und Lösung der Ver- 
wachsungen. 

Dattey's Operation oder Oophorektomie. Bei gewissen grossen 
Gebärmutlergeschwülsten, bei welchen die elektrische Behandlung 
ohne Erfolg ist, kann durch Entfernung der Eierstöcke die Men- 



| struation verhindert und eine Rückbildung der Entartung mit einiger 
Berechtigung erwartet werden. Der Vorschlag, diese Operation auch 
aus anderen Indikationen auszuführen, veranlasste Spencbr-Wblls 
schon 1884 zu dem Rath, dass sie bei der Behandlung von Psychosen 
und Neurosen nur nach langer gewissenhafter Prüfung anderer 
Mittel und nach wohlerwogener Billigung erfahrener Aerzte ge- 
stattet werden dürfe. Spencer-Wells wiederholt auf das Ent- 
schiedenste seinen Einspruch gegen den Missbrauch dieser Operation. 

Im Anschluss an die Schilderung einer von ihm selbst aus- 
geführten Myomektomie, führt Spencer-Wells aus, dass die Regel, 
nicht nur die Wundränder, sondern auch die Obei fläche des Bauch- 
fells bei der Naht der Bauchwunde nach der Laparotomie zu ver- 
einigen, von noch viel grösserer Wichtigkeit beim Verschluss der 
Gebärmutterwunde, beim Kaiserschnitt und bei der Vereinigung der 
durchschnittenen Ränder des Bauchfellüberzuges der Gebärmutter 
bei der Myomektomie ist. 

lieber die Kastration der Frauen bei Geistes- und Nerven- 
krankheiten veröffentlichte Spencer-Wells im Jahre 1886 (Amer. 
Journ. of the med. Sc. VCH, N. S., 1886) eine Monographie, 
welche er hier nochmals zum Abdruck bringt. Er giebt zunächst 
eimn Ueberblick über die Geschichte dieser Operation, welche im 
Sommer 1872 zuerst von Battey und Hegar, gleichzeitig und 
unabhängig von einander, ausgeführt wurde.- Spencer-Wells zieht 
die folgenden Schlüsse aus den ihm zu Gebole stehenden Er- 
fahrungen : 

Dass die Operation der Oophorektomie, oder der Entfernung 
der normalen, gesunden Eierstöcke in einzelnen Fällen von Gebär- 
mutterfioroiden und auf andere Weise unstillbaren Gebärmutter- 
blutungen rathsam sein mag.» «Dass sie bei gewissen Missbildungen 
der Geschlechtsorgane, bei Missgestaltungen des Beckens und bei 
zufälligen Unwegsamkeiten der Scheide vorzunehmen sei.» «Dass 
ihre Zulässigkeit äusserst beschränkt ist in Fällen von ovarialen 
Dysmenorrhöen oder Neuralgien, und nur dann, wenn diese jeder 
anderen Behandlungsweise widerstanden hatten und das Leben 
oder die geistige Gesundheit gefährdet ist.» «Dass sie in beinahe 
allen Fällen von nervöser Reizbarkeit oder von Irrsinn durchaus 
verwerflich ist.» «Dass sie niemals ohne freie Einwilligung der voll- 
kommen zurechnungsfähigen und geistig klaren Kranken, und erst 
nach eingehender Erklärung und Darlegung der Folgen der Operation, 
ausgeführt werden darf.» «Dass die Excision krankhafter Eierstöcke 
und deren Nebenorgane genau von der Oophorektomie unterschieden 
werden muss, und gleichfalls, wie in den meisten Fällen von 
Laparotomien, nur nach Berathung mit anerkannten Fachautoritälen 
und mit deren Gutheissen unternommen werden darf.» Dass sie 
in Fällen von Nymphomanie und Geisteskrankheiten nicht gerecht- 
fertigt werden kann. (v. Volkmann's Sammlung klin. Vorträge. 
N. F. Nr. 32, 1891.) 



Laparotomie bei Darmperforation im Typhus. 

Von Van Hook. 

Nach gründlicher Prüfung der Anzeigen für ein operatives 
Vorgehen bei Durchbruch des Darmes im Verlaufe des Typhus, 
berichtet Van Hook über drei von ihm bei typhösem Darmdurch- 
bruch ausgeführte Laparotomien. 

Der erste Patient hatte etwa drei Wochen hindurch typhöses 
Fieber, in der Konvalescenz trat Rückfall ein, am 7. Tage des 
Rückfalles bekam Patient behufs Entleerung des Darmes ein Klysma. 
Hierauf trat Durchfall, heftiger Schmerz in der lleo-coecalgegend, 
Schweiss, Kälte der Extremitäten, Angst und Beklommenheit ein. 
Temperatur 105 Grad F.. Puls 126. Die Schmerzen Hessen nach 
kurzer Zeit nach, die Temperatur stieg jedoch in wenigen Stunden 
auf 106 Grad F., der Puls auf 132. Hochgradiger Meteorisaup und 
Schmerzhaftigkeit bei Druck in der lleo-coecalgegend. Die Bauchhöhle 
wurde alsbald eröffnet und es entleerte sich mehr als ein halber 
Liter faeculenter flockiger Flüssigkeit aus der Peritonealhöhle. 

Bei Bloslegung des Dünndarms gewahrte man zahlreiche Ge- 
schwüre, der ganze Darm war injizirt geröthet und im Peritoneal- 
sack faeculente Flüssigkeit. Die Darmperforation präsentirte sich 
als eine kleine runde Oeffnung; diese wurde mittelst einer Lem- 
BßRT'dchen Naht geschlossen, und wegen Brüchigkeit der Darm- 



' lc 



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UNIVERSITYOF MICHIGAN 



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Internationale Klinische Rundschau 1892. 



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wandung eine dreifache Naht angelegt, die Peritonealhöhle mit 
sterilisirtem warmem Wasser gereinigt, das Netz über die durch- 
brochene Darmschlinge gelagert und durch eine Naht an da* 
mesenterium geheftet (sulured to the mesentery), der Douglas 
drainirt und die Bauchwunde bis auf einen Rest geschlossen. Nach 
der Operation trat hochgradiger MeteorUmus auf, der aber durch 
ein Magnesiumsulfat und Glycerinklysma beseitigt wurde. Der 
Patient genas. 

Bei dem zweiten Falle traten die Symptome des Darmdurch- 
bruchs in der vierten Woche des Typhus auf. Die Patientin eolla- 
birte; über dem ganzen Abdomen war der Percussionsschall leer. 
Die Laparatomie wurde sieben Stunden nach der Perforation vor- 
genommen. Die Peritonealhöhle zeigte sich mit einem dünnflüssigen 
faecutenten Exsudat erfüllt. Der Zustand der Patientin gestattete die 
Durchführung der Operation nicht mehr, sie starb wenige Minuten, 
nachdem sie auf den Operationstisch gebracht worden war. 

Bei der Obduktion konstatirte man eine länglichrunde Per- 
foration ungefähr 18 Zoll vor dem Coecum. 

Bei dem drillen Patienten befand sich die Perforation 12 Zoll 
oberhalb der Ileo-coecalklappe. Die Offfnung wurde durch eine 
zweifache LEMBERT'sche Naht geschlossen. Der Kranke starb 
17 Stunden nach der Operation. Die Sektion ergab allgemeine 
Peritonitis. 

Unter 19 von Van Hook zusammengezählten bei perforiren- 
den Typhusgeschwüren vorgenommenen Laparotomien sind vier 
Fälle von Genesung verzeichnet. In einigen Fällen von Genesung 
erscheint die Diagnose zweifelhaft. 

In der Mehrzahl der Fälle befand sich der Durchbruch zwei 
oder drei Fuss oberhalb dem Coecum, gewöhnlich im lleura, selten 
im Dickdarm, weshalb auch dieser Theil des Darms für sich durch- 
sucht werden muss. 

Van Hook stellt folgende Sätze auf: 

1. Die Laparotomie ist derzeit die einzige rationelle Behand- 
lung der Darmperforation im Typhus. 

2. Die Indikation der Laparotomie bei typhösem Darmdurch- 
bruch ist imperativ. 

3. Eine Kontraindikation ist der moribunde Zustand des 
Patienten. 

4. Collaps ist oft, zum mindeslen vorübergehend, durch Be- 
spülung des Peritoneums mit heisstm (sterilisjrtem) Wasser zu 
beheben. 

5. Das Fieber komm! weder als Indikation, noch als Kontra- 
Indikation in Betracht. 

6. Frühzeitige Laparotomie gewäürt die besten Chancen ; 

7. Man soll mit der Operation nicht warten bis zum Eintritt 
peritonitischer Symptome. 

8. Die Statistik spricht zu Gunsten der Laparotomie bei 
typhöser Darmperforation. 

9. Die Technik der Operation, obgleich nicht komplizirt, 
fordert doch viel Umsicht, grosse Dexterilät, Schnelligkeit und 
Gründlichkeit im Operiren. Lg. 

(Medical News. vol. L1X Nr. 21 u. Ther. Gaz. Jan. 1892.) 



Ans dem Institute für allgem. Pathologie der fcön. Universität zu Bologna 

Vorstand Prof. Tizzoni. 

Ueber die Ausscheidung des Tetanusgiftes durch den Urin. 

Vorläufige Mittheilung von Dr. Allesandro Bruiohettinl in Bologna 

Im Jahre 1890*) habe ich als Ersler nachgewiesen, dass das 
Blut von Thieren, bei welchen man durch das von Tizzoni und 
Cattani gewonnene Tetanusgift den experimentellen Tetanus her- 
vorgerufen hatte, im hohen Grade toxisch wirkte und regelmässig, 
unter ausgesprochenen Tetanuserscheinungen, den Tod der Thiere 
veranlasste, auf welche j-uies Gift injicirt wurde. 

Auch gelang es mir damals nachzuweisen, dass die Niere 
ebenfalls toxisch und tetanisirend wirkte, wenn nämlich eine aus 
diesem Organ mit sterilisirtem Wasser zubereitete Emulsion auf 
Thiere subkutan injizirt wurde. 



') «Riforma Medica.» Oktober 1890. 



Um jeden Zweifel zu beseitigen, dass die Toxicität der Niere 
von geringen Spuren Blutes herrührte, das sich in deren Gefässen 
finden konnte, zog ich zuerst den betreffenden Thieren das ganze 
Blut heraus und nahm hierauf die künstliche Girkulation mittelst 
einer 10%'g en Natriumcarbonatlöaung vor, die, wie au« den Unter- 
suchungen TizzoNi'a und Cattani's bekannt ist, keinerlei Wirkung 
auf das Tetanusgift hat. 

Aus Gründen, die nicht von mir abhingen, war ich gezwungen 
meine Versuche für einige Zeit zu unterbrechen, die ich jedoch in 
diesem Jahre wieder aufnehmen und fast zu Ende führen konnte. 

Da die von mir nachgewiesene Toxicität der Niere darauf 
hinwies, dass das Tetanusgift durch dieses Organ zur Ausscheidung 
gelangen könnte, war ich natürlich darauf belacht, zu untersuchen, 
ob auch der Harn von tetanisirlen Thieren toxisch wäre oder nicht, 
indem ja nur auf diese Weise mit aller Sicherheit eine Ausschei- 
dung des Gifles durch den Harn dargethan werden konnte. 

Thiere, denen man eine verschiedene Menge Urin, welcher 
spontan entleert oder unter strenger Asepsis aus der Blase von 
telanisirten Thieren gewonnen wurde, unter die Haut injicirt hatte, 
starben sammtlich an Tetanus nach einer mehr oder weniger langen 
Zeit, je nach der Periode der Krankheit, in welcher der Urin ent- 
nommen wurde, oder je nach der mjicirten Menge. 

Nachdem nun in letzterer Zeit sich mir die Gelegenheit bot, 
zwei Fälle von traumatischem Tetanus beim Menschen zu beob- 
achten, die durch Anwendung des Tizzoni CATTANf sehen «Antitoxin» 
(bekanntlich tin aus dem Tetanusgtft selbst von diesen beiden 
Autoren zubereitetes Medikameni) geheilt wurden, war es mir mög- 
lich dieselbe Frage auch beim Menschen zu studiren. 

In einem Falle entnahm man den Harn in einer ziemlich 
vorgeschrittenen Periode der Krankheit (5. Tag) und zwar vor 
Beginn der Behandlung mit Antitoxin, und es wurden 10 kern dieses 
Harns den Versuchstieren (Kaninchen) injicirt; diese zeigten alle 
nach Ablauf von etwa neun Tagen das vollkommene allgemeine 
Bild des experimentellen Tetanus und erlagen auch demselben. 

Im zweiten Falle hingegen wurde der Urin nicht lange nach 
dem ersten Auftreten der Telanuserscheinungen (2. Tag) genommen 
und auf die Hausmaus in der Menge von 3 kern und das Kaninchen 
in der Quantität von 15 kern injicirt. Der Tod erfolgte unter 
heftigen Symptomen bei der Maus nach 24, beim Kaninchen in 
36 Stunden. 

Der von demselben Kranken, aber erst am fünften Krank- 
heitstage und nachdem schon die Antitoxinbehandlung eingeleitet 
wurde, genommene Urin rief in der gleichen Menge wie bei den 
vorigen Versuchen, keine pathologischen Erscheinungen weder bei 
den Mäusen noch bei den Kaninchen hervor. 

Diese Ergebnisse beweisen somit, dass das Tetanusgift, 
wenn es einmal von dem ursprünglichen Herde oder 
von der Injektionsstelle aus in die allgemeine Cir- 
kulation übergegangen ist, zum guten Theile durch 
das Nierensekret nach aussen gelangt. 

Diese Thatsache ist nicht nur vom wissenschaftlichen Stand- 
punkte überaus wichtig, sie bietet auch praktisches Interesse, 
indem sie ein neues Kriterium an die Hand gibt für die Präcisirung 
der Diagnose und für die Beurtheilung der Wirkungen des ange- 
wandten Mittels. — 

Die hier mitgetheiften Beobachtungen sind ein glänzender Be- 
weis für die grosse Wichtigkeit der biologischen Analyse für die 
Diagnose, Therapie und Prognose mancher Krankheiten, namentlich 
Infektionskrankheiten, worauf zuerst Sem MOLA durch seinen be- 
kannten vorjährigen Aufsatz, der auch in dieser Zeitschrift ver- 
öffentlicht wurde, die Aufmerksamkeit der Aerzte gelenk f hat. 

Ueber die Anwendung von Morphium bei der Urämie. 

Nach Washbürn ist das Morphium von Wirksamkeit gegen 
gewisse Symptome der Urämie, nämlich: gegen die Konvulsionen, 
gegen das Asthma und gegen den heftigen Kopfschmerzen. Verfasser 
behauptet, dass dieses Mittel die erwähnten Symptome abschwächt, 
ohne welche schädliche Nebenerscheinungen hervorzurufen. Auch 
theoretische Erwägungen rechtfertigen die Verabreichung des Mor- 
phiums bei der Urämie. In der Thal ist das Morphin™ ein Anli- 






Original from 
UNIVERSITYOF MICHIGAN 



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Internationale Klinische Rundschau 1892. 



832 



spasmodicum, daher muss es von günstigem Einfluss auf die Krämpfe 
und das Asthma sein. Das Mittel ist ferner ein mächtiges Anästhe- 
ticum, und als solches wird es die KephaJalgie lindern oder ganz 
unterdrücken. Durch Erhöhung des Blutdruckes wird es die Diurese 
und demnach die Ausscheidung von toxischen Produkten begünstigen. 
Die Morphiumbehandlung hat dem Verfasser recht günstige Resultate 
sowohl bei der akuten als auch chronischen Urämie ergeben 

(Bulletin Med. Nr. 28, 1892.) A. D. 



Vergiftung mit Canthariden. 

Im Oktober vergangenen Jahres hat sich in Paris ein gewisser 
Acollas mit Canthariden vergiftet. Dieselben stammten aus der 
«Pharmacie Blanche» und wurden dort zu äusserlichen Zwecken 
entnommen. Diese Sache kam neulich vor das Pariser Kriminal- 
gericht, welches den Apothekenverwalter zu 500 Frcs. Strafe ver- 
urteilte, da sein Gehilfe, notabene in Abwesenheit des Verwalters, 
der für das Geschäft verantwortlich ist, versäumt hatte, die ver- 
schriebenen Canlhariden in das Giftbuch einzutragen. 

(Pbarmaceutische Presse Nr. 19, 1892.) 



Eine haltbare Morphinlösung. 

Eine haltbare Morphinlösung (1 : 30 wird wie folgt dar- 
gestellt: 1 g Morph, hydrochl. wird in 5 g Weingeist, 10 g 
Glycerin und so viel Wasser gelöst, als zum Gesammtgewicht von 
30 g not big ist, und dann filtrirt. Diese Lösung soll sich monate- 
lang unverändert halten. (Rundscb. f. Pharmac. etc. 51/91. — 

Deutsche Medizinal-Zeitung Nr. 29, 1892.) 



Militärärztliche Zeitung. 



Ein Wort zum Schutze geisteskranker Soldaten 

gerichtet an das Preussische Officier- und Sanitäts-Officierkorps. 

Von Dr. Schäfer, 

zweiter Arzt der Provirjzial-Irrenanitalt In Brieg. 

Verlag von Robert Lutz. Stuttgart 1892. 

Verfasser beklagt mit Recht, dass die wissenschaftlichen Er- 
rungenschaften der Psychiatrie im Militärwesen noch nicht die 
praktischen Folgerungen nach sich gezogen haben, die sie eigentlich 
bereits nach sich gezogen haben sollten, obwohl es an diesbezüg- 
lichen Mahnungen von berufener Seite nicht gefehlt habe. Im 
Jahre 1871 habe schon Koster die traurige Thatsache berührt, dass 
entschieden geisteskranke Menschen zum Militärdienste herangezogen 
werden, die dann ihre Dienstzeit zwischen Lazareth, Arreststrafe 
und Dienst theilen und dass viele Irre als Simulanten betrachtet und 
behandelt werden. Eine beredte Sprache sprechen ferner die immer zu- 
nehmenden Selbstmorde in der Armee. Koster erhebt daher den ge- 
rechten Ruf um Creirung einer eigenen Militär-Irrenanstalt und Sommer 
befürwortet, dass an jedem grösserem Militärgefängnisse sich ein 
1 renarzt befinde und dass ferner bald nach der Einkleidung eine 
Anamnese in psychischer Hinsicht durch Vernehmung des Rekruten 
zu erheben sei. Dietz hebt hervor, dass das Rekrulirungsgeschäft 
durchaus nicht geeignet und viel zu kurz sei, um die psychische 
Gesundheit festzustellen, obwohl ein gesundes Hirn, intakte Intelligenz 
und Wille eine ebenso wesentliche Bedingung fü militärische 
Leistungsfähigkeit als ein gesunder Körper überhaupt sei. Es sei 
daher nothwendig, dass vor der Musterung seitens der Civilbehörden 
Recherchen angestellt und deren Resultate dem Militärarzte zur 
Verfügung gestellt werden. Die Garantie für die richtige Beurlheilung 
Heitens des Letzteren sei allerdings erst dann gegeben, wenn dieser 
psychiairisch gebildet sei. 

Verfasser kommt nun auf Grund statistischer Tabellen zu 
dem Resultate, dass die Zahl der Selbstmorde in der Armee 
2 — 3 Mal so hoch sei als in der Givilbevöikerung, dass die 
meisten Geisteskrankheiten in das erste Dienstjahr, verschwindend 
wenig in die weiteren Diensljahre fallen und dass sich bei 
den meisten das Leiden vor der Einstellung, bei nur wenigen [ 
während der aktiven Dienstzeit entwickelt habe. Vor allem fällt in 



die Augen die hervorragende Beiheiligung des ersten Dienst- 
jahres an der Zahl der Selbstmorde und der hohe 
Perzentsatz derselben, deren Ursache unbekannt geblieben 
sei. Es sei anzunehmen, dass dem Selb*! morde eine grosse Anzahl 
verkannter Geisteskrankheiten anheimfalle. 

Die grössle Aufmerksamkeit aber erfordere die Beachtung des 
psychischen Zustande« beim militärgerichtlichen Verfahren, bei 
welchem ein ärztliches Eingreifen leider selten in Thäligkeit trete 
und die auf Veibesserungen in diesem Gebiete hinzielenden Vor- 
schläge seien entweder gar nicht oder zu wenig berücksichtigt 
worden. 

Verfasser bringt nun Vorschläge zur Verbesserang der be- 
stehenden Verhältnisse in Form von sieben Anträgen: 1. Die Be- 
stimmung der Heeresordnung, dass Derjenige, welcher vor Beginn 
der Wehrpflicht ein Mal geisteskrank gewesen, von jeglicher Aus- 
hebung befreit sei, sei zwar hart, aber durchaus angebracht, da die 
Gefahr des Recidivs bei Psychosen bei weitem drohender sei als 
bei anderen Krankheiten. Andererseits werde aber einem solchen 
Manne, wenn er sich zur militärischen Laufbahn mächtig hingezogen 
fühlt, ein grosses Recht vorbehalten. Verfasser stellt daher den 
Antrag, dass solchen einmal geisteskrank gewesenen Personen auf 
eigenen ausdrücklichen Wunsch der Eintritt in den 
Heeresdienst nicht verweigert werde 

2. Die in eine Irrenanstalt erfolgte Aufnahme eines Wehr- 
pflichtigen sei seitens der Landrathsämter und selbständigen 
Magistrate in den Stammrollen und Grundlisten zu vermerken. Es 
sei zweckmässig, wenn die Bezirkskommandos sofort nach amtlicher 
Feststellung der Geisteskrankheit den Mann ausmusterten und nicht 
erst abwarteten, ob das Leiden in Heilung oder unheilbare Geistes- 
störung übergehen werde. 

3. Es lasse sich nicht verkennen, dass alljährlich in grosser 
Zabl von Haus aus mehr oder weniger Schwachsinnige und psychisch 
erblich Belastete in das Heer eingestellt werden. Und gerade diese 
Personen bedürfen des eventuellen Schuizes, da nie oft zu wieder- 
holter Bestrafung Veranlassung geben, indem die strafbaren Hand- 
lungen derselben nur zu oft der Ausfluss eines psychischen 
Defektes sind, und nicht wie zu oft angenommen wird, eines 
moralischen. Vorangegangene Strafen bilden daher ein bedeutsames 
Moment für die anthropologische Beurlheilung eines Rekruten. 
Ebenso sei der Schulbildung Rechnung zu tragen. Besondere 
Aufmerksamkeit solle den Degenerationszeicben geschenkt 
werden (unregelmässige Schädel- und Gesichlsbildung, Obr, Auge 
u. 8. w.), da sich dieselben sehr oft bei erblich Belasteten finden. 
Bei der Aufstellung der Grundlisten sind von den Behörden die Fragen 
zu beantworten, ob Nerven- oder Geisteskrankheiten, Epilepsie, 
Trunksucht, Selbstmord, Veibrechen, auffallende Charaktere bei den 
Blutsverwandten des Wehrpflichtigen vorgekommen sind. Solche 
Leute sind als Belastete zu führen und müssen als solche dem 
Kompagniechef und den Kompagnieofficieren namentlich be- 
kannt sein. 

4. Grosse Aufmerksamkeit sei den Schwachsinnigen im 
psychiatrischen Sinne und dem moralischen Schwachsinne zu 
schenken. Ferner solle auch der Offi '.i«r (Auditeur) von der Existenz 
dieser Krankheiten Kenntniss haben und von ihrem Wesen unter- 
richtet sein, da auf seine Veranlassung hin der Sachverständige 
erst in Thätigkeit treten kann. Die Verantwortlichkeit eines Strafenden 
durch die Verurteilung eines Schwachsinnigen werde sehr erhöht, 
da wiederholte einfache Strafen den Schwachsinnigen zu schweren 
Vergehen und Verbrechen reizen, länger dauernde Haftslrafen aber 
geeignet sind, das geistige Leben desselben völlig zu vernichten. 
Gerade die häufigste der chronischen Gefangenschaftspsychosen, der 
sogenannte «Verbrecherwahnsinn» sei eine Weiterentwicklung des 
moralischen Schwachsinnes zu einer Wahnsinnsform, dank der Haft. 

Hieher gehören auch einige Geisteskrankheiten, welche an 
und für sich gerade zu den heilbaren gehören und deren Ver- 
kennung daher umso bedauerlicher sei. In erster Linie sei das 
Heimweh zu nennen, welches unter den Seelenstörungen der 
Rekruten aus laicht fasslichen Gründen eine nicht unbedeutende 
Rolle spielt. Dasselbe sei thatsächiieh oft eine wirkliche Geistes- 
krankheit, eine Form der Scuwermuth, die nicht durch Strenge, 



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UNIVERSITYOF MICHIGAN 



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Internationale Klinische Bundschau 1892 



834 



sondern durch Milde zu behandeln sei. Ferner sei hieher zu rechnen 
die Melancholie und der sogenannte Stupor. Die wahre Er- 
kennung des Letzteren sei umso wichtiger, als er zu den Zuständen 
gehört, welche am meisten simulirt werden. Beachtung verdiene 
ferner die Epilepsie und der bei ihr auftretende Umstand, dass 
Epileptiker an sich schon sehr zur Uebertreibuug und Simulation 
neigen. Der Umstand aber, konstatirt zu haben, ein Krampfanfall 
sei simulin, beweise noch lange nicht, dass keine Epilepsie vor- 
liege: die Erfahrung lehre vielmehr, dass bei wirklicher Epilepsie, 
besondere bei der Hyslero-Epilepsic, simulirte Anfalle vorkommen 
können. 

Eine besondere Erwähnung verdiene noch die Trunksucht, 
und zwar nicht als Ursache mannigfacher Formen von Seelen- 
störungen, sondern als Symptom, d. h. als der Hang zum Trinken ; 
sie sei in manchen Fällen einer Geisteskrankheit gleich zu erachten, 
und zwar dann, wenn sie sich als eine Erscheinung schwerer erb- 
licher Belastung erweise. 

In der Beurteilung des Militärarztes von krankhaften Zu- 
ständen ziehe sich wie ein rother Faden der Verdacht auf Simu- 
lation. Dem gegenüber aber sei zu bemerken, dass Simulation von 
Geisteskrankheiten selten ist, dass häufiger auf Simulation erkannt 
werde, wo sich nachher wirkliche Geisteskrankheit offenbart. Es 
sei so ausserordentlich schwer, eine Geisleskrankheit zu simulirenl 

Verfasser formulirt seinen Antrag dahin, dass die Officiere, 
da sie zugleich die Strafrichler der ihnen untergebenen Mann- 
schaften sind, mit gewissen psychiatrischen, besonders kriminal- 
psychologischen Anschauungen und Erfahrungen bekannt zu machen 
seien. 

5. Zu den Aufgaben der Fortbildungskurse für Militärärzte 
soll ein praktischer Kursus in der klinischen Psychiatrie hinzu- 
gefügt werden. Ebenso solle den Prüfungsgegenständen der zur 
Erlangung der Befähigung für die höhere militärärztliche Laufbahn 
abzulegenden Prüfung die Psychiatrie hinzugefügt werden. 

6. Um für die Aerzte der Militärgefängnisse unJ der Arbeiter- 
ablheilungen eine umfassende psychiatrische Keontniss zu schaffen, 
müssen dieselben in täglicher, eingehender Berührung 
mit den einzelnen Gefangenen stehen und sollen ein längeres (zwei- 
bis dreijähriges) Kommando an der Irrenklinik durchgemacht haben. 

7. In das Centrum der Militär-Medizmalverwaltung soll ein 
Militärarzt mit gründlicher psychiatrischer Bildung berufen werden, 
welcher sich in genauer Bekanntschaft mit allen einschlägigen Vor- 
kommnissen beim Heere hält. 

Verfasser schliesst damit, dass es endlich an der Zeit sei, 
eine Militärpsychiatrie zu schaffen ; es sei dies eine Forderung der 
Gerechtigkeit, da sich jeder Soldat dem Staate gegenüber in einem 
rechtlichen Verhältnisse befinde und dass ein Mehr geschehen 
müsse, dahin diänge der Stand der heutigen Wissenschaft. 



Tagesnachrichten und Notizen. 

(Aerztliche8 Vereinsleben in Wien.) Bei der am 
13. d. M. abgehaltenen Sitzung der k. k. Gesellschaft der Aerzte 
ergriff der Vorpitzende Dr. Ho ff mann das Wort zu folgender 
Ansprache: Meine Herren! Bevor ich die Sitzung eröffne, gestatten 
sie mir, dass ich Ihnen meinen verbindlichsten Dank dafür ausspreche, 
dass Sie mich unter den wenigen praktischen Aerzten und als das 
Zweitälteste Mitglied der Gesellschaft, der ich seit Jahren mit Stolz 
und Freuds angehöre, für dieses Jahr zum Vorsitzenden gewählt 
haben, ich folge Ihrem Rufe und rechne auf Ihre Nachsicht und 
Unterstützung I Der Vorsitzende bringt hierauf ein von Prof. Kaposi 
eingelaufenes Einladungsschreiben zu dem vom 5— 10 September 
in den Festräumen der k. k. Universität tagenden II. Dermato- 
logischen Kongresse, zur Verlesung. Hofrath Prof. Albert demon- 
8trirt hierauf einen Kranken, bei dem wegen eines grossen Leber- 
echinococcu9 die Operation mit günstigem Erfolge ausgeführt wurde. 
Vortragender berichtet hierauf über einen Echinococcus, der sich 
spontan in die Blase entleerte. Hofr. Prof. Billroth fügt den 
Auseinandersetzungen Albert's einige Fälle von Echinococcus aus 
seiner eigenen Erfahrung bei. Docent Dr. Herzfeld demonstrirt 
hierauf ein am 20. April d. J. geborenes Kind mit einem inter- 



essanten Defekte der Brustwandung. Dr. M ü 11 e r stellt hierauf einen 
Patienten mit Iristuberkulose vor, sowie einen bereits vor zwei 
Jahren vorgestellten und an Scleraltuberkulose geheilten Fall, an 
den er dann einige Bemerkungen knüpft. Prof. C h i a r i demonstrirt 
hierauf ein mikroskopisches Präparat von Varix des Stimmbandes; 
Bill rot h will dasselbe aber nicht als Varix anerkennen, sondern 
hält es für einen Tumor cavernosus. — Dr. Stern b g stellt 
hierauf zwei geheilte und einen gebesserten Fall von Osteomalacie 
vor und schreibt die Erfolge der Darreichung von Phosphor zu. 
Vortragender erläutert seinen Vortrag an der Hand zahlreicher 
Fälle aus der Literatur und schlägt Indicationen für die Kastra- 
tion und Phopphortherapie der Osteomalacie vor. Im Ver- 
laufe des Vortrages kommt Dr. Sternberg auf die Schwierig- 
keiten der Stellung der Diagnose der Osteomalacie, sowie 
auf die Differentialdiagnose der Osteomalacie mit anderen Er- 
krankungen (Hysterie, Neoplasmen, nervösen Erkrankungen u. s. w.) 
zu sprechen, was Prof. Kahler zu einigen Bemerkungen über das 
multiple Myelom und über die Hysterie veranlasst. Dr. Siegl weist 
auf die günstige Wirkung des Leberthrans bei Osteomalacie hin, die 
Dr. Stern berg darin begründet findet, dass manche Leberthran- 
sorten auch Phosphor enthalten. Wegen der vorgerückten Zeit 
unterbleiben die angekündigten Vorträge des Prof. Wintern itz 
Docent Dr. Zeissl u. s. w. Der ausführliche Bericht über 
den Verlauf der Sitzung in der nächsten Nummer. — Am 11. d. 
M. fand die Sitzung des «Wiener mediz. Klubs» statt, in welcher 
das Interesse der Anwesenden durch einige interessante Demon- 
strationen rege gehalten wurde. Der Bericht dieser Sitzung findet 
sich an anderer Steile dieser Nummer. Dr. Em. MandL 

(Uni versi täts- und Personal nach ric hte n.) Dem 
Hausärzte der Zahlabtheilung der nieieröilerreichischen Landes Gebär- 
anstalt, Dr. Hermann v. Erlach, wurde der Titel Primararzt ver- 
liehen. — Dr. Alois Gruber in Wien, ein wegen seiner langjährigen 
humanitären Thätigkeit im Doktoren-Kollegium allgemein geschätzter 
Arzt, beg'ng sein 40jähriges Doktor-Jubiläum. — Dem Dr. Kita- 
sato aus Japan, einem Schüler Koch'* unJ langjährigen Assistenten 
desselben, ist bei seinem Scheiden aus Berlin der preussische Professor- 
titel verliehen worden. Derselbe übernimmt, wie wir bereits gemeldet 
haben, die Leitung eines Instituts fürlnfektionskrankheitenin Tokio. — 
Der ausserordentliche Prof. Dr. F. M ü Her, Direktorder Poliklinik in 
Breslau, hat einen Ruf als ordentlicher Professor und Direktor der 
Poliklinik nach Marburg erhalten und angenommen. — Prof. Dr. Kleba 
ist als Professor der patholopischen Anatomie nach Chicago berufen 
worden. — Dem Pnysikus des Pester Komitates Dr. Ladislaus H i r k o 
wurden anlässlich seines 25jährigen Dienstjubiläums in ärztlichen und 
Laienkreisen zahlreiche Ovationen dargebracht. — Zu dem im Verlage 
der Universitätsbuchhandlung Georg Sielin^ky erscheinenden, vom 
königl. Rath Dr. Heinrich Mangold herausgegebenen: • Hygienisch- 
diätetisches Taschenbuch für Heilsuchende in Bade- und Kur- 
orten», hat ihre Hoheit die k. k. Krooprinzesdn Stephanie die 
Widmung anzunehmen und zu gestalten geruht, dass Ihr ein 
Exemplar desselben für Ihre Bibliotuek überreicht werde. — Königl. 
Rath Dr. Heinrich Mangold, seit 32 Jahren Kurarzt in Füred 
am Plattensee, hat seine Praxis daselbst aufgenommen. Seine 
Monographie über diesen Kurort ist soeben in fünfter Auflage 
bei Wilh. Braumüiler in Wien erschienen. 

(Niederösterreichischer Lan des -Sanitäts rath.) 
Im Laufe des Monates April gelangten im niederösterreichischen 
Landessanitätsrathe folgende Gegenstände zur Verhandlung. SR. Dr. 
Ernst Braun referirte über die Regelung des Ammenwesens. Der 
niederösterreichische Landes-Sanitätarath sprach sich dafür aus, dass 
ausser der niederösterreichischen Landes-Findelanstalt nur kon- 
zessionirte Ammenanstalten und Ammenvermitllungs-Geschäfte zur 
gewerbsmässigen Abgabe von Ammen an Privatparteien berechtigt 
sein sollen und stellte Bedingungen auf, an welche die Konzessions- 
verleihung zu knüpfen wäre. Prinzipiell sollen alle Personen, welche 
Privat-Ammendienste suchen, vor ihrer Verwendung durch behörd- 
lich bestellte Aerzte untersucht werden und wäre behufs Kontrole 
bei der polizeilichen Meldung jeder Amme die Vorweisung des Ge- 
sundlieits- und Tauglichkeitszeugnisses zu verlangen. — SR. Dr. 
öl I mann referirte über die Abänderung der Jahresberichte der 



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Internationale Klinische Rundschau 1892. 



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k. k. Krankenanstalten Wiens. Der niederösterreichische Landes- 
Sanitätsrath empfahl die Durchführung der vom k. k. Statthalter 
angeregten Vereinigung der Jahresberichte der acht Wiener k. k. 
Krankenanstalten in ein gemeinsames Jahrbuch, an dessen Spitze 
eine Chronik dieser Anstalten zu stellen wäre. Hienach hätten die 
allgemein-statistischen, ferner die speziell medizinisch-statistischen 
Nachweisungen zu folgen, zu welchem Behufe in allen diesen An- 
stalten einzuführende gleichartige Kopfzeltel, resp. Zählblältehen 
das llrmaterial zu enthalten hätten. Bei der Zusammenstellung des medi- 
zinisch-siatistiscben Theiles wäre sich vorläufig genau an die mit dem 
Erlasse des k. k. Ministeriums des Innern vom 28. Dezember 1868 
Z. 18.104, erfiossene Instruktion zu halten, bis die vom k. k. 
Ministerium angeordnete und bereits in der Ausarbeitung befindliche 
Aenderung des Krankheilschemas perfekt geworden sein wird. Die 
von den einzelnen Spitälern zu liefernden wissenschaftlichen Ue- 
richle wären in den gemeinsamen Bericht unverkürzt aufzunehmen 
und würde den Schluss des Jahrbuches der allgemeine ökonomische 
Bericht bilden. — Ueber die Regelung des Wasenmeisterdiensles 
im erweiterten Gemeindegebiete von Wien referirten SR. Dr. Ga uste r 
und Landes-Thierarzt Umlauf Der niederösterreichische Lande.-- 
Sanitätsrath befürwortete die Einbeziehung des ganzen Gemeind»*- 
gebietes von Wien in einen Wasenmeistersprengel, wenn für die 
Errichtung von mindestens einer zweckentsprechend eingerichteten 
Sammelstelle der Wa^enmeislerei im 19. oder 16. Bezirke vorge- 
sorgt und der Transport in die thermo-cheroHche Vertilgungs- 
anstalt in gut verschlossenen Wagen unter Durchführung der 
erforderlichen Desinfektions -Massnahmen und thunlichsler Ver- 
meidung belebter Strassen vorgenommen wird. Die von der 
Gemeinde Wien bezüglich der Regelung des Wasenmeisterdienstes 
getroffenen Veifügungen wurden den sanitäts- und veterinär-poli- 
zeilichen Anforderungen entsprechend befunden und wäre für die 
Errichtung des in Aussicht genommenen Sammelhauses eine kuize 
Frist zu bestimmen. — Weiters referirte SR. Gauster über die 
Ueberwachung der Irrenpflege auf dem Lande. Zur Sicherung einer 
entsprechenden Pflege und Obsorge für die häuslich oder in Ge- 
meindev?rsorgung verpflegten Geisteskranken wären die Gemeinden 
und deren Sanitätsorgane unter Ueberwachung durch die k. k. Be- 
zirkshauptmannschaften und die k. k. Bezirksärzte zu verhalten 
und wurden Massnahmen zum Zwecke einer genauen Evidenzhaltung 
der Geisteskranken in Vorschlag gebracht. Der niederösterreichische 
LandeJ-Siinüätsrath empfahl ferner, für ganz Niederösterreich eine 
ausreichend grosse, entsprechend eingerichtete, von Psychiatern ge- 
leitete Beobachtungsstelle in Wien zu schaffen und behufs Rege- 
lung der Evidenzhaltung der nicht in Irrenanstalten befindlichen 
Geisteskranken, sowie der Ueberwachung der Pflege derselben vor- 
erst die Gemeinde Wien und die k. k. PoJizeidirektion zur Abgabe 
diesbezüglicher Gutachten zu veranlassen. Auch empfahl der Landes- 
Sanitätsrath die Hinausgabe von ihm entworfener bezüglicher 
Instruktionen. 

Budapest. Der Unferrichtsminister hat als Privatdozenten an 
der Budapester Universität bestätigt: Dr. Paul J. Haberern für 
Chirurgie der Knochen- und Gelenksleiden ; Dr. Gustav Direr gynä- 
kologische Operationslehre; Dr. Johann Bd rsory für geburtshilfliche 
Operationslehre; Dr. Hermann Rolhmann für Zahnheilkunde. 
— Aus Budapest schreibt man uns: In der jüngsten Sitzung 
der königl. Gesellschaft der Aerzle in Budapest hat Dr. Karl 
Schäffer hypnotische Experimente demonstrirf, die er 
an einer hystero-epileptischen Patientin angestellt, bei welcher er 
mittelst kurz anhaltender Fixation Hypnose erzielte mit Erstarrung 
des ganzen Körpers und die zu Stande ge rächte Katalepsie der 
Extremität durch Reiben sistirt werden konnte. Wurde im hypno- 
tischen Zustande eine Gliedmasse der Patientin rasch fleclirt, trat 
Kontraktur ein, welche gelöst werden konnte, wenn mm vor 
dem Ohre derselben Seite eine Stimmgabel ertönen Hess; die Sisti- 
rung der Kontraktur war stets durch einen tiefen Seufzer markirt. 
Wurde anderseits vor dem Ohre der hypnotisirlen Kranken die 
Stimmgabel angelegt, so kam auf derselben Seite Hemikatalepsie zu 
Stande, die gelöst werden konnte durch Anwendung eines anderen 
Sinnesreizes (Riechen an Essig) ; ja sogar die neuerliche Einwirkung 
desselben Reizes nach einigen Sekunden sistirle die durch dieselben 
hervorgerufene Hemicatalepsie, während wenn der Sinnesreiz an 



t 



derselben Seite zur Einwirkung gelangt, auch dort Hemikatalepsie 
oder Katalepsia totatio eintritt. Wirkt der Reiz auf beide Körper- 
hälften zugleich ein, entsteht allsogleich Katalepsia totatio. Der 
Eintritt und die Lösung der Katalepsie konnte stets etwas früher 
an den unteren als an den oberen Extremitäten beobachtet werden. 

(Mi I i ari a-Ep idemie.) Die zum Studium der in Krain (in 
mehreren Ortschaften des Bezirkes Gurkfeld) konstalirten Miliaria- 
Epidemie entsendeten Obersanitätsräthe Prof. Dräsche und Prof. 
Weichselbaum veröffentlichten im «Oest. San.-W.» einen vor- 
läufigen Bericht, dem wir Folgendes entnehmen: Die Krankheit 
begann regelmässig mit Gliederschmerzen, Schüttelfrost und Angst- 
gefühl; Fieber bis 41°; Erbrechen selten. Mit dem Ausbruche eines 
überaus profusen und eigentümlich riechenden Schweisses und 
der Eruption eines massenhaften, knötchenartigen Exanthems auf 
tivider oder dunkelgerötheler Haut schloss der erste Anfall. Unter 
nachlassendem oder fortbestehendem massigen Fieber erblas3te die 
Haut, die Knötchen füllten sich mit heller, milchig-trüber, selbst eitriger 
Flüssigkeit und konfluirten zu Pusteln. Sehr bald folgte auch eine 
kleienartige Abschuppung. Ausserordentliche Schwäche und Abge- 
schlagenheit blieben zurück. In der Mehrzahl der Fälle kam es zu wieder- 
holten Nachschüben. Traten gleich Anfangs Konvulsionen und Delirien 
auf, so endete der Fall immer letal. Die Brustorgane zeigten keine 
krankhaften Erscheinungen ; Milz wenig oder nicht vergrössert; Stuhl 
träge; Schwäche hochgradig, langsame, auf mehrere Wochen sich 
erstreckende Rekonvaleszenz. Komplikationen und Nachkrankheiten 
kommen nicht vor. An der Leiche einer 22jährigen, nach 3'ägiger 
Krankheit verstorbenen Frau wurde 5 Stunden post mortem die 
Sektion vorgenommen. Das Exanthem bestand aus äusserst kleinen 
Knötchen nnd einzelnen weissen korngronsen Bläschen mit wasser- 
hellem oder milchig-trübem Inhalt ; das Exanthem war am reich- 
lichsten am Unterleibe, weniger reichlich am Thorax, Hals und Ge- 
sicht; die benachbarten Schleimhäute zeigten keine Effloreszenzen. 
In der Schleimhaut des Magengrundes mehrere grössere Hämor- 
rhagien; in den Unlerlappen beider Lungen hämorrhagische Herde, 
im Endocard des linken Ventrikels mehrere Ecchymosen. Akuter 
Milzlumor; trübe Schwellung von Leber und Nieren, fettige Degene- 
ration des Herzens, Schwellung der Lymphfollikel des Zungengrundes, 
des Pharynx und Ueums. Blut dünnflüssig und dunkelroth Ueber 
die Resultate der mikroskopischen und bakteriologischen Unter- 
suchung wird nach Abschluss derselben berichtet werden. — Im 
Ganzen war-n 10 Ortschaften ergriffen, deren Einwohner vorzugs- 
weise Ackerbau treiben und in dürftigen Verhältnissen in sumpfiger 
Gegend leben. Als Trinkwasser dient zumeist der Gurkflus«. Vor- 
wiegend waren das weibliehe Geschlecht und das mittlere Lebens- 
alter ergriffen — P^ine Reihe von Fällen spricht dafür, dass die 
Ausbreitung der Epidemie, welche in Summa 57 Personen, von 
denen 14 starben, ergriffen hatte, auf dem Wege der Kontagion er- 
folgte. — Miiiaria-Epidemien sind in früherer Zeit in einzelnen 
Gegenden der südlichen Alpenländer Oesterreichs beobachtet worden. 
Aus neuerer Zeit sind folgende kleine Epidemien bekannt: 1863 
in Narau, 1873 in 45 Ortschaften des Bezirkes Adelsberg, 1874 
und 1878 in den politischen Bezirken Adelsberg und Gurkfeld, 1891 
in Stein, sämmtliche also in Krain; 1882 in Kastelruth in Tirol. 

(Anklagen gegen Apot h eker.) Ein b lyrischer Apotheker 
hatte einem Arbeiter, der gegen seine Frostbeulen um ein Mittel 
gebeten, ein Fläschchen «Frostbalsam» verabreicht, der folgender- 
maassen zusammengesetzt war: Glycerin 600 Tinct. Jodi. Liqu. 
ammon. caust. ää 200, Spirit. aromalic. 400, Tinct. croc. 5. 
Der Patient brachte laut Anweisung einige Tropfen auf die schmerzende 
Stelle, zog aber Tags darauf den Fabriksarzt zu Rathe« welcher 
eine Lymphgefässentzündung konstatirte, woraufhin der Arbeiter 
ins Krankenhaus geschickt, g^gen den Apotheker aber die Anzeige 
erstattet wurde. Der Ar^t behauptete, dass die Entzündung durch 
den Gebrauch des Balsams verschuldet worden sei, welche Be- 
hauptung jedoch durch das landesgerichtsärzlliche Gutachten wider- 
legt wurde. Auf die Frage der Staatsanwaltschaft, ob das genannte 
Mittel ein Geheimmittel sei, musste verneint, die Frage aber, ob 
der Apotheker berechtigt war, das Mittel ohne ärztliche Verordnung 
abzugeben, bejaht worden und somit war die obgenannle Anklage 
überhaupt nicht am Platze. (Pharmaceutische Presse Nr. 19, 1892.) 



\\c 



Original from 
UNIVERSITY OF MICHIGAN 



837 



Internationale Kinische Rundschau 1892. 



838 



Herr Professor Semmola ersucht uns vorläufig richtig- 
zustellen, dass der in dem offenen Schreiben des Dr. Huchard 
(Internat. Klinische Rundschau Nr. 18) herangezogene Aufsatz : 
c Pharmakologisches und klinisches über das Coffein nicht von 
Semmola undFerrara, sondern von Herrn Dr. Nicola Fer- 
rara allein stammt. — Professor Semmola wird noch des 
Näheren auf die ganze Sache zurückkommen. 

(Illegale Ausübung der Medizin durch die Op- 
tiker.) Nach einem Urtheil des Korrektionsgerichtshofes von Ha vre 
muss ain Konsultation im ärztlichen Sinne und folglich als un- 
gesetzliche Ausübung der Medizin betrachtet werden, wenn ein 
Optiker Jemanden wegen eines krankhaften Zustandes der Augen 
eine Brille vorschreibt. 

(Todesfälle.) In Wien starb diese Woche der auch als Kunst- 
freund und Schriftsteller bekannte praktische Arzt Dr. Gerhard v. Breu- 
ning, in früheren Jahren auch Hausarzt der Theresianischen Akademie, 
im 79. Lebensjahre. — Der Professor der Histologie und Entwicklungs- 
geschichte an der Universität Innsbruck, Dr. Josef Gel lacher, ist am 
8. d. M. in Bozen, wo er die Osterferien zugebracht hatte, im Alter von 
41) Jahren an Lungenentzündung gestorben. 



Herr Doktor Aifons Hanc wohnt seit Mai d. J. I M Graben 
Nr. 1 (Equilable). 

Dr. Wette ndorfer beehrt sich den Herren Kollegen an- 
zuzeigen, dass er am 10. Mai a. c. seine kurärztliche Thätigkeit 
in Baden bei Wien wieder aufgenommen hat. 



Zur Anzeigepflicht der Aerzle. 

Erlass des k. k. Ministeriums des Innern vom 9. April 1892 
Z. ad 1429, an alle polit. Landesbehörden, betreffend die Einfuhrung 
eines einheitlichen Formulares für die Anzeigen über Infektions- 
krankheiten. 

Mit dem hierortigen Erlasse vom 13 Dezember 1888. Z 
20.604, ist hinsichtlich der Anzeige von Infektionskrankheiten eine 
allgemeine Richtschnur gegeben worden. Das Ministerium des Innern 
bat jedoch wahrgenommen, dass die Anzeige der Infektionskrank- 
heiten seitens der Gemeinden an die politischen Behörden, sowie 
seitens der hiezu verpflichteten Aerzte an die Gemeindeverwaltungen, 
eventuell an die politischen Behörden in sehr verschiedenartiger 
und nicht selten mangelhafter Weise erfolgt und dass in Folge 
dieser Ungenauigkeiten die Handhabung der unmittelbar erforder- 
lichen sanitären Massnahmen seitens der Gemeindeverwaltungen, 
sowie die Ueberwachung derselben durch die politischen Behörden 
erschwert wird. 

Um diese Anzeigeerstattung über Infektionskrankheiten sowohl 
den Gemeindevorstehungen als auch den Aerzten zu erleichtern 
und andererseits dieselben einfacher und gleichförmiger zu gestalten, 
hat das Ministerium des Innern über Antrag de* Obersten Saniläts- 
ralhes Anzeigeformularien in der k. k. Hof- und Staatsdruckerei 
auflegen lassen, mittelst welcher die Erst-Anzeige vom Auftreten 
einer Infektionskrankheit in Form eines, bloss am gummirten 
Längsrande zu verschliessenden Kartenbriefes und die Nachtrags- 
Anzeige über den Ausgang derselben in Form einer Korrespondenz- 
karte erfolgen kann, auf welch 1 letzterer der Name des betreffenden 
Kranken nicht angeführt zu werden braucht, da der Kartenbrief 
und die Korrespondenzkarte bereits mit einer vorgedruckten Nummer 
versehen sind. Dieselbe Nummer trägt auch ein nach Abtrennung 
der vorgedachten Blätter zurückbleibendes Vormerkblatt, welches 
bestimmt ist, dem anzeigeerstatteten Gemeindevorsteher oder Arzte 
die Evidenzhaltung des betreffenden Krankheitsfalles und der er- 
statteten Anzeige zu ermöglichen. 

Diese Anzeigeblanquette werden aus der k. k. Hof- und 
Staatsdruckerei entweder in losen Blättern oder in Form von 
Heften (Blockform) zu 25 und 50, eventuell 10 und 100 Blättern 
bezogen werden können und hat die genannte Druckerei hiefür 
die nachstehenden Preise festgesetzt: 



Für 1 Block mit 25 Blättern .... 23 kr. 

< 1 - < 5U * .... 43 kr. 

Ferner für lose Blätter, und zwar: 

Für 1 Packet zu 10 Stück 8 kr. 

« 1 « «50 « 36 kr. 

< 1 « «100 < 72 kr. 

Ausserdem hat die Staatsdruckerei bei Abnahme von 250 
Stück Anzeigeblältern (10 Block ä 25 Blätter) und darüber für die 
k. k. polit. Bezirksbehörden einen 10% Rabatt zugestanden. 

Gemeinden und einzelne Personen gemessen diese Begünstigung 
nur im Falle der Baarzahlung. 

Es wird daher durch den gemeinsamen Bezug solcher Anzeige- 
blanquette oder Anzeigehefte in grösseren Quantitäten durch Ver- 
mittlung der politischen Behörden eine solch* billige Beschaffung 
dieser Drucksorte möglich sein, dass der Preis den des gewöhn- 
lichen Papieres nicht übersteigt, und ist bei reichlicher Gebrauchs- 
nahme derselben eine weitere Preisherabsetzung zu gewärtigen. 

Was die Portobehandlung der in Rede stehenden Infektions- 
anzeigen betrifft, wird nach gepflogenem Einvernehmen mit dem 
k. k. HanJels-Ministerium bemerkt, dass diesen Anzeigen die Porto- 
freiheit im Verkehre mit den im Art. II, Ab*. 1 und 2 des Ge- 
setzes vom 2. Oktober 1865, R. G.-Bl. Nr. 108, angeführten k. k. 
Behörden, Aemter und Korporationen ausserhalb des Stadtpost- 
verkehres zukommt, wobei es selbstverständlich keinen Unterschied 
macht, ob die gedachten Anzeigen von Aerzten oder von Gemeinden 
erstattet werden. 

Im Sladlpostverkehre unterliegen zwar die Intektionskrankheits- 
Anzeigen der Portopflicht, jedoch hat das k. k. Handelsministerium 
sich bereit erklärt, bezüglich der Entrichtung der Portogebühren 
für diese Anzeigen die weitgehendsten Erleichterungen eintreten zu 
lassen und dementsprechend allen darum ansuchenden Gemeinde- 
vorstehungen die Begünstigung der piuschalweisen Entrichtung der 
Portogebühren für die Beförderung der an sie gerichteten (offenen) 
ärztlichen Anzeigen über Infektionskrankheiten zuzugestehen, wie 
solche Begünstigungen beispielsweise bereit* dem Magistrate der 
Reichs-Haupt- und Residenzstadt Wien und den Stadtgemeinden 
Linz, Prag u. A. zugestanden worden sind, und werden daher die 
betreffenden Stadtgemeinden dringend einzuladen sein, die Zu- 
gestehung der gleichen Begünstigung beim genannten Ministerium 
zu erwirken. 

Der hier in Frage kommenden dreifachen Porto behandlung 
entsprechend enthalten die in Rede stehenden Anzeigeblanquette 
die Portobezeichnung bereits vorgedruckt und werden daher bei der 
Versendung der Anzeigen seitens der Absender die nicht ent- 
pprechenden zwei Bezeichnungsarten einfach durchzustreichen sein. 

Ehe das Ministerium des Innern bezüglich der vorläußg 
fakultativen Einführung dieser Anzeigeblätter weitere Weisungen 

ergehen lässt, wird der k. k unter Uebermittlung 

eines Probeexemplares Gelegenheit gegeben, sich über diese An- 
gelegenheit von ihrem Standpunkte zu äussern und etwaige Wünsche 
in einem motivirten Berichte anher bekannt zu geben. 

Hiebei wird noch bemerkt, dass der für diese Anzeigeblätter 
oben angegebene Preis von der k. k. Staatsdruckerei auch dann 
nicht erhöht werden wird, wenn dieselben mehrsprachig angefertigt 
werden. 

Um in dieser Hinsicht die entsprechenden Bestellungen be 1 
der Staatsdruckerei veranlassen zu können, wolle die k. k. . . 
. . . zugleich berichten, in welcher Weise die Anzeigeblätler 
mit Berücksichtigung der Landessprachen für den Bedarf des dort- 
ämtlichen Verwaltungsgebietes auszufertigen wären und deutlich 
geschriebene Uebersetzungen des Textes in jeder Landessprache, 
und zwar für jede Sprache auf gesondertem Bogen anher in Vor- 
lage bringen. 

Der Berichterstattung hierüber wird bis längstens 15. Mai 
\. J. entgegengesehen. (Mediz.-Chirurg. Centralbl. Nr. 18, 1892.) 






Original from 
UNIVERSITY OF MICHIGAN 





839 



Internationale Klinische Rundschau 1892. 



840 



Das liebliche Hals bei Passau, in dem reizenden Ilzthale ge- 
legen, umgeben von bewaldeten Bergen mit Burgruinen und entzückenden 
Aussichtspunkten ist mit seiner Kur- und Wasserheilanstalt so 
recht geeignet, alle Bedingungen zu erfüllen, die zur Wiedererlangung 
verloren gegangener Gesundheit erforderlich sind. In der Anstalt kommen 
die physikalisch-diätetischen (sogenannten natürlichen Heilmetho- 
den zur Anwendung, nämlich das besonders in neuerer Zeit so sehr po- 
pularisirte Wasserheilverfahren in seinem ganzen Umfange, die diätetische 
Behandlung, Bewegungs- und Athmungskuren, OerteTscIe Terrainkuren. 
elektrische Behandlung in jeder Form, auch elektrische Bäder. Als beson- 
dere Spezialität sei noch hervorgehoben, die Behandlung von Frauen- 
krankheiten nach der Methode von Dr. Apostoli in Paris, die bei all* 
ihrer Schmerz- und Gefahrlosigkeit anerkannfermassen in geeigneten 
Fällen Erfolge liefert, wie kein anderes Heilverfahren. Nicht allein die 
Reichhaltigkeit der genannten zur Anwendung kommenden Heilfaktoren, 
sondern auch die vieljährige Erfahrung des dirigirendtn Arztes als Leiter 
von Heilanstalten bürgen dafür, dass die Behandlung eine streng indi- 
vidualisirende, d. h. jedem Falle genau angepasste und fern von jeder 
Einseitigkeit und Schablonenhaftigkeit ist Das Leben in der Heilanstalt 
ist ein ungezwungenes, sich dem Familienleben näherndes, so dass auch 
alleinstenende Damen und Mädchen anstandslos sich hier in Pension 
geben können. Die Verpflegung aus der Anstaltsküche ist eine kurgemäss 
vorzügliche und die Preise sind — wie aus dem auch über sonst alles 
Wissenswerthe Auskunft gebenden Prospekte zu ersehen — recht massige 



Aerztliclic Stellen. 

Gemeindearztesstelle in Hagenbrunn, politischer Bezirk Korneuburg 
(Niederösterreich), für die Gemeinden Hagenbrunn, Klein-Engersdorf, 
Flandorf, Königsbrunn, Enzersfeld (2286 Einwohner). Bezüge 300 fl. 
jährlich und Naturalwohnung (zwei Zimmer, zwei Cabinete, Küche, 
Keller und Stallung). Hiefür obliegt dem Arzte die Todtenbeschau, 
die Behandlung der notorisch Armen und die unentgeltliche Besorgung 
der gemeindeärztlichen Agenden. Auch wird die Hallung einer Haus- 
apotheke zur Pflicht gemacht. Bewerber um diese Stelle haben ihre 
mit dem Diplome, den Zeugnissen über ihre bisherige Verwendung, 
dem Tauf- und Heimatscheine, sowie dem Nachweise Übet ihre 
physische Tauglichkeit belegten Gesuche bis 20. Mai au die Gemeinde- 
voistehung Hagenbrunn einzusenden. 

Distriktsarztewtelle in Völkermarkt (Kärnten). Mit dieser Stelle ist 
eine Dotation von jährlichen 150 fl. aus dem Landesfonde und von 
300 fl. von den betheiligten Gemeinden, zusammen von 450 fl. 
verbunden; ausserdem erhält der Distriktsarzt von der Gemeinde 
Völkermarkt für die ärztliche Behandlung der Gemeindearmen und 
der Gemeindebediensteten und für die Besorgung der Todtenbeschau 
bei den Gemeindearmen einen Pauschalbe'rag von jährlich 50 fl. und 
vier Klafter Brennholz Auch hat der Distriktsarzt die Substitution 
des Sanitätsdistrikles Griffen, mit einer separaten Remuneration 
von 150 fl. aus dem Landesfonde, zu besorgen. Eine zweimonatliche 
Kündigungsfrist wird festgestellt. Bewerber um diese Stelle haben 
inre Gesuche bis längstens 15. Juni d. J. bei der k. k. Bezirkshaupt- 
mannschaft Völkermarkt einzubringen. 

Distriktsarztesstelle für den Sanitätsdistrikt Urban (ßezirkshauplmann- 
schalt Znaim) mit dem Sitze in Urban (Mähren); der Distrikt besteht 
aus sechs Gemeinden mit einem Flächenraume von 43 86 Quadr.-Klm. 
und einer deutschen Bevölkerung von 3660 Seelen. Mit diesem 
Posten ist ein Jahresgehalt von 390 fl , ein Reisepauschale von HO II , 
ferner ein Quartiergeldbeitrag von 100 fl. verbunden. Haltung einer 
Hausapotheke. Bewerber um diese Stelle haben die mit den im § 10 
des Gesetzes vom 10 Februar 1884, L G. und V. Bl. Nr. 28, an- 
geführten Nachweisen belegten Gesuche bis 24 Mai 1. J. bei dem 
Obmann e der Sanitätsdelegation Bonanent Thallafuss in Urban ein- 
zubringen. 

Distriktsarztesstelle für den Sanitätsdistrikt Maffersdorfa. N. (Böhmen) 
mit drei Gemeiden, 6184 Einwohnern und dem Sitze des Arztes in 
Maffersdorf, eventuell für den Sanitätsdistrikt Ruppersdorf mit 
vier Gemeinden, 7049 Einwohnern und dem Sitze in Ruppersdorf. 
Mit diesen Posten ist ein jährlich' r Gehalt von je 400 fl. und ein 
jährliches Reisepauschale von 40 fl. und bezw. 60 fl. ö. W. ver- 
bunden. Die Anstellung erfolgt vorläufig provisorisch auf eiu Jahr. 
Bewerber um diese Stellen, für welche die Kenntniss der deutschen 
Sprache erforderlich ist, wollen ihre mit den vom Gesetze geforderten 
Nachweisen belegten Gesuche bis zum 28. Mai 1892 beim Bezirks- 
ausschusse Reichen berg einbringen. 

Dieser Nummer liegt ein Prospekt des Kurbades Unter-Schmecks 
(Also-Tatrafüred) Oberungarn bei, auf den wir besonders 

aufmerksam machen. 

Mit nüelister Nummer versenden wir Heft 4 des 
VI. Bandes der „Klinisctien Zeit' und Streitfragen* 4 
enthaltend; „Die Heilwirkung der Elektrizität bei 
Nervenkrankheiten." Von l>r. med. Half Wich- 
mann in BrattnsrJiweig. 

Verantwortlicher Redakteur: Z)r. A- thur Schnitzler. 



Pränumerations-Einladung. 



Mit L April 1892 begann ein neues Abonnement aui die 

internationale 

KLINISCHE RUNDSCHAU 

(jeden Sonntag 2 bis 8 Bogen i 

und 

KLINISCHE ZEIT- u. STREITFRAGEN 

'jährlich 10 bis 12 Hefte zu l bis 3 Bogen). 
Pränumerations - Bedingnisse: 

Fflr Oesterreich-Ungarn: Ganzjährig fl. 10, halbjährig fl. o. viertel- 
jährig fl. 2.50. — Für das Deutsche Reich: Ganzjährig Mark 20, halb 
jährig Mark 10, vierteljährig Mark 5. — Für die übrigen Staaten: Ganz 
jährig Frcs. 26, halbjährig Frcs. 12.50, vierteljährig Frcs. 6.25. 

Abonnements sind zu adressiren an die Administration der 
«Internationalen Klinischen Rundschau». Wien, I. Bez., Llchtenfelsgitse 9. 
Ausserdem nehmen alle Postämter und Buchhandlungen Bestellungen auf 
die «Internationale Klinische Rundschau» sowie auf die «Klinischen 
Zeit* und Streitfragen» entgegen. 

'ene Herren, deren Pränumeration mit Ende März erloschen Ist, werden 
prsucht, dieselbe möglichst bald zu erneuern, damit die Zusendung keine 

Unterbrechung erleidet. 

Die Administration der „Internationalen Klinischen Rundste" 



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Wien, L f Llcutenfelssasae V, 



Der Beinertrag: ist zur Hälfte dem Spltalsf ond der Poliklinik 
zur anderen Hälfte dem Unterstiitzungi-Instltute des Wiener 
med. Doktoren-Kollegiums gewidmet. 



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schienen und dortselbst sowie durch jede Buchhandlung zu beziehen: 

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nach den Werken und Vorlesungen von Eichhorst, Jaksch, Jürgensen. 
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Ferner sind daselbst erschienen ui d eben fall« nach den besten nnd neuesten 
Werken ^arbeitet: Kürzet Repetltorium der Nervenkrankheiten, der Psychiatrie, der Augen- 
heilkunde, der Klndertiellkund«, d*r Hautkrankheiten ä 60 kr , der altgemeinen Chirurgie, der 
apeclellen Chirurgie ä 90 kr., der klinischen Untertuchungtmethoden k 75 kr., der Ohrenheil- 
kunde ä 40 kr., der Baoteriologle a 6o kr., der Pharmakologie, der Anatomie & 90 kr., der 
medlclnltohen Chemie, {2 Thle ) a 75 kr. In gedrängtester Knrze enthalten dic*e billigen 
und handlichen Büchlein geradezu Allee, was für den praktischen Arzt wichtig und wiasens- 

werth ist und bilden daher ein Vademecum im wahren Sinne dt ■ Wortes. 



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Original frorn 
UNIVERSITY OF MICHIGAN 



841 



Im ernationale Klinische Kundschau 1892. 



842 



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Potasche und Gewürz erzeugt. (ggi) 

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Wir erlauben uns anzuzeigen, dass für den Jahrgang 1891 der 
„Internationalen Klinischen Rundschau" und für den V. Band der „Klinischen 
Zeit- und Streitfragen*' elegante Einbanddecken angefertigt wurden, und 
zwar können dieselben sowohl von uns direkt, als auch durch jede Buch- 
handlung für die „Internationale Klinische Rundschau 11 um I fl., gleich 2 Mark, 
für die „Klinischen Zeit- und Streitfragen" um 60 kr., gleich I Mark 20 Pf. 
bezogen werden. 

Die Administration der „Internationalen Kllnlsrben Rundschau 11 . 





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5 Ausbrüchen. § 

§ Sämmtltohe zu medlzinlsoben Zweoken geeignet. | 

TTi 1 1 1 1 • m 1 1 1 1 1 i ri u 1 1 1 1 1 m i ri 1 1 1 1 1 r 1 1 m 1 1 1 1 1 1 1 ■ 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 r 1 1 1 1 1 1 h 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 h n 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 ■ JT 

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I UUCI UUIUUllllll locidinlösung bemerken wir. dais diese Lösung unter Beo'itzang 
des gleichen Vol. von Taberculinura Kochii hergestellt wird Dies I C »ncentration be- 
zeichnet Professor Klebs in seinen Pnblikitione i als lOOpercentig Wir liefern von jetzt 
ab nur noch diese Lösung, und zwar nur in M»n;en von 2, 5, 10 und 25 kern zum Preise 
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19. Juli 1886 und des Herrn Dr. L. G. Krans in Nr. 6 der „Internationalen 
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UNIVERSITYOF MICHIGAN 



843 



Internationale Klinische Kundschau 1892. 



844 



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und Operationsbetten für Augenkranke etc. etc., kurz alle Kurbehelfe, die 
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verfall, allgemeinen Schwächezuständen in der Reconvalescenz nach 
überstandener schwerer Lungenentzündung, bei Magen- und Brustleiden« 
sowie bei frischen als auch veralteten katarrhalischen Zuständen der 
Athmungsorgane, sagt Dr. Med. Mohr, Gerichts- und Spitalsarzt 
In Neusandec. 

10.000 Aerzte aller Lander, darunter die berühmtesten medic. Koryphäen und die 
meisten laiserl., königl. und fOrstl. Leibärzte haben sich über die Johann HofTschen 
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und sie al* die er ten und besten Heilmittel emporgehoben und werden dieselben 

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Wien, Graben, Bräunerstrasse Hr. 8. 

Neusondec, 11- März 1889. 

Euer Wohlgeboren! Angeregt durch die täglich sieh mehrenden Anerken- 
nungssch rr-iben bezüglich der vorzüglichen Wirkung der Johann HofTschen Malz- 
heilnahrimesmitlel habe auch ich mich entschlossen, den Werth derselben zu er- 
proben und bin schon nach kurzen Versuchen zu detn allergflnsttcHten Resultate 
gelangt. Weit Ober meine Erwartung bat sich bei mehreren meiner Obhut anver- 
trauten Rrconvalesconten nach Überstandemr schwerer Lungenentzündung nicht 
nur deren allgemeiner Ernährungszustand erstaunlich gehoben, sondern ich konnte 
auch bei denselben schon nach kurzem Gebrauche dor Johann HofTschen Heilnah- 
rungsmittcl die vollständige Herstellung ad integrum konstatiren Bei frischen* so- 
wohl als auch bei veralteten katarrhalischen Zuständen der Athmungsorgane haben 
mir die genannten Johann HofTschen MalzhednahrungsprBparate bestmöglichst 
Dienste geleistet. Demgeraäss stehe ich nicht an, zu erklaren, dass die Johnnn 
HofTschen Malzpräparate bei Bekämpfung heftiger katarrhalischer oder entzünd- 
licher Affektionen aer Rcspirationsorgano die besten Hilfsheilmittel sind, die in ihrer 
Heilwirkung jene der verordneten Medicamente wesentlich unterstützen und welche 
überdies ih-es hohen Nährwerthes wegen, wie auch in Folge ihres Überaus gün- 
stigen Einflusses auf die Verdauungsorgane bei drohendem Kräfteverfall und al 1 - 
gemeinen Schwächezuständen sich als das wirksamste Stärkungsmittel erweisen, 

(1090c) Dr. Mohr, Gerichts- und rpitalsarzt. 



ibQ by v itn>; 



IV 



Original from 
UNIVERSITYOF MICHIGAN 



845 



internationale Klinische Kund.schau 18W2. 



846 



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Kür die Reduktion bestimmte Zuschriften, Manascripte, 
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Prof. Dr. Joh. SchnlUter, Wien, I., Burgring 1. 



KLINISCHE RUNDSCHAU. 

Centralblatt für die gesammte praktische Heilkunde, sowie für die Gesammtmteressen des ärztlichen Standes. 

Herausgeber und Chef-Redacteur: Prof. Dr. Joh. Schnitzler. 



INHALT: Originalartikel, Berichte aus Kliniken und Spitälern. Zur Therapie der Diphtheritis. Von Dr. S. Schwarz in Konstantinopel. — Heber Hypnose 
und Suggestion. Von Dr. S. Freud, Dozent an der Wiener Universität. (Schluss) — Ueber Otitis media acuta migrans. Von Dr. Sigismund 
Szene*, Ohrenarzt in Budapest. — Verhandlungen wissenschaftlicher Vereine. K. k Gesellschaft der Aerzte in Wien. Hofrath Prof. 
Albert: Demonstration eines Falles von Echinococcus. — Dr. Herzfeld: Demonstration eines angeborenen Defektes der Brustwand. — Assistent 
Dr. Müller: Demonstration eines Falles von Iristuberkulose. — Prof. Chiari: Ein Fall von Vaux der Stimmbänder. — Dr. M. Sternberg: 
Demonstration geheilter Fälle von Osteomalacie. — Berliner medizinische Gesellschaft Fortsetzung der Diskussion zu dem 
Vortrage des Herin Blaschko: Ueber die Prostitutionsfrage. — Kritische Besprechungen und literarische Anzeigen. Die Influenza-Epidemie 
1889—1892. Von Dr. Jakob Wotff t prakt. Arzt in Berlin. — Pathologie und Therapie der Syphilis. Von Dr. Moziz Kaposi, k. k. a. o. 
Professor in Wien. — Ueber Erkrankungen des Herzmuskels. Von Dr. P. Hampeln, dirig. Arzt der [. Abtheilung des allgemeinen Kranken- 
hauses in Riga. — Lehrbuch der Chemie für Mediziner. Von l>r. Bernhard Fischer, Direktor des chemischen Uniersuchungsamtes in Breslau. 
— Zeitungeschau. Zur Kasuistik schwerer Syphilisformen. Von Dr. Mracek in Wien. — Aus der medizinischen Klinik des Prof. R v. Jaksch 
in Prag. Ueber die therapeutische Wirksamkeit des Diu retin. Von Dr. Eugen Frank. — Ueber Befunde am Gefässapparat der Leichen 
von Nierenkranken. Von />r. 0. Israel in Berlin. — Zur modernen Jatrochemie. Von Reeierungsrath R. p. Perger. — Vergiftung 
mit Atonitin. — Kleine therapeutische Mittheilungen und Rezeptformeln. Rezeptformeln. — Standesfragen, Tagesgeschichte und Korrespondenz. 
XI. Kongress für innere Medizin zu Leipzig. (OriKinalberictil der «Internationalen Klinischen Rundschau ») Rirch- Hirschfeld (Leipzig): 
Ueber schwere anämische Zustände. (Diskussion). — Briefe aus dem Deutschen Reiche. (Originalbericht der «Internationalen Klinischen 
Rundschau».) Weiteres über die Disziplinarbefugnisse der Aerztekammer und Reform des Central-Ausschusses. — Tarjftanachrir.hten und 
Nolizer. Aerztliches Vereiusleben in Wien. — Vom obersten Sanitätsrathe. — Universitäts- und Personalnachrichten. — Budapest. — Anzeigen. 



- ■ ^ - 



Originalartikel, Berichte aus Kliniken und Spitälern. 



Zur Therapie der Diphtheritis. 

Von Dr. S. Schwarz in Konstant inopel. 

Die Literatur über die Therapie der Diphtherie ist nament- 
lich in den letzten Jahren unendlich bereichert worden, was 
in der Natur der Sache liegt, denn bei uns praktischen Aerzten 
handelt es sich hauptsächlich darum, günstige Resultate zu er- 
zielen, und seitdem Löfflkr uns genügende Aufklärung über 
das Wesen dieser fürchterlichen Krankheit gegeben, lag Nichts 
näher, als nach einem Medikamente zu forschen, welches den 
Bacillus unschädlich mache. Es wurden Feuer und Wasser, 
kühlende und brennende Stoffe, giftige und für den Körper un- 
schädliche Mittel vorgeschlagen, aber sie theilten sämmtlich 
das Los alles Irdischen, sie sind vergangen und die armen 
Kranken mit ihnen. Wie es meiner Behandlungs-Methode er- 
gehen wird; mag die Zukunft lehren, ich übergebe sie der 
OefTentlichkeit mit dem Wunsche, dass sie als Anregung zu 
weiteren Forschungen dienen und dass recht bald eine end- 
giltige Therapie festgestellt werden möge. 

Viele Jahre bevor noch Löffler den Diphtherie-Bacillus 
entdeckte, hielt ich die Diphtheritis für eine durch Mikroben 
erzeugte Erkrankung. Schon ihre Infektionsfähigkeit, welche 
ich häufig beobachtete, bestärkte meine Ansicht, bei der ich 
beharrte, trotzdem ich von manchen Kollegen ausgelacht wurde. 

Im Jahre 1874 behandelte ich in einer Familie zwei an 
Diphtheritis leidende Kinder, welche kurz nach einander er- 
krankten und auch starben. Noch während der Krankheit der 
Kinder Hess ich die Geschwister aus dem Hause entfernen, 
und nach dem Tode der kleinen Patienten rieth ich der Fa- 
milie, die Wohnung wenigstens für einige Monate zu verlassen, 
um sie gründlich zu desinficiren. Die Familie zog auf's Land, 
liess das Gebäude gründlich reinigen, die Wände übermalen 
und Alles thun, was zu einer vollständigen Desinfektion gehört. 
Drei Monate später bezog die Familie das Haus wieder, 
kurz darauf erkrankten die beiden anderen Kinder an Diph- 
theritis und erlagen dieser mörderischen Krankheit. 



Einen anderen, noch merkwürdigeren Fall beobachtete ich; 
nachdem ein Kind das Opfer der Diphtherie geworden, verliess 
die Familie das Haus, welches ein volles Jahr leer blieb, dann 
erst wurde es von einer anderen Familie bezogen, in der bald 
darauf ebenfalls ein Kind an Diphtheritis erkrankte. 

Bei Croup habe ich nie derartige Wahrnehmungen ge- 
macht. Dagegen konslatirte ich eine besondere Eigentümlichkeit, 
dass es nämlich Familien gibt, deren Kinder in einem gewissen 
Alter dieser Krankheit zum Opfer fallen. Bei einer Mutter sah 
ich vier Kinder im ?. Lebensjahre an Croup, trotz aller Therapie 
und Tracheotomie, sterben. Die unglückliche Mutter behauptete 
nach dem Tode des dritten Kindes, der sündhafte Lebens- 
wandel ihres Mannes sei Schuld an diesem Unglück. Da sie 
aber- doch noch einen Sprössling haben wollte, so kam sie in 
gesegnete Umstände, ohne dass ihr Ehegatte etwas dazu bei- 
getragen hätte und wurde von einem schönen Mädchen ent- 
bunden. Nach vier Jahren und fünf Monaten musste die Arme 
sich überzeugen, dass selbst ihr Prophylacticum gegen die un- 
erforschlichen höheren Beschlüsse wirkungslos war. 

Wie oben erwähnt, hielt ich schon am Anfange der Sieb- 
ziger Jahre die Diphtheritis für eine durch Mikroben erzeugte 
Erkrankung, welche sich in den Fauces der Nase und dem 
Larynx lokalisirt, und von wo aus eine allgemeine Erkrankung 
hervorgerufen wird. Ich suchte daher nach einem Medikament, 
welches die Mikroben in ihrer Vermehrung hinderen und schliess- 
lich vernichte, ohne auf die Gesundheit nachtheilig zu wirken. 
Ausserdem musste das Medikament, ohne die Kranken viel zu 
bdiästigen, auf die Infektions-Stelle gebracht werden und dort 
längere Zeit einwirken. 

Jeder praktische Arzt, welcher Pinselungen, Ausspülungen 
oder Einspritzungen nicht nur verordnet, sondern diese Proze- 
duren selbst unternimmt, wird die Ausführung derselben bei 
wenigstens 80 Perzent der erkrankten Kinder als Chimäre be- 
trachten. Nur bei älteren oder ausserordentlich ruhigen Kindern 
kann man eine Auspinselung oder Ausspülung im vollen Sinne 
des Wortes erreichen. 

Ueberlässt man die Auspinselung den Eltern, oder gar 
den Wärterinnen, so geschieht entweder gar nichts, oder die 



.: by t r 



Original ftom 
UNIVERSITYOF MICHIGAN 



851 



Internationale Klinische Rundschau 1892. 



852 



Kinder werden am (iaumen, der Zunge, den Wangen, dem 
Zahnfleisch oder den Lippen verletzt und statt, dass wir früher 
nur zwei InfektionssteUen (die Mandeln) hatten, haben wir es 
dann mit mehreren Infektionsherden zu thun, von wo aus die 
Resorption schneller vor sich geht und das letale Ende rascher 
herbeigeführt wird. Wie schonend man mit an Diphtheritis er- 
krankten Kinder umgehen muss um die drohende Herzparalyse 
nicht zu beschleunigen, ist jedem erfahrenen Arzte zur Genüge 
bekannt. — Um den oben erwähnten Uebelständen abzuhelfen, 
wählte ich ein Medikament in Pufverform, welches leicht bei- 
zubringen ist und längere Zeit auf die inficirte Stelle wirkt. 
Ich nahm die Schwefelblumen, flor. sulf., die auch andere 
Mikroben zerstören und nicht nur unschädlich sind, sondern 
auch wohlthätig purgirend wirken. Ich Hess aus hartem Papier 
ein dünnes langes Rohr bereiten oder ein Schilfrohr nehmen, 
dessen ein Ende mit flor. sulf. gefüllt und auf die mittelst eines 
Löffelstieles niedergedrückte Zunge gelegt wurde, während durch 
das andere Ende eingeblasen wurde. 

Auf diese Weise gelangt meistens das Pulver auf die In- 
fektionsstelle und gelingt dieses nicht, so mischt sich das auf 
der Zunge liegende Pulver mit Speichel zu einer Pasta, die 
durch die Schlingbewegungen auf die kranke Stelle gebracht 
wird. Ich erreichte dadurch, dass das Medikament auf den Ort 
der Krankheit längere Zeit wirkte und die Mundhöhle nach 
allen Seiten desinficirte, ausserdem ist die Behandlung so ein- 
fach, dass sie Jedermann mit Leichtigkeit ausführen kann, ohne 
dabei den Patienten zu belästigen. Wenn die Nasenhöhle mit 
ergriffen wurde, so liess ich auch in diese einblasen. Das Rohr 
Hess ich ziemlich lang machen, damit die Einblasenden die 
expirirte Luft des Kranken nicht einathmen. Neben diesem 
Hauptmittel verordnete ich noch Roborantien und Kali Chloric. 
innerlich, damit etwa verschluckte Membranfetzen im Magen 
desinficirt wurden. Die Resultate nach dieser Behandlungs- 
Methode gestalteten sich bedeutend besser als früher, Hessen 
aber noch Vieles zu wünschen übrig. 

Ich liess nun den Schwefel mit Acid. carbol. verbinden 
(flor. sulf. 150 Acid. carbol. cryst. 05) und mit diesem ein- 
blasen. Die Erfolge waren um Vieles günstiger, allein nicht in 
allen Fällen wurde das Carbol vertragen, und bei manchen 
Kranken stellten sich Symptome von Carbol-Vergiftung ein, so 
dass ich das Carbol wieder weglassen musste. — Wie gesagt, 
meine Resultate waren den anderen Behandlungs-Methoden 
weit überlegen und für Patient und Pfleger angenehmer, allein 
doch nicht ganz zufrieden stellend. 

Ich suchte daher nach anderen Medikamenten und ist es 
mir in der That in neuerer Zeit gelungen, ein auf den 
Bacillus zerstörend wirkendes Argens zu finden, welches ausser- 
dem für den Körper absolut unschädlich ist. 

Die von Herrn H. Trommsdorff in Erfurt erzeugten 
Sozojodol- Präparate haben mir in den letzten drei Jahren 
bei der Behandlung äusserer und innerer Erkrankungen grosse 
Dienste erwiesen und mich überzeugt, dass namentlich das 
Sozojodol natr. selbst in grossen Dosen (3 pro die) genommen, 
absolut unschädlich ist. (Vide «Revue medico-pharmaceutique 
Nr. 7, 1889» sur l'action thörapeutique du sozojodol et de 
ses sels par Dr. S. Schwarz.) Ich kam daher auf die Idee, 
dieses unschädliche Antisepticum auf den LöFFLER'schen 
Bacillus einwirken zu lassen und konnte bald mit Freude die 
zerstörende Eigenschalt dieses Medikamentes auf den Bacillus 
konstatiren. 

Ich lie^s es Anfang-* stets mit Flor. sulf. mischen (Sozo- 
jodol nair. 3 Flor. sulf. 120) und vierstündlich einblasen, 
Schon nach der zweiten Einblasung sinkt die Temperatur merk- 
lich, der grau schmutzige Belag wird heller, und das Allgemein- 
befinden ein besseres. Nach 24 Stunden ist die Temperatur 
gewöhnlich zwischen 365° und 37'5°, selbst in den un- 
günstigsten Fällen steigt sie nie über 38°. Es scheint hiemit 
tiass das Sozojodol natr. durch seine leichte Löslichkeit nicht 
nur in die enjrsten Lakunen der Mandeln eindringt, und dort den 
lUcillus zerstört, sondern auch leicht in die Blutbahn aufge- 



nommen wird und auf die Fieber erzeugende resorbirte Strepto- 
kokken grossen schädigenden Einfluss übt. 

In. den letzten sechs Monaten haben wir hier eine kleine 
Djphtheritisepidemie durchgemacht, welche sich auf einen 
Bezirk der Stadt beschränkte. Der Infektionsherd war die in 
diesem Bezirke gelegene Missionsschule, die auch das grösste 
Kontingent der Erkrankten lieferte. Ich ging die Behörde um 
Schliessung und Desinficirung dieser Schule an, zcg mir da- 
durch aber den Zorn der Direktorin, Mrs Tomery zu, welche 
anscheinend in ihrer christlichen Liebe so weit ging, dass 
sie nur Engel in den Himmel befördern wollte. 

Dank meiner Stellung als Gemeindearzt bekam ich die 
meisten Patienten zur Behandlung Bis heute (es kommen noch 
sporadische Fälle vor) hatte ich Gelegenheit 70 Kranke zu be- 
obachten, von denen ich, da eine häusliche Behandlung unmög- 
lich war. 24 in Hospitäler schickte, wo sehr wenige genasen. 
46 behandelte ich selbst. Von diesen wurden 23 in kurzer 
Zeit vollkommen hergestellt; bei 18 verblieb einige Wochen 
hindurch eine Lähmung des Rachens und des weichen (iaumens. 
so dass flüssige Nahrung durch die Nase zurückfloss und die 
Kinder näselnd sprachen 5 starben. Was das Alter der Kinder 
betrifft, so waren 34 zwischen dem eisten und vierten und 12 
bis zum achten Lebensjatir. 

Bei 22 beschränkte sich die Diphtherie auf die Mandeln 
bei 10 waren auch der Rachen und die Nasenhöhle und bei 
14 auch der Kehlkopf ergriffen, Unter den 5 Gestorbenen waren 
2, welche ich am 4., resp. 6.T age der Erkrankung übernommen 
hatte und die vorher schon mehrmals cauterisirt wurden, eines 
verweigerte jede Nahrungs-Annahme und ging aus Erschöpfung 
zu Grunde. Wie man aus dieser kurzen Zusammenstellung er- 
sieht, ist der Erfolg meiner Behandlungsweise ein äusserst 
gimster und erlaube ich mir daher die Art und Weise der- 
selben näher zu besprechen: 

Sehr selten kommt der Arzt dazu, den Patienten schon 
am ersten Tage der Erkrankung zu beobachten; gewöhnlich 
werden die Mütter erst selbst am 2. oder 3 Tage der Erkrankung 
durch die erhöhte Temperatur oder die Schwellung der Lymphe 
drüsen aufmerksam gemacht und suchen dann ärztliche 
Hilfe auf. In Familien, wo Diphtheritis bereits vorgekommen ist, 
oder wo vorsichtige Mütter zur Zeit der Epidemie die Kinder 
täglich untersuchen, kommt man schon gleich am Anfange zur 
Behandlung und diese Fälle werden Alle in kürzester Frist geheilt 

Oft bemerkte ich bei Kindern, welche ich am ersten Tage 
der Erkrankung in Behandlung bekam, schmutzig-graue Flecke 
auf den Mandeln, die ich zwnr nicht mit Bestimmtheit als Diph- 
theritis diagnosticirte, von denen ich aber annehmen musste, 
dass es zu solcher kommen würde, da in derselben Familie 
kurz vorher ein Kind der Diphtherie erlegen war. Bei Keinem 
von diesen kam die Krankheit unter meiner energischen Be- 
handlung zum Ausbruche. Die Aussage Löfflers, dass nur durch 
Anlage von Kulturen die Pseudodiphtheritis von der echten 
unterschieden werden kann, ferner die Beobachtungen von 
Löffler und Strübing, dass zu Pseudodiphtherie in einigen 
Tagen echte hinzutreten kann, bestimmen mich, jeden weissen 
oder gelben Flecken im Rachen der Kinder als Diphtheritis zu 
behandeln und in loco den Bacillus abzutödten. Vor der Unter- 
suchung lasse ich die Kinder mehrmals hintereinander Wasser 
schlucken, um den im Rachen und auf den Mandeln etwa vor- 
handenen Schleim zu entfernen, denn sehr oft kann eine Schleim- 
anhäufung mit Plaques verwechselt werden. Finden sich ver- 
dächtige Stellen, so verordne ich bei Kinder bis zu 3 Jahren 
Sozojod. natr. 3'0, Flor. sulf. 120, bei Kindern bis 5 Jahren 
eine 50% Mischung und bei älteren Kindern reines Sozojod. 
nat. und lasse dieses Pulver, bei wohlhabenden Leuten 
mit einem Pulverzerstäuber und bei ärmeren Familien durch 
ein Papier- oder Schilfrohr 4stündlich in die Mund- und Nasenhöhle 
einblasen. Selbst wenn noch keine Symptome des MitergrifiFen- 
seins der Nase und des Rachens vorhanden sind, lasse ich 
doch in diese das Pulver einblasen um dieser unangenehmen Kom- 
bination vorzubeugen Ausserdem lasse ich den Kindern stündlich 
eine Lösung von Kali chloric. (10 — 1*5 auf 200 0) esslölfel weise 



<lc 



ünginal ftom 
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Internationale Klinische Rundschau 1892. 



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reichen. Mein Hauptaugenmerk richte ich auf die Herzthätigkcit 
wesshalb ich auch öfters Reizmittel geben lasse, gewöhnlich in 
Decoct cort. chinae mit Cognac oder Malaga. Die Diät be- 
schränke ich auf flüssige Nahrung wie Milch und Buillon mit 
Eidotter, lasse sie aber sehr oft reichen, um die Kräfte zu er- 
halten. Gegen die Drüsenanschwellung lasse ich Ung. cineri ein- 
reiben. Die Einblasungen lasse ich noch einige Tage nach abge- 
laufenem Prozesse mehrmals täglich fortsetzen und beobachtete 
bis heute keine Recidive. Die schlimme Form mit retentio urinae 
combinirt — ich halte nur 2 Fälle — bekämpfe ich mit grösseren 
Dosen von Calomel. — Meine bis heute bei Rachenerkrankungen 
im allgemeinen und speziell bei Diphtheritis mit den Sozojodol- 
Salzen erzielten Erfolge veranlassen mich, diese vorzügliche Anti- 
septica allen Herron Collegen zu weiteren Versuchen auf das 
Wärmste zu empfehlen. Von besonderem Interesse wäre es, 
wenn die Herren Bacleriologen die Wirkung der Sozojodol- 
Präparate auf den LöFFLER'schen Bacillus in Reinkultur studiren 
möchten. Das diese Präparate auf die Vermehrung des Bacillus 
äusserst nachtheilig wirken, scheint mir ausser Zweifel zu sein, 
allein ob die Vermischung des Sozojodols mit Speichel günstiger 
oder minder günstig wirkt, werden die Herren Bacteriologen 
zu entscheiden haben. 



Ueber Hypnose und Suggestion. 

Von Dr. 8. Freud, Dozent an der Wiener Universität. 

<Scli1uss*.) 

Der Vortragende wendet sich nun zur Besprechung dreier 
Fragen: 1. Welche Erfolge man bei der Anwendung der 
Hypnose thatsächlich beobachtet; 2. welches die Indikationen, 
und 3. welches die Gefabren und Einwände gegen den Gebrauch 
der Hypnose sind. 

1. Die Erfolge, die man von der Anwendung der Hypnose 
an der Klinik von Bernhbim und im Ambulatorium von 
LifeßAüLT sehe, seien ganz ausserordentlich, wie der Vortragende 
durch Beispiele belegt. Auch die Anzahl der Personen, die 
Bernheim somnambul mache, sei eine unerwartet grosse. 
Bernheim hypnotisire z. B. 10 von 12 Kranken eines Kranken- 
zimmers, während er durchgehe und zwar nicht nur alte 
Patienten, sondern auch solche, die erst vor ein oder zwei 
Tagen aulgenommen worden seien. Versuche man etwas Aehn- 
lichos in seiner Privalpraxis nachzumachen, so werde man 
sich mit einer weit bescheideneren Anzahl von Hypnosen zu- 
frieden geben müssen. Bernheim selbst, der ein absolut wahr- 
heitsliebender Forscher sei, berichte, dass er in seiner Stadt- 
praxis nicht dieselben Erfolge habe, wie bei seinen Spitals- 
patienten. Es komme offenbar Manches zusammen, um die 
Erfolge an der Klinik zu erklären: Die ungewöhnliche Sicher- 
heit Bernheim's, der persönliche Einfluss, den der leitende Arzt 
einer Krankenabtheilung jedesmal ausübe, die Natur des 
Krankenmaterials auf einer Klinik und die psychische Infektion, 
die sich dort geltend mache. Mit einem Worte, was man bei 
Berkheim sieht, ist nicht so sehr die Wirkung der Hypnose 
als die Wirkung der Suggestion schlechtweg, ähnlich wie sie 
in Lourdes, beim Pfarrer Kneipp, bei einzelnen berühmten 
Aerzten zu Stande kommt. In einer Privatordination, wo unter- 
richtete und voreingenommene Kranken, die den Arzt honoriren, 
einzeln zur Behandlung kommen, fallen alle diese suggerirenden 
Momente weg. Nun hänge der Erfolg, wenn auch nicht jedes 
Mal, so doch durchschnittlich von der Tiefe der Hypnose ab. 
Man konnte es sich zur Regel machen, in der Privalpraxis 
die hypnotische Behandlung nur dann anzuwenden, wenn es 
gelungen ist, eine tiefe Hypnose herzustellen. Allein dann 
würde man die Anwendung dieser Therapie allzusehr ein- 
schränken und wird davon auch durch einzelne Erfahrungen 
abgehalten, in denen trotz schlechter Hypnose voller Erfolg 
erreicht wird. 



Siehe «Internationale Klinische Rundschau» Nr. 20, 1892. 



Man bescheidet sich also, die suggestive Therapie auch 
bei unvollkommener oder mangelnder Hypnose zu versuchen, 
dies Bemühen die Suggestion hervorzurufen, wo sie sich nicht 
von selbst einstellt, ist aber eine schwere und anstrengende 
Arbeit für den Arzt, eine Art von Thierbändigerthum, das 
man bei sonstiger Beschäftigung auf die Dauer nicht verträgt. 
Gewiss gibt es Personen, die eine grosse Geschicklichkeit darin 
besitzen, aber die Schwierigkeiten dieser psychologischen Technik 
treten so in den Vordergrund, dass man die Berechtigung 
begreift, hier eine Spezialisirung nach der Technik — wie 
sonst nach den Organen — eintreten zu lassen und diese 
Art der suggestiven Therapie gerne Personen überlassen möchte, 
die keine andere ärztliche Funktion verrichten. Mit dem Weg- 
fall der Amnesie, die der tiefen Hypnose zugehört, entfällt auch 
für den Arzt die volle Freiheit in der Ertheilung der Suggestion, 
die richtige Kühnheit im Abläugnen der Krankheitserscheinungen. 
Es wird ihn wider Willen und Absicht zur Zurückhaltung 
nöthigen, wenn er weiss, dass der Kranke den vollen Wider- 
spruch zwischen der Wirklichkeit von der in der Suggestion 
enthaltenen Behauptung empfindet und ihm denselben ein 
nächstes Mal vorhalten wird. Somit wird er immer weniger 
zuversichtlich, der Erfolg immer geringer, die Neigung, diese 
Behandlung fortzusetzen, wird auf beiden Seiten schwächer 
und die suggestive Therapie muss bald des Momentes der 
Sumraation durch Wiederholung entbehren, auf das keine andere 
Methode verzichtet. 

Der Vortragende kann sich also nicht als «begeisterter 
Anhänger» der Suggestionstherapie bekennen, wenn sie unter 
solchen Verhältnissen ohne suggestiv wirkendes Milieu und 
unter Verzicht auf tiefe Hypnose ausgeübt wird. Er halte diese 
Frage überhaupt für eine solche, die man mit objektiver 
Gelassenheit beurtheilen könne. Die Menschen sind im Allge- 
meinen allzu gierig nach einem Stoff, für den sie sich begeistern, 
d. h. vor dem sie sich wie suggerirt benehmen und ihrer Logik ein 
Halt gebieten können. Die wissenschaftliche Wahrheit sei gewiss 
ein solches der Begeisterung würdiges Thema, und LifeBAULT. 
für den die Erforschung der Suggestion ein Stück dieser 
Wahrheit war, hatte eine Recht gehabt, sich dafür zu begeistern. 
Die späteren, denen die Lehre fertig entgegengebracht worden 
ist, seien nicht mehr in diesem Falle, sie hatten nur vor- 
urteilslos zu prüfen, und es sei eines wissenschaftlichen 
Mannes gleich unwürdig sich als ein «begeisterter Anhänger», 
wie als erbitterter Gegner der suggestiven Therapie zu geberden. 

Anders läge die Sache, meint der Vortragende, wenn 
es durch irgend ein Gebahren gelänge, die tiefe Hypnose mit 
Amnesie bei allen oder den meisten Kranken hervorzurufen, 
dies ergäbe eine Erweiterung unserer Therapie, wie sie nicht 
bedeutsamer ersonnen werden kann. 

Wiederholt betont der Vortragende, dass das wichtigste 
Problem in der Lehre vom Hypnotismus darin bestehe, zu ent- 
scheiden, ob der Zustand der Hypnose ein durch besondere soma- 
tische und psychische Zeichen charakterisirter Zustand sei oder 
nur ein Kunstprodukt der ärztlichen Technik, wie Delboeuf be- 
hauptet. An die Entscheidung dieser Frage knüpfen sich auch 
alle Erwartungen, die man tür die Zukunft des Hypnotismus 
hegen kann. Dass die Hypnose durch Suggestion erzeugt werden 
könne, entscheide die Frage durchaus nicht. Seine Meinung 
ginge dahin, an der Echtheit der Hypnose festzuhalten, er 
würde seine Argumente dafür der Beobachtung des hypnotischen 
Zustandes bei Hysterischen entnehmen, sich also in diesem 
wichtigen Punkte den Anschauungen der CHARCOT'schen Schule 
nähern. Er könne aber auf das bedeutsame Problem hier nicht 
weiters entgehen. 

Er wendet sich zu den Indikationen für die Anwendung 
der hypnotischen Therapie Es sei damit hier anders bestellt 
als bei sonstigen therapeutischen Indikationen. Sonst würden 
die Indikationen nur durch die Krankheitszustände bestimmt, 
bei der hypnotischen Therapie komme in hervorragendem Masse 
das Moment der. Individualität des Kranken in Betracht. Es 
ist darum schwer etwas Allgemeines auszusagen. Bei dem 
einen Kranken gelingt es, Krankheilssymptome zu unterdrücken. 






Original ftom 
UNIVERSITYOF MICHIGAN 



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Internationale Klinische Rundschan 1892. 



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die nur durch nachweisbare anatomische Veränderungen 
gerechtfertigt scheinen, bei dem anderen leistet ein subjektives 
Symptom entschieden psychischer Herkunft Widerstand. Als 
Beispiele für das Erslere führt er einen Mann von der Bern- 
HEiM'schen Klinik an, der an MEM&RE'schem Schwindel in Folge 
von Labyrintherkrankung litt, bereits unfähig war sich aufrecht 
zu halten und nach jeder hypnotischen Suggestion 4—5 Tage 
nahezu normal ging. Nach dieser Zeit Hess die Wirkung nach 
und musste durch eine neue Suggestion aufgefrischt werden. 
Im Allgemeinen Hessen sich drei Kategorien aufstellen, in denen 
sich eine Indikation für die hypnotische Therapie ergäbe: 
1. Fälle von rein funktionellen Beschwerden meist nervöser 
Natur; 2. Fälle von organischen Erkrankungen, in denen die 
Beschwerden durch ein nervöses Mittelglied hervorgerufen 
werden. Hier erwähnte der Vortragende als Beispiel das 
Phänomen der «Schmerzhemmung», wie man es beim akuten 
Gelenksrheumatismus beobachte Bernhbim habe wiederholt 
gezeigt, dass man einen Kranken mit akuter Gelenksachwellung 
durch Hypnose veranlassen könne, das erkrankte, sonst ruhig 
gehaltene Glied, durch mehrere Stunden, wie ein gesundes zu 
bewegen ; 3. Fälle von organischen Läsionen, in denen die Be- 
schwerden direkte Folge der Läsion sind Man müsse zur Er- 
klärung dieser sonst räthselhaften Erfolge annehmen, dass hier 
die funktionelle Störung über den Bereich der anatomischen 
Läsion hinausgehe, dass durch die Suggestion andere Organe 
zur kompensatorischen Leistung herangezogen würden u. dgl. 

Gewisse Gruppen von Kranken, so die Neuraslheniker, 
überhaupt Personen mit depressiven Bewußtseinsstörungen seien 
zur Hypnose recht untauglich. Diess sei umso bedauerlicher, 
als man gerade bei diesen Kranken die meisten Zustände an- 
träfe, die für hypnotische Behandlung ihrer Natur nach sich 
eignen würden. Doch dürfe man dies nicht als allgemeine Regel 
auffassen, jede Sammlung von hypnotischen Heilerfolgen, wie 
die von Bernheim selbst Wbtterstrand u. A. enthalte einzelne 
Beispiele von Heilungen schwerer psychischer Neurasthenie. Das 
Verhalten der Hysterischen zur hypnotischen Therapie sei ein 
besonderes Kapitel, das er heute von der Diskussion ausschliesse. 
Er nähere sich auch darin der CHARCOT'schen Lehre, dass er 
besondere Beziehungen zwischen Hysterie und Hypnotismus 
anerkenne. Die besten Erfolge verspreche die hypnotische Be- 
handlung bei Gesunden, die dieser Behandlung allerdings nicht 
bedürften. 

In Betreff der Einwände gegen die hypnotische Therapie 
meinte der Vortragende, sie seien so ziemlich alle richtig aber 
dabei ungerecht, da sie jede andere Therapie in gleichem 
Masse treffen. Der Einwand, dass die Prozedur eine psychische 
Schädigung des Patienten mit sich bringe, käme von jenen 
Aerzten, die diese Behandlung nicht geübt haben t während die- 
jenigen, welche viel hypnotisiren, von solchen Gefahren nichts 
zu berichten wissen. Allerdings komme bei jeder Therapie also 
auch bei der hypnotischen, in Betracht, wo und wann man sie 
anwende Man habe mit einer gewiss unentbehrlichen Therapie, 
mit der lokalen Behandlung der Frauenkrankheiten, Schaden 
genug angerichtet, wenn man sie zu viel, an ungeeigneten Per- 
sonen, unter gewissen persönlichen Bedingungen, angewendet 
habe. Aehnliches sei auch bei der Hypnose zu beobachten, 
ohne dass darum ein Vorwurf gegen die Hypnose zu erheben 
sei. Der Einwand, dass die hypnotisch-suggestive Therapie eine 
bloss symptomatische Behandlung sei, sei wieder ganz richtig, 
aber das gelte für die grösste Anzahl unserer Heilmethoden ; wir 
besitzen nur sehr wenige kausale Therapien, fänden uns im 
Allgemeinen von symptomatischen Methoden sehr befriedigt und 
der Kranke verlange nichts Anderes von uns. Uebrigens habe 
Bernhbim in einer glänzenden Partie seines neuen Buches über 
Psychotherapie ausgeführt, dass in Folge der Wechselwirkung 
der Symptome auf einander die symptomatische Behandlung 
oft genug direkt zur Heilung beitrage. Bei der Hysterie gäbe 
es übrigens einen Fall, in dem die Hypnose eine wirkliche 
Causalbehandlung ermöglicht, er wolle hier nicht weiter davon 
sprechen. 



Ein weiterer Vorwurf laute, dass die suggestive Therapie 
nur vorübergehende Erfolge erziele, dass nach längerer oder 
kürzerer Zeit sich ein Rückfall einzustellen pflege. Das sei 
falsch, wenn damit gemeint sei, dass sich bei hypnotischer 
Therapie Rückfälle leichter einstellen, als bei anderer Behand- 
lung. Der Anschein davon könne auf folgende Art entstehen. 
Bei einer andersartigen, z. B. elektrischen Behandlung sei man 
von vorneherein auf die Summation der heilenden Einflüsse 
vorbereitet. Mau wundert sich nicht, wenn die Neuralgie nicht 
nach der ersten Sitzung verschwunden ist und eiektrisirt weiter, 
bis man eine erfahrungsgemäss hinreichende Reihe von 
Sitzungen ausgeführt hat. Bei der hypnotischen Behandlung 
derselben Neuralgie kann es geschehen, dass die Neuralgie so- 
fort auf die Suggestion verschwindet. Kommt sie dann am 
nächsten Tag wieder, so darf man diess keinen Rückfall heissen, 
sondern muss auch hier eine genügende Reihe von Suggestionen 
zu einer Behandlung zusammenfassen. Von diesem Missver- 
ständniss abgesehen, sind Rückfälle bei hypnotischer Therapie 
nicht häufiger, als bei anderer. Wo sie vorkommen, ergeben 
sie sich aus der Natur des behandelten Falles. Es kommt dar- 
auf an, ob man es mit einem floriden neurotischen Prozess 
zu thun hat, in dem dies veranlassende Moment noch pro- 
duktionsfähig ist, oder um Fälle, in denen der Prozess abge- 
laufen ist und nur Resterscheinungen bestehen. Im ersteren 
Falle wird man Rückfälle bei jeder beliebigen Therapie be- 
kommen, im anderen durch hypnotische Behandlung die Rest- 
erscheinung endgiltig beseitigen. Der Vortragende führt Beispiele 
aus seiner eigenen ärztlichen Erfahrung hiefür an. 

Der Vortragende schliesst mit der Aufforderung, die Bbrn- 
HEiM'sche Klinik in Nancy zu besuchen; er erwarte nicht, 
dass Alle dann zu Hypnotiseuren würden, das sei auch nicht 
wünschenswert^ aber sie würden sich die zahlreichen wich- 
tigen Lehren, die aus dem Studium der Suggestion fliessen, 
nicht entgehen lassen und von da an vielleicht Kollegen, welche 
die hypnotische Behandlung üben, nicht mehr mit Missachtung 
verfolgen. 



lieber Otitis media acuta migrans. 

Von Dr. Blgtimnnd Sxenei, Ohrenarzt in Budapest*) 

Bei genauer Beobachtung des Verlaufs von Krankheitsfällen 
finden sich immer solche, die man trotz der konventionellen 
Klassificirungen nicht immer ganz gut einreihen kann, und daher 
kommt es, dass man sich manches Mal für nur ganz wenige Fälle 
neue Unterarten bilden muss, um eben das Charakteristische 
derselben hervorheben zu können. Will man von letzterem abstehen, 
kann man wohl eine solch' neue Benennung umgehen, doch fällt 
dann eben dasjenige weg, durch welches sich das betreffende Bild 
von dem alltäglichen klinischen Verlaufe unterscheidet. 

Ueber solche drei Fälle akuler Otitis media handelt 
es sich nun, deren Verlauf ein ganz anderer war, als wir ihn 
gewöhnlich zu beobachten pflegen. 

Im ersten Falle handelte es sich um eine linksseitige sup- 
purative Paukenhöhlenentzündung und drei Tage nach der 
vollkommenen Restitutio ad integrum trat eine 
rechtsseitige Paukenhöhlenentzündung auf, wo es 
jedoch durch energisches Hinzuthun (örtliche Blutentziehung und 
kalte Ueberschläge) zu keiner Suppuration kam. Im zweiten Falle 
war die Paukenhöhlenentzündung zuerst rechterseits aufgetreten, 
führte zu keiner Suppuration und drei Tage nach voll- 
kommener Genesung des rechten Ohres, trat der- 
selbe Prozess auf dem linken Ohre auf, wo es jedoch 
ebenfalls zu keiner Paukenhöhleneiterung gekommen war. Im dritten 
Falle endlich handelte es sich beiderseits um eine akute sup- 
purative Paukenhöhlenentzündung, welche zuerst am rechten Ohre 
aufgetreten war und abermals drei Tage nach der voll- 



*) Vorgetragen in der otiatrischen Sektion der 64. Versammlung 
der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte in Halle a. S. am 
24. September 1891. (Autoreferat.) 



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Original from 
UNIVERSITY 0F MICHIGAN 



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Internationale Kiniache Rundschau 1892. 



858 



ständigen Heilung entwickelte sich derselbe Prc- 
zess am linken Ohre. 

Mithin stimmen alle drei Fälle darin überein, dass die Ent- 
zündung der Paukenhöhle zuerst das eine Ohr 
befiel und nachdem hier der ganze Prozess abge- 
laufen war, stellte sich derselbe, nach Verlauf 
weniger Tage, welche Vortragender als Prodromaldauer 
der zweiten Erkrankung ansehen möchte, auch im anderen 
Ohre ein. 

Trotz der vielen einerseits pathologisch- anatomischen anderer- 
seits bakteriologischen Untersuchungen liess sich noch keine Er- 
klärung für die statistisch bewiesene Thatsache finden, warum so- 
wohl akute als auch chronische Paukenhöhlen- 
entzündungen vorwiegend einerseits gefunden werden, 
wenn auch beide Ohren oft ein und derselben Noxe ausgesetzt 
waren. So viel lehrte jedoch die Erfahrung, dass beiderseitige 
Prozesse in den meisten Fällen zu gleicher Zeit, oder aber nur 
nach kurzer Zwischenzeit (einige Stunden, höchstens 1 — 2 Tage) 
aufzutreten pflegen. Die Ursache, weshalb in den erwähnten Fällen 
das eine Ohr an demselben Prozesse erst nach vollkommener 
Genesung des anderen Ohres erkrankte, kann Vortragender derzeit 
nicht erklären und muss er sich diesmal blos auf die Erwähnung der 
objektiven Thatsache beschränken. Seinerzeit hat Vortragender l ) 
bei Skizzirnng des ersten Falles den ganzen Krankheitsprozess, 
per analogiam seltener Pneumonieformen, als Otitis media acuta 
migrans hingestellt, denn ebenso, wie bei den sogenannten 
wandernden Pneumonien die Entzündung einen Lungenbezirk er- 
greift und nach kürzerem oder längerem Bestände und Ablauf der- 
selben einen zweiten, manchmal recht weit entlegenen Lungen- 
abschnitt befällt, finden wir's auch hier, dass derselbe Prozess 
nach vollkommenem Verlaufe auf das andere Ohr hinüberwanderte. 

Allerdings werden nur weitere Beobachtungen die Frage der 
Otitis media migrans zu lösen im Stande sein und müssen in 
erster Reihe die bakteriologischen Untersuchungen zu Hilfe gezogen 
werden, denn nur dann kann von einer Otitis media migrans im 
strengeren Sinne des Wortes die Rede sein, wenn in der zweil- 
erkrankten Paukenhöhle dieselben Krankheitserreger nachgewiesen 
werden. 

Verhandlungen wissenschaftlicher Vereine. 



K. k. Gesellschaft der Aerzte in Wien. 

(Originalbericht der «Internationalen Klinischen Rundschau» 1 

Sitzung vom 6. Mai 1892. 

Hofr. Prof, Albert: Demonstration eines b alles von 

Echinococcus. 

Prof. Albbrt demonstrirt einen Patienten, welcher Ende des 
v. J. eine kolossale Zunahme seines Unterleibes bemerkte, welcher 
im April d. J. bis zu einem Umfange von 98 cm um den Nabel 
anwuchs. Es handelte sich um einen cystischen Tumor, welcher 
den ganzen Bauchraum occupirte und nur links eine kleine Zone 
tympani tischen Schalles frei lies. Bei der nun vorgenommenen 
Operation fand sich ein ins Cavum peritonei hineinragender Sack, 
der 18 Liter einer bernsteingelben Flüssigkeit enthielt. Nach Ent- 
leerung der Flüssigkeit wurde der kollabirte Sack abgekappt und 
der Res( im oberen Wundwinkel befestigt. Ferner fanden sich im 
ganzen Peritoneum zerstreut eine ungeheure Zahl von kleinen 
Echinococcusblasen. Die an dem grossen Sacke befestigten zahl- 
reichen Cysten wurden von demselben aus eröffnet. Heilung. 

Albbrt berichtet noch über einen zweiten interessanten Fall, 
welcher mit einem Tumor zwischen Blase und Rectum zur Auf- 
nahme kam. Der runde und derbe Tumor war auch oberhalb der 
Symphyse zu spüren. Es wurde nun zur Exstirpation des Tumors 
(Pennealschnitt nach Otto Zuckkrkandl) geschritten, da ange- 
nommen wurde, dass der Tumor von der Prostata ausgehe. In 
demselben Momente aber, wo man daran ging, die letzte Hülle über 
demselben zu spalten, verschwand der Tumor. In der Blase 
fanden sich nun Fetzen und Membranen und Hackenkränze. Es 



») Archiv f. Ohrenheiik. 26. Bd., pag 146. 



handelte sich also um einen Echinococcus, welcher im Momente 
der Operation platzte. Der Tumor stellte sich bald wieder ein. 
Bei der durch Hofr. Dittkl vorgenommenen Endoskopirung ver- 
schwand derselbe wieder. Die gesetzte Wunde heilte per primam, 
brach dann aber auf, wobei sich der Echinococcus wieder einstellte. 

Hofr. Prof. Billroth erinnert daran, dass er bereits früher 
schon über das Eingiessen von Jodoformemulsion in grosse Säcke 
berichtet habe, welches Verfahren allerdings nicht in allen Fällen 
genützt habe. In 4 Fällen habe aber Billroth diese Methode an- 
gewendet und ausgezeichnete Erfolge erzielt. Es werde dadurch die 
Heilungsdauer wesentlich abgekürzt. Das Zunähen des Sackes sei 
zu empfehlen, da sonst an denselben eine Darmschlinge sich an- 
lothen und zu schweren Erscheinungen führen könnte. Bei sehr 
grossen Echinococcussäcken aber sei die Anwendung der Jodoform- 
emulsion wegen der möglichen Intoxikationserscheinungen nicht 
anzurathen. 

Billroth lenkt hierauf die Aufmerksamkeit auf die Sublimat- 
einspritzungen, welche die Laparotomie entbehrlich machen. Man 
macht dieselben in der Weise, dass man die Flüssigkeit ausfliessen 
läset und mittels einer feinen PRAVAZ'schen Spritze kleine Quanti- 
täten von Sublimat injicirt, durch welche das Thier getödtet wird. 

Was die Infektion anlange, so sei es in dem Falle Albert's 
möglich, dass der Parasit geplatzt sei und dass sich die Flüssigkeit 
in die Bauchhöhle ergossen habe, dadurch werde die Menge der 
in der Bauchhöhle vorhandenen Echinococcusblasen erklärlich. So 
habe Billroth eine Dame mit Echinococcus operirt, welche nach 
l x / s Jahren wieder zurückkam, wobei sich in der gesetzten Narbe 
eine hühnereigrosse fluctuirende Geschwulst fand, welche sich bei 
der Operation als Echinococcus herausstellte. Es sei wahrscheinlich, 
dass bei der ersten Operation bei Eröffnung des Sackes einer der 
Köpfe an der Schnittfläche haften geblieben sei und so zur nach- 
träglichen Entwicklung des Echinococcus Veranlassung gegeben habe. 

Prof. Albbrt berichtet über die Behandlung eines grossen Ober 
schenkel-Echinococcus mit Injektionen, der aber letal geendigt habe 

Docent Dr* Herzfeld: Demonstration eines angeborenen 

Defektes der Brustwand. 

Vortragender stellt ein am 20. April d. J. geborenes Mädchen 
vor, welches bei der Respiration an der linken Thoraxfläche eine 
tiefe Grube aufweist, an derem tiefsten Punkte sich die Brustwarze 
befindet. Es handelt sich um einen Defekt der Rippen, welcher lateral 
wärts durch das knorpelige Ende der Rippen, medianwärts durch das 
Sternum begrenzt werde. Ein solcher Defekt könne dadurch zu 
Stande kommen, dass entweder die Verbindung des knorpeligen 
Endes der Rippen mit dem Sternum nicht zu Stande gekommen sei, 
oder dass sich der Rippenknorpel theilt, um am sternalen Ende 
sich wieder zu vereinigen. In diesem Falle handle es sich wahr- 
scheinlich um ein Abreisen des knorpeligen Endes vom Sternum. 
Das Kind nimmt Nahrung zu sich und hat seit der Geburt um 
200 gr zugenommen. 

* ♦ 

Ahm latent />r. Müller: Demonstration eines Falles von 

lrist uberkulose. 

Vortragender demonstrirt einen Fall von Iristuberkulose am 
rechten Auge bei einem sonst gesunden Individuum, bei welchem 
sich in der Iris intensiv gelbe Tuberkelknötchen befinden, welche 
von einem Gewebe umgeben sind, das in Folge der Vascularisation 
eine rothe Farbe angenommen hat. Das häufige rechtsseitige Auf- 
treten der Iristuberkulose sei mit dem Gebrauche der rechten Hand 
in Zusammenbang gebracht worden. Die Tuberkulose lokalisire sich 
ferner immer am unteren Theile der Iris, was für eine Infektion 
auf dem Wege des Lymphstromes spreche, wobei sich die Tuber- 
kelbacillen vermöge ihres Gewichtes in der Kammerflüssigkeit nach 
abwärts senken. 

Dr. Müller berichtet hierauf über einen Patienten, welcher 
vor zwei Jahren an Scleraltuberkulose litt, welche in Form einer 
Cyste in der Sklera auftrat. In der abgetragenen Cyste wurden 
Tuberkelbacillen nachgewiesen. Auf der Wundfiäche entwickelten 
sich Granulationen, welche ein charakteristisches Aussehen hatten. 



■ ■ 



Original from 
UNIVERSITY OF MICHIGAN 



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Internationale Klinische Kundschau 1892. 



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Die Stelle vernarbte und wurde etwas dunkler in Folge der Ver- 
dünnung der Sklera. Heute sei die vollkommene Heilung zu kon- 
statiren. 



Prof, Chiari: Ein Fall von Varix der Stimmbänder. 

Vortragender demonstrirt ein mikroskopisches Präparat mit eng 
aneinander liegenden dünnwandigen Gelassen, welche mit Blut ange- 
füllt sind. Das Präparat stamme aus einem Varix der Stimmbänder, 
der bei einer Leiche entdeckt worden sei und dem unteren freien 
Rande des Stimmbandes in Form eines 1 mm im Durchmesser 
fassenden Knötchens aufgesessen sei. Chiari habe einen zweiten 
Fall am Lebenden beobachtet und operirt. Es zeigte sich nämlich 
ein blaues hirsekorngrosses Knötchen am rechten Stimmbande, 
welches mit der Pincette gefasst wurde; an letzterer blieb nach 
der Operation ein feines Häutchen haften. Die Stelle wurde geätzt 
und heilte nach 4 Wochen ohne weitere Folgen. Ein ähnlicher 
Fall sei von Schrötter operirt worden, welcher aber das Knötchen 
nicht für einen Varix, sondern für eine gefässreiche Neubildung hielt. 

Hofr. Billroth hält das Präparat für einen Tumor caver- 
nosus mit schwachen Zwischenbalken, welche so rareficirt sind, 
dass die Räume miteinander kommuniciren. 

Prof. Chiari bemerkt, dass er kleine Gefässchen sah, die eine 
bedeutende Erweiterung und Schlängelung erfahren haben. Die 
Lumina hätten sich aneinander gelegt und die Wände seien sehr 
verdünnt und dies spreche gegen einen Tumor cavernosus. 

Hofr. Billroth ist nicht der Ansicht, dass die Verdünnung 
der Gefässwände gegen einen Tumor cavernosus spreche. Die Bil- 
dung der Varices sei noch nicht ganz klar; es werde angenommen, 
dass sich zuerst Lymphräume bilden, in welche dann das Blut 
hineindringt. Aber auch die Ansicht, dass sie durch ein Convolut 
von kleinen Gefässen entstehen, sei nicht ganz von der Hand zu 
weisen. 



Dr* M* Sternberg: Demonstration geheilter Fälle von 

Osteomalacie. 

Vortragender demonstrirt 3 Fälle von Osteomalacie, welche 
nach Darreichung von Phosphor zur Ausheilung kamen. Der erste 
Fall betrifft eine Patientin, welche während der 4. Schwangerschaft 
an heftigen Schmerzen in den Knochen erkrankte, die sich in der 
5. Schwangerschaft sehr steigerten und sich auf den Thorax, Wirbel- 
säule und die Oberschenkel ausbreiteten. Patientin musste ein Jahr 
im Bette zubringen. Nach Darreichung von Phosphor (Phosphor 
005 auf Oleum jec. Aselli 100, 1 Kaffeelöffel pro die) gingen 
dieselben zurück. Die Kranke ist gegenwärtig gravid und wegen 
der hochgradigen Becken Verengerung zur Sectio caesarea bestimmt. 

Der zweite Fall betrifft eine 27 jährige Patientin, welche bei 
ihrer 5. Schwangerschaft von heftigen Schmerzen am Thorax, Ober- 
schenkel, Schlüsselbeinen u. s. w. heimgesucht wurde und daher 
die ganze Zeit der Schwangerschaft im Bette zubringen musste. 
Die Geburt ging spontan vor sich ; die Schmerzen nahmen nach 
derselben zu, Patientin stürzte ein Mal und brach sich den rechten 
Oberschenkel. Erst nach Darreichung von Phosphor trat Besserung 
ein ; heute kann Patientin bereits herumgeben. Man sieht bei der 
Frau die Lendenwirbelsäule stark verkürzt, Hängebauch ; Verkrüm- 
mung und Verkürzung des rechten Oberschenkels. Becken ausser- 
ordentlich verengt, federt nicht mehr. 

Der dritte Fall betrifft eine 38jährige Frau, die bereits 9 Mal 
geboren hat. Die Schmerzen traten während der 8. Schwanger- 
schaft auf, um sich während der 9. Schwangerschaft bedeutend 
zu verstärken. Nach Darreichung von Phosphor besserte sich ihr 
Zustand und sie wurde nun entlassen. In ihrer Heimat wurde ihr 
statt des Phosphors nur Ol. jec. Aselli pur. verabreicht, worauf sich 
ihr Zustand wieder verschlimmerte. Auf die Abtheilung Rkdtkn- 
bacher wieder aufgenommen, besserte sich ihr Zustand wesentlich 
auf Phosphordarreichung. 

Vortragender berichtet hierauf über einen noch in Behandlung 
stehenden Fall von seniler Osteomalacie, der eine 69 Jahre alte 
'-Vau betrifft, bei welcher Muskeln und Knochen auf Druck schmerz- 
et waren. Die Schmerzen wurden immer stärker, verbreiteten sich 



auf Wirbelsäule und Rippen, welche deutlich nachgiebig wurden. 
Auf Phosphor besserte sich der Zustand wesentlich. 

Wenn man den Verlauf der Osteomalacie übersehe, so stelle 
es sich heraus, dass dieselbe in den meisten Fällen unaufbal- 
sam zum Exitus führt. Gewöhnlich treten während der Schwanger- 
schaft Schmerzen auf, um nach der Geburt nachzulassen. Tritt 
keine neue Konception auf, oder steht das Individuum an der 
Grenze des Klimakterium, dann kann die Krankheit ausheilen, die 
Knochen werden zwar wieder fest, bleiben aber deformirt. Bei 
neuerlicher Schwangerschaft tritt wiederum das frühere Krankheits- 
bild auf. Nach den in der Literatur gesammelten Berichten, sowie 
nach den hier demonstrirten Fällen zu urtheilen, sei der Phosphor 
als ein entschiedenes Heilmittel der Osteomalacie zu betrachten. 
Siegl habe darauf aufmerksam gemacht, dass auch dem Leberthran 
eine günstige Einwirkung auf die Osteomalazie zuzuschreiben sei, 
in der That komme ihm aber keine andere Bedeutung, als die eines 
Vehikels zu. 

Eine weitere Behandlungsweise der Osteomalacie sei die 
Kastration und es Hessen sich die Indikationen für die Kastration 
und Phosphorbehandlung gegen einander abgrenzen. Der erste 
demonstrirte Fall, wo nach Heilung der Osteomalacie wieder 
Gravidität aufgetreten, lehre, dass mit der Ausheilung der Knochen- 
erweichung die Laparotomie oft nicht erspart bleiben könne. Die 
Indikationen Hessen sich etwa so stellen: Bei frischen Fällen von 
Osteomalacie und hochgradiger Beckenverengerung wäre die Kastra- 
tion vorzunehmen. Ausgenommen bleiben jene Fälle, wo die Frau 
nicht mehr concipirt, oder wenn dieselbe hart am Klimakterium 
oder schon in demselben steht, oder wenn die Frau so herab- 
gekommen ist, dass die Laparotomie nicht mehr zu wagen wäre, 
oder wenn die Osteomalacie mit einer schweren Erkrankung kom- 
plicirt ist. In diesen Fällen, sowie bei seniler Osteomalacie wäre 
die Phosphorbehandlung einzuleiten. Besonders würde sich die 
Phosphorbehandlung bei der puerperalen Osteomalacie empfehlen, 
behufs Verhinderung der schweren Beckenverengerungen. 

In sehr vielen Fällen sei es oft sehr schwer, eine Diagnose 
zu stellen; in jenen Fällen, wo es bereits zu bedeutenden Knochen - 
Veränderungen zu Deformitäten des Thorax, Verkürzung der Lenden- 
wirbelsäule, Verkrümmung des Beckens u. s. w. gekommen ist, sei 
die Diagnose schon leichter. So könne man die nicht ausgebildete 
Osteomalacie mit Erkrankungen der Gelenke, der Knochen oder 
nervösen Krankheiten verwechseln. Besonders hat sie die Parese der 
Beine, die Steigerung der Sehnenreflexe, die Kreuzscbmerzen mit 
vielen nervösen Erkrankungen gemein, die Schwäche der Beine 
tritt sehr frühzeitig ein und dauert oft noch, wenn die Knochen 
fix geworden sind; wahrscheinlich handelt es sich um eine Mit- 
betheiligung der Muskeln an dem osteomalacischen Prozesse. Be- 
sonders wichtig sei es, auf die Kreuzschmerzen zu achten. Bei 
der Osteomalacie ist die Symphyse und das Zusammendrücken der 
Darmbeine empfindlich, und ebenso das Fehlen von vasomotorischen 
Störungen, die ungehinderte Mastdarm- und Blasenfunktion charak- 
teristisch. Man komme ferner oft in Versuchung, die Osteomalacie 
mit Hysterie zu verwechseln, bei welcher ebenfalls Kreuzbein und 
Symphyse typische Schmerzpunkte sind. Doch werden sich bei 
genauerer Betrachtung noch andere Kennzeichen der Hysterie finden , 
so andere typische Druckpunkte, Kontrakturen, Krämpfe, Bewegungs- 
störungen u. s. w. Noch schwieriger sei die Entscheidung, wenn 
eine Hysterische an Osteomalacie erkranke. 

Die Untersuchung des Harns auf Milchsäure und Albumose 
führen nicht zum Ziele, da das Fehlen derselben nicht gegen, das 
Vorhandensein, nicht für die Osteomalacie beweise. 

Ebenso können Affektioneu der Cauda equina, sowie meta- 
siatische Carcinome in den rückwärtigen Lymphdrüsen den Gedanken 
an Osteomalacie nahe legen; doch ist zu beachten, dass bei jenen 
die Reflexe herabgesetzt sind. 

Mit chronischem Gelenksrheumalismus dürfte die Osteomalacie 
kaum verwechselt werden, da jener selten isolirt vorkommt ; leichter 
dürfte dies schon bei der Arthritis deformans der Fall sein. 

Es Hesse sich noch an die Erschlaffung der Beckengelenke 
denken, doch fühlen sich bei dieser die Kranken besser, wenn durch 
Zusammendrücken des Beckens die Gelenke fixirt werden, während 
bei der Osteomalacie die Schmerzen grösser werden. 



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UNIVERSITY OF MICHIGAN - 



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Internationale Klinische -landschau 1892. 



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Bei Caries werden sich Abscesse ßnden, die bei Osteomalacie 
nicht vorkommen. Schwer kann auch die Entscheidung bei primären 
Sarkomen der ßeckenknochen oder metastatischen Carcinomen der 
Wirbelkörper werden. Fast unmöglich kann sie werden bei diffuser 
Carcinomatose der Knochen, welche ebenfalls zu vollständiger Er- 
weichung und zu solcher Difformilät der Knochen führt wie die 
Osteomalacie. 

Vortragender kommt nun zu dem Schlüsse, dass auf Grund 
der bisherigen Beobachtungen der Phosphor als ein definitives Heil- 
mittel der Osteomalacie zu betrachten sei. 

Prof. Kahler bemerkt, dass das multiple Myelom, von dem 
er selbst einen Fall zu beobachten Gelegenheit hatte — eine täuschende 
Aehntichkt-it mit der Osteomalacie habe, da sich auch bei dem- 
selben ein diffuses Befallen der Knochen geltend mache und der 
Verlauf ebenfalls ein sehr schleichender sei. Der Nachweis von 
AlbumosH im Harn sei für die Oesteomalacie nicht beweisend, wohl 
aber für das multiple Myelom. Wohl sei es richtig, dass die Osteo- 
malacie in ihren Anfangsstadien mit der Hysterie verwechselt 
werden könne, doch findet man bei Hysterischen nie so eine ge- 
naue Lokalisation wie bei der Osteomalacie. 

Dr. Sibgl macht darauf aufmerksam, dass er auf der Ab- 
theilung des Prof. Dräsche einen Fall von Osteomalacie gesehen 
habe, welcher auf die alleinige Darreichung von Leberthran ge- 
heilt sei; er glaube daher in Uebereinstimmung mit Trousseau, dass 
auch dem Leberthran eine heilende Wirkung auf die Osteomalacie 
zukomme. 

Dr. Sternrerg bemerkt hiezu, dass in manchen Sorten von 
Leberthran kleine Mengen von Phosphor nachgewiesen wurden; es 
sei daher nicht ausgeschlossen, dass auch bei d«m Falle von 
Dräsche in dem dargereichten Leberthran Phosphor vorhanden ge- 
wesen sei. Dr. Km, Mandl. 



Berliner medizinische Gesellschaft. 

Sitzung vom 4. Mai 1892. 

Fortsetzung der Diskussion zu dem Vortrage des Herrn 
Blusvhho: Ueber die Prostitutionsfrage*) 

Dr. Villaret bespricht die Abnahme der venerischen Krank- 
heiten nach der Armeestatistik. Wie alle anderen Krankheiten, mit 
einziger Ausnahme der Tuberkulose, steht auch die Häufigkeit der 
Syphilis in der Armee in Parallele mit der Frequenz in der übrigen 
Bevölkerung. In dem Zeilraum von 1878/79 bis 1888/89 ist, wenn 
man die ersten 5 Jahre mit den letzten 5 Jahren vergleicht, für 
Gonorrhoe und deren Folgekrankheiten eine Abnahme von 13% i 
für [Ileus molle und Bubo von 45% und für Lues von 33% 
festgestellt. Diese auffallige Verschiedenheit in der Abnahme der 
verschiedenen venerischen Krankheiten erklärt sich zum Theil aus 
der Nicht-Berücksichtigung der Recidive, die bisher in den Sta- 
tistiken nicht statt hat. Für das Ulcus molle und den Bubo ist nach- 
gewiesen, dass die Antisepsis auf die Abnahme derselben einen un- 
geheuren Einfluss hat. Die zahlreichen Fälle von Buboneii in den 
Lazarethen, an denen die Leute früher viele Monate behandelt 
wurden, sind fast verschwunden. Jetzt heilen die Ulcerationen im 
grossen und ganzen, ohne die virulenten Bubonen hervorzurufen. 
Für die einzelnen Garnisonen sind nur die Zahlen von zwei Gruppen, 
gegeben, nämlich 1. für Gonorrhoe, Ulcus molle und Bubo und 
2. für Syphilis. Für Berlin ist nun, wieder die fünfjährige Periode 
1879/84 mit der fünfjährigen Periode 1884/89 verglichen, in der 
zweiten eine Abnahme der Krankheiten der ersten Gruppe um 
29'4%, eine Abnahme der Syphilis von 2 3% zu verzeichnen. 
Für Leipzig ist analog für die erste Gruppe eine Abnahme von 14%, 
für die Syphilis eine solche von 15%. Die von Herrn Blaschko 
auch als Beweis angezogene Abnahme der Todtgeburten hält 
Redner als nicht erwiesen. Einmal ist auch die Zahl der Lebend- 
geborenen zurückgegangen, wenn auch nicht in gleich grossem 
Prozentsatz, dann kommt aber auch die Thatsache in Betracht, 
dass die grössere Hälfte der Todtgeborenen ausserehelich sind. In 
Bezug auf die Todesfälle an Syphilis ist aber in der Stadt Berlin 



•; Siehe « Internationale Klinische Rundschau» Nr. 18, 1892. 



für die Jahre 1882/18'JO eine Abnahme um 185% zu verzeichnen. 
Was die Ausbreitung der Syphilis gnlangi, so varnrt die Häufigkeit 
der gesammten syphilitischen und venerischen Krankheiten von 
53 pro Mille im 12. sächsischen Armeekorps bis zu 21 pro Mille 
im 13. württembergiseben Armeekorps. Dem ersteren stehen im 
allgemeinen die östlichen, dem letzteren die westlichen Truppen- 

theile nahe. 

Dr. George Meyer scheidet die Prostitutionsfrage von der Frage 
der Vorbeugung der venerischen Krankheiten. Redner hält die Einrichtung 
von Bordellen insofern für nützlich, als sie eine schärfere Kontrolle 
der geheimen Prostitution gewährleistet- Gegen die Errichtung von 
Bordellen spreche jedoch der Umstand, dass es unmöglich sein 
dürfe, alle Dirnen in solchen Häusern unterzubringen, da ein grosser 
Theil derselben, wie auch jeizt der Kontrolle, unter der Maske 
irgend einer Beschäftigung sich der Kasernirung entziehen würde. 
Wenn die von Herrn Blaschko aufgestellte Behauptung, dass die 
unter Kontrolle stehenden und untersuchten Frauenspersonen eine 
grössere Ansteckungsgefahr darböten als die nicht kontrollirten, 
richtig sei, so müsste man zu der Folgerung gelangen, überhaupt 
jede Kontrolle und Untersuchung fahren zu lassen. Dass die 
ärztliche Untersuchung in die Hände von Spezialisten gelegt werden 
müsste, erscheint durchaus nicht nolhwendig. Die über die Ver- 
breitung der Syphilis von Herrn Blaschko angeführten Statistiken 
leiden sämmtlich an einer gewissen Einseitigkeit, weil sie immer 
nur einen bestimmt charakterisirten Theil der Bevölkerung umfassen, 
der für die Gesammlheit nicht maassgebend ist. In den Kranken- 
häusern eigene Stationen zur Behandlung Syphilitischer einzurichten 
ist nolhwendig, nicht jedoch besondere Krankenhäuser, die nur 
diesem Zwecke dienen, da diese von einer grossen Zahl Kranker 
stets gemieden werden würden. Den Anspruch auf Zuverlässigkeit 
kann nur die Militärstatistik machen, aber auch die Soldaten sind 
für die Verhältnisse in der Gesammtbevölkerung nicht maassgebend. 
Eine Statistik über das Verhalten der Syphilis der letzteren fehlt 
noch. Sie durch eine Sammelforschung unter den Aerzten zu schafTen, 
erscheint nicht angängig. Redner meint indess, dass die venerischen 
Krankheiten zu denen gerechnet werden sollten, welche der Behörde 
angezeigt werden sollten. (Lebhafter Widerspruch.) Nur dadurch 
würde allgemein verwerthbares Material gewonnen. Redner würde 
feiner die periodische Untersuchung der unverheirateten jungen 
Leute in den Fabriken etc. nach Art der Militäruntersuchungen für 
dienlich hallen. Im Anschluss an die Krankenkassengesetzgebung 
würde das leicht durchgeführt werden können. Ohne direkt Zahlen 
dafür beibringen zu können, glaubt Redner doch, dass die venerischen 
Krankheiten in Öerlin an Zanl zugenommen haben. Die Schuld 
daran sei zum Theil der Kurpfuscherei zuzuschreiben. Die Todes- 
fälle an Syphilis seien für die Statistik nicht zu verwerthen, weil 
die von der Syphilis bedingten, zum Tode führenden Organer- 
krankungen meist als solche rubricirt werden, nicht aber der Lues 
zugezählt werden. Redner beantragt schliesslich die Wahl eines be- 
sonderen Ausschusses zur weiteren Bearbeitung der Prostitu'ions- 
frage und Vorlage von Beschlüssen für die Behörden. 

Geh. Rath Virchow erachtet es für geboten, bei der Dis- 
kussion die praktischen Folgen derselben im Auge zu behalten, und 
nicht die Regelung der Prostitutionsfrage, welche keine rein ärzt- 
liche Streii frage sei, als Aufgabe zu betrachten, sondern geeignete 
Maassregeln zur Bekämpfung der Syphilis in Vorschlag zu bringen. 
Dabei möge sich die Thätigkeit des nach Herrn Meyer zu wählenden 
Ausschusses auch auf die Berücksichtigung dar Stadt Berlin be- 
schränken. Dann wird das Unheil der Gesellschaft auch in weiteren 
Kreisen gehört werden. Herrn Rosenthal gegenüber bemerkt Redner, 
dass die Syphilis durchaus nicht so alt sei wie die Menschheit; 
vielmehr reichen die Spuren derselben nirgends über die Zeit der 
Entdeckung Amerikas hinaus. An Knochen, welche in Gräbern aus 
früherer Zeit gefunden worden sind, hat er niemals Veränderungen, 
welche auf Lues zu beziehen wären, entdecken können. Von der 
besagten Zeit an treten sie aber sofort in unverkennbarer Weise, 
z. B. in den Philippinen, Neukaledonien, u. s. w. auf. Was die 
Statistiken anlangt, so erinnert Redner daran, dass auf dem inter- 
nationalen Kongress 1890 in d*r Sektion für Dermatologie und 
Syphilidologie auf W. KÖBNER's Betreiben eine Sammelforschun* 
beschulen worden ist. Daher sollte sich die von der Gesellschaft 



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Internationale Klinische Kundschau 1892. 



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niederzusetzende Kommission damit nicht beschäftigen. Die viel- 
fachen von den Vorrednern vorgeschlagenen Maassregeln zur Be- 
kämpfung der Syphilis scbliessen meist einen Zwang in sich und 
tragen den Stempel polizeilichen Druckes, gegen den die Be- 
völkerung sich sträuben wird. Der Kampf gegen die Krankheit 
würde viel aussichtsvoller, wenn man das Ziel darauf richtete, 
die ärztliche Hilfe in möglichst weitesten Umfang den Kranken 
zukommen lassen zu können. In zweiter Reihe sollte festgestellt 
werden, auf welche Weise die polizeiliche Aufsicht besser ausge- 
führt werden könnte. Redner übt weiterhin eine scharfe Kritik an 
der auch bei der jüngsten Berathung der Krankenkassengesetz- 
novelle in dieselbe übergegangenen Bestimmung, dass Krankheiten, 
die durch geschlechtliche Ausschweifungen entstanden sind, von 
der ärztlichen Behandlung ausgeschlossen sind. Diese Bestimmung 
gehe von einer durchaus nicht allgemein richtigen Annahme aus 
und sei im höchsten Masse inhuman. Doch wäre es im Augenblick 
nutzlos, die Beseitigung dieser eben erst beschlossenen Bestimmung 
zu fordern. Eine Vermehrung der Spezialisten, um die Syphilis 
energischer bekämpfen zu können, sei ein unglücklicher Ausweg. Viel- 
mehr sollten genügende Kenntnisse über die Syphilis unter den Aerzten 
allgemein verbreitet werden. In Berlin stosse die Einrichtung be- 
sonderer Krankenabtheilungen für Syphilitische auf, viele äussere 
Schwierigkeiten. Die Zahl der offiziellen Polikliniken für diesen 
Zweck zu vermehren, widerstreite dem Interesse der praktischen 
Aerzte. Es gelte die Grenze festzustellen, wo sich die Bekämpfung 
der Syphilis durch staatliche und städtische Massnahmen noch mit 
der Wahrung der Freiheit der ärztlichen Praxis verträgt, welche schon 
durch die Krankenkassenorganisation erheblich eingeschränkt worden ist. 
Geh. Rath Lewin bringt ausführliches statistisches Material 
bei, um die Behauptung des Herrn Blaschkq zu widerlegen, dass 
die geheime Prostitution weniger zur Verbreitung der Syphilis bei- 
trage als die kontrollirte, und stellt die Gegenthese auf, dass der 
Herd der Syphilis von den Nichikonlrollirten ausgeht. Nur bei den 
letzteren habe er, wenn sie zufällig aufgegriffen, in die Charite" 
gekommen sind, die frischen syphilitischen Affektionen, welche die 
Infektionsträger sind, wie Sklerosen und breite Condylome gefunden, 
während bei den kontrollirten Dirnen meist nur die nicht inficirenden 
Exantheme, Mundaffektionen und dergleichen sich finden. 

(Deutsche Medizinische Wochenschrift Nr. 19, 1892.) 



Kritische Besprechungen and literarische Anzeigen. 

Die Influenza-Epidemie 1889—1892. 

Von Dr. Jakob Wolff, prakt. Arzt in Berlin. 
Verlag von Ferdinand Enke. Stuttgart 1892. 

Die jüngste Influenzaepidemie hat eine Fülle von literarischen 
Arbeiten über diesen Gegenstand zur Folge gehabt, die aber theils 
zu einer Zeit entstanden sind, wo die Seuche noch nicht ihren 
Höhepunkt erreicht hatte, theils zu einer Zeit, wo dieselbe zum 
zweiten Male ihren verheerenden Einzug hielt. Da erst die bei der 
zweiten Epidemie gemachten Erfahrungen sehr wesentlicher Natur 
waren, indem es einesteils erst in der letzten Zeit gelang, die 
durch die Influenza selbst geschaffenen Symptome, sowie die durch 
dieselbe heraufbeschworenen Folgen bis in's Detail kennen zu lernen, 
da anderestheils die durch die Spezialisten gesammelten Einzel- 
erfahrungen immer neue Momente über das eigentliche Wesen der 
Erkrankung zu Tage förderten, so ist es selbstverständlich, dass bis 
in die jüngste Zeit ein Gesammtüberblick über den Gang, klinischen 
Verlauf, Folgen etc. fehlen musste. Verfasser des vorliegenden Werkes 
hat es sich nun zur Aufgabe gestellt, an der Hand der in der Literatur 
verstreuten zahlreichen Berichte, ein übersichtliches Bild über 
die Influenza zu schaffen, die durch die Spezialisten gemachten 
Erfahrungen zu einem einheitlichen Krankheitsbilde zu formiren, 
die mannigfachen Symptome der Influenza von einem einheitlichen 
Gesichtspunkte zu beleuchten und den inneren Zusammenhang der 
vielfachen Komplikationen mit der Influenza nachzuweisen. Diese 
Aufgabe hat auch Verfasser glänzend gelöst und das 167 Seiten 
starke Büchlein dürfte in so mancher Beziehung interessante und 
nutzbringende Aufschlüsse geben. E. Af. 



Pathologie und Therapie der Syphilis. 

Von Dr. Morlz Kaposi, 

k. k. n 0. Professor für Dermatologie und Syphilis and Vorstand der Klinik und 
Ahtheilung für Hautkranke an der UniverriUt in Wien. 

Mit 11 in den Text gedruckten Holzschnitten und 2 Tafeln in Farbendruck. 

Verlag von Ferdinand Enke Stuttgart 1891. 

Wir haben bereits Einzelnes aus diesem Lehrbuche in unserem 
Blatte veröffentlicht und glauben den Lesern damit einige Proben 
von dem scharfen und sicheren Urtheile des Verfassers geliefert 
zu haben. Das Werk ist selbstverständlich entsprechend den neuen 
Forschungen bearbeitet und sind die Fortschritte in der Pathologie 
der visceralen Lues und der Therapie der Syphilis besonders be- 
rücksichtigt worden und erscheint die Theorie der Syphilis in klarer 
Weise beleuchtet. Wenn wir die literarische Thätigkeit des Verfassers 
betrachten, welcher eine neue Auflage und Bearbeitung seiner «Vor- 
lesungen» über Hautkrankheiten, zahlreiche kleinere literarische 
Arbeiten, Vorträge und Referate für Kongresse u. s. w. in kurzer 
Aufeinanderfolge der Oeffentlichkeit übergeben hat, so müssen wir 
dessen Fruchtbarkeit mit Recht anstaunen. Der Name des Autors 
allein ist Bürge, dass das Werk seinen Weg machen und in allen 
medizinischen Kreisen bald Eingang finden wird. E. M. 



Ueber Erkrankungen des Herzmuskels. 

Von Dr. P. Hampeln, 

dirig. Ar/t der I. Abtheilung des allgemeinen Krankinhanau In Riga. 

Verlag von Ferdinand Enke. Stuttgart 1892. 

Das kleine 47 Seiten starke Heft bespricht in gedrängter 
Körze hauptsächlich die bekannten anatomischen Kategorien der 
chronischen Herzmuskelerkrankungen. Die Abhandlung stützt sich 
auf 120 Herzerkrankungen, welche unter 1410 Todesfällen im Ver- 
laufe von 5 l / 3 Jahren in Betracht kamen. Das Werkchen, dem 
anhangsweise 119 Sektionsbefunde beigegeben sind, liefert eine 
klare Uebersicht über die am häufigsten vorkommenden Affektionen 
des Herzens. 



Lehrbuch der Chemie für Mediziner. 

Unter Zugrundelegung des «Arzneibuches für das Deutsche Reich» 

Von Dr. Bernhard Fiaoher, 

Direktor den chemischen Unterancbtmgsamtei in Breslau. 

Mit 46 in den Text gedruckten Abbildungen. 
Verlag von Ferdinand Enke. Stuttgart 1892. 

Bei der Bearbeitung dieses Werkes Hess sich der Verfasser, 
von der Erwägung leiten, dass für den ersten Unterricht 
desMediziners inderChemie die vorhandenen literarischen 
Hilfsmittel viel zu ungeeignet sind, da sie entweder durch den zu 
grossen Lehrstoff ermüden oder durch zu wenig Lehrstoff keine 
genügende Basis für die Ausbildung in der Chemie bilden. Es 
war daher das Bestreben des Verfassers, ein Lehrbuch der Chemie, 
speziell für die Bedürfnisse des Mediziners zu schaffen 
und diese Aufgabe ist ihm glänzend gelungen, wobei ihm sein 
Talent, die schwierigsten und komplizirtesten Abschnitte der Chemie 
gleichsam spielend, in leicht fasshcher Weise darzustellen, zu Htlfe 
kam. Der Verfasser hat nun den dankenswerthen Zweck verfolgt, 
1. einen leicht fasslichen Abriss über die Chemie zu geben, 
soweit sie der Mediziner zunächst beim Physikum braucht ; 2. dem 
Mediziner das Verständniss für die Pharmakopoe zu erschliessen 
und 3. mit den Kapiteln «Anwendung und Wirkung» das erforder- 
liche Interesse für den Körper zu erwecken. Hierbei wurden auch 
die Maximaldosen eingeflochten, Bemerkungen über die bei Recep- 
ten zu befolgenden Regeln, sowie wichtige Angaben über diejenigen 
Arzneien, welche nicht zusammen verordnet werden dürfen, hinzu- 
gefügt. Den Schluss des Werkes bildet ein Abriss über Analyse 
und Maassanalyse, mit besonderer Berücksichtigung der Bestimmung 
des Zuckers und Harnstoffes. Das Buch enthält 646 Druckseiten, 
ist schön ausgestattet und ist allen Aerzten als ein zuverlässiger 
Freund und Rathgeber bestens zu empfehlen. 









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Internationale Klinische Rundschau 1892. 



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Zeitungsschau. 



Zur Kasuistik schwerer Syphilisformen. 

Von Dr. Kr*o*k in WieD. 



In der am 7. April I. J. abgehaltenen Sitzung des Vereines 
der Aerzte Niederösterreichs demonstrirte Primarius Dr. Mragkk 
einige praktisch wichtige Fälle aus seiner Abtheilung. Zunächst 
einen Fall von Fazialisparese bei Vorhandensein 
von sekundärer Syphilis. Patientin, 30 Jahre alt, gibt bei 
der am 30. Dezember 1891 erfolgten Aufnahme an, früher stets 
gesund gewesen zu sein, seit sechs Monaten keinen geschlechtlichen 
Verkehr gehabt zu haben ; seit sechs Wochen leidet sie an heftigen 
Kopfschmerzen mit nächtlichen Exacer: ationen, seit vier Wochen 
bemerkt sie em Tieferstehen des rechten Mundwinkels, seit vierzehn 
Tagen besteht eine Anschwellung an der Stirne. Bei der Aufnahme 
ist Patientin stark abgemagert und blass. Am Stirnbein über der 
Glabella befindet sich eine ovale, über kreuzergrosse, am Knochen 
festsitzende Geschwulst von derber Konsistenz, etwas druckempfind- 
lich. Der rechte Facialis ist total paralytisch, nur die Bewegung 
der Ohrmuschel ist erhalten. Ferner findet sich ein papulöses 
Syphilid an den Tonsillen, an der Haut des Stammes und der 
Extremitäten, ebenso an den Genitalien und um dieselben. An der 
linken Seite des unteren Abdomens eine mandelgrosse mit ein- 
getrocknetem Sekret bedeckte Sklerose. Allgemeine Drüsenan- 
schwellung. Angewendet wurde äusserlich Labaraque, sowie sorg- 
fältige Mundpflege, innerlich Jodkali und ungefähr 14 Tage nach 
der Aufnahme wurde die Inunktionskur eingeleitet. Nach 20 Ein- 
reibungen schwand das Syphilid bis auf bräunliche Pigmentreste, 
die Sklerose vernarbte, Patientin war von etwas besserem Aussehen, 
der Facialis jedoch blieb noch paretisch. Inzwischen entwickelte 
sich eine starke Dakryozystitis linkerseits. Incision. Nach Verheilen 
der Incisionswunde blieb eine flache, am Knochen fest aufsitzende 
Infiltration zurück, welche erst in den letzten 14 Tagen auf eine 
tägliche Dosis von 2gr Jodkali bedeutend abgenommen hat. Auch 
die Fazialisparese ging in der letzten Zeit noch bedeutend zurück. 
Bemerkenswert!] sind hier nachfolgende Momente: 

1. Wann enstand die Infiltration und woher? 

2. Der locus ingressus der Syphilis war nach dem Status 
präsens an der unteren Abdominalfläche, also extragenital. 

3. Ist der Fall als eine schwere Syphilis aufzufassen, weil 
zur Zeit der reichlich entwickelten sekundären Erscheinungen zu- 
gleich eine Periostitis an der Stirne, nächtliche heftige Kopf- 
schmerzen, Abmagerung und Anämie aufgetreten waren. Dazu kam 
weitere die Fazialisparese, und es entsteht die Frage, ob dieselbe 
auf den syphilitischen Prozess zu beziehen ist oder nicht. Für 
gewöhnlich treten die Affektionen der Nerven, speziell der Kopf- 
nerven erst in den späteren Stadien der Syphilis auf als Folge 
einer gummösen Infiltration an den Gehirnhäuten oder als Folge 
von Gefässentartung und konsekutiver Gehirnerweichung. Eine cen- 
trale, ja selbst eine intracranielle Läsion des Facialis in unserem 
Falle ist ausgeschlossen, weil nur der Facialis allein und zwar 
nach der Abgabe der motorischen Fasern für die Ohrmuschel, d. i. 
vor dem Austritte aus dem Felsenbein, durch eine periostale Auf- 
lagerung einen Druck erlitten hat. Dies kann man umsomehr an- 
nehmen, als am Schädel an mehreren Stellen auf Druck Schmerz- 
haftigkeit und an der Glabella und dem Thränenbein eine typische 
Periostitis zu konstatiren war. Die hochgradige Affekt ion des Kopfes 
beweisen ferner die so lange andauernden Kopfschmerzen. Der 
Umstand, dass bis zum heutigen Tage alle syphilitischen Erschei- 
nungen mehr zurückgegangen sind als die Fazialisparese, spricht 
nicht gegen einen syphilitische:) Ursprung der letzteren, da es sich 
sehr wohl begreifen lägst, dass die durch den Druck der periostalen 
Auflagerung entstandene Läsion der Nerven sich langsamer bessert, 
ja sogar zur Annahme berechtigt, dass bei einer so lange be- 
stehenden Perineuritis eine restitutio ad integrum kaum zu erreichen 
sein wird. 

Der zweite Fall betraf eine Kombination von Tuber- 
kulose mit sekundärer Syphilis bei einer 31jährigen 
Patientin, welche im Jahre 1890 Hömoptoe durchmachte und seit 
dieser Zeit abmagert, an Nachtschweissen und Husten leidet. Im 



Dezember 1890 trat ein Exanthem am Körper auf, welches mit 
15 Einreibungen auf der Hautklinik des Allgemeinen Krankenhauses 
behandelt wurde. Bei der Aufnahme in das Rudolf-Spital, Sep- 
tember 1890, war Patientin stark abgemagert, anämisch, beide 
Lungen infiltrirt. Ueber dem ganzen Körper findet man Pusteln 
zerstreut, welche von einem pigmentirten Hofe umgeben und mit 
hämorrhagischen Borken bedeckt sind. Abendliche Temperatur 
38 Grad. Patientin bekam innerlich Morphium, Syrupus ferrijodati, 
extern wurde rothe Präcipitataalbe angewendet. Nach zwei Monaten 
waren alle Pusteln vernarbt und bis Ende November hatte Patientin 
sich derart erholt, dass sie das Krankenbaus verlassen konnte, 
Nach kaum zwei Monaten kam sie wieder und zwar in einem 
hochgradig herabgekommenen Zustande mit starkem Hustenreiz 
und abermals einem pustulösen Syphilid. Diesmal jedoch waren 
die Pusteln viel grösser und viel tiefer greifend aufgetreten. 
Unter Anwendung des grauen Pflasters heilten allmäblig die pustu- 
lösen Efflorescenzen : die Luneenaffektion jedoch hat bedrohliche 
Erscheinungen angenommen, die Kranke hatte Nach tsch weisse und 
ein mit Blutstriemen untermengtes Sputum und war Mitte Jänner 
d. J. sehr collabirl. Anfangs Februar Auftreten von Otitis rechts, 
Dakryozystitis beiderseits, welche jedoch nach Incison bald vollkommen 
geheilt war; ferner entwickelten sich zwei Geschwüre am harten 
Gaumen. Diese nahmen an Grösse zu, konfluirten zu einem ovalen 
Geschwür mit buchtigen Rändern und unregelmässiger Basis. Hiezu 
trat ferner eine Infiltration des rechten Nasenknorpels mit Geschwürs- 
bildung an der Schleimbaut desselben. Patientin bekam Jodkali-Jod- 
glycerin-Einpinselungen der Geschwüre sowie Jodkali intern, welches 
jedoch wegen Verdauungsstörungen bald wieder ausgesetzt werden 
musste. Die Geschwüre nahmen noch an Ausbreitung zu; die zer- 
klüftete Basis und die buchtige Form der unregelmässig unter- 
minirten Ränder lassen dieselben klinisch eher für tuberkulöse als 
für eine aus einem Gumma durch Zerfall entataudene Geschwürs- 
fläche erkennen. Die mikroskopische Untersuchung ergab das Vor- 
handensein von Riesenzellen. Tuberkelbacillen waren nicht nachzu- 
weisen. Patientin bekam jetzt Jodnatrium in der Milch 2 gr pro 
die und nach 14 Tagen bereits konnte man eine wesentliche Bes- 
serung nachweisen, so dass das Geschwür heute eine flache, rein 
granulirende Wunde darbietet, nur im Centrum ging der Zerfall 
tiefer, da kam man mit der Sonde auf rauht Knochen. Das Aus- 
sehen der Patientin hat sich bedeutend gehoben. Es ist dies also ein 
Fall, wo ein bereits tuberkulöses Individuum Syphilis acquirirt hat. 
Erfahrungsgemäß geben solche Formen von Syphilis keine günstige 
Prognose. So bekam unsere Kranke schon neun Monate nach der 
Eruption des ersten Exanthems ein pustulöses Syphilid mit einer 
bedeutenden Kachexie und kaum, dass sie zwei Monate befreit war, 
traten abermaU Pusteln auf, in deren Gefolge es zur Bildung tiefer 
Geschwüre an der Mundschleimhaut, im meatus auditorius und in 
der Nase kam. Solche Erkrankungsformen zeigen ferner Tendenz zum 
rapiden Zerfall, sind somit auch deletär, überdies war die Kranke der 
Behandlung schwerer zugänglich. Im Anschlüsse an diesen Fall macht 
Redner aufmerksam, dass die Prognose derjenigen Kranken sich 
sehr ungünstig gestaltet, welche ohnehin tuberkulös, Syphilis acqui- 
riren, was für unsere Wiener Praxis, wo wir so viel Tuberku- 
lose haben, sehr in die Wagschale fällt. 

(Oesterreichische Aerztliche Vereinszeitung Nr. 9, 1892.) 



Aus der medizinischen Klinik des Prof. R. t% Jaksch in Prag: 

Ueber die therapeutische Wirksamkeit des Diuretin. 

Von Dr. Eugen Frank, Externarzt. 

Verfasser hat in der Klinik von Prof. v. Jaksch in Prag 
eine eingehende Untersuchung über die therapeutische Wirksamkeit 
des Diuretin ausgeführt. Er wandte als Tagesgabe 6 — 7 g an und 
zwar in Form eint-r wässerigen Mixtur unter Zusatz von Aq. 
Menth, piper. und Syrup simpl. Im Ganzen wurden 34 Kranke mit 
Diuretin behandelt; 10 mit Herzklappenfehlern, 7 mit Nephritis 
chronica, 5 mit Pleuritis exsudativa, 4 mit Cirrhosis hepatis, 
3 mit Myocarditis, 2 mit Peritonitis chronica und 2 mit Peri- 
carditis. 

Bei Nephritis chronica wurde mit Ausnahme zweier Fälle, 
wo das Medikament erst kurz vor dem Exitus in Anwendung kam, 






Original from 
UNIVERSITYOF MICHIGAN 



1" 11 



867 



Internationale Klinisch* Hundschau 1892 



8H8 



eine vorzügliche diuretische Wirkung erzielt, trotzdem der Zustand 
der Patienten ein verzweifelter war. Die Harnmenge stieg aufs 
6 — 15 fache, die Oedeme schwanden zum Theil gänzlich und der 
Allgemeinzustand besserte sich ausserordentlich. 

Bei den Kranken mit reinen Herzklappenfehlern wurde meist 
eine gute, doch nur vorübergehende Wirkung beobachtet, wobei 
allerdings zu bemerken ist, dass die Fälle von vornherein sehr 
wenig Hoffnung auf Besserung boten. Vielleicht spricht gerade der 
Umstand, dass trotz der Schwere der Erkrankung ein guter, wenn 
auch vorübergehender Erfolg erzieh wurde, während alle anderen 
Diurelica vergeblich versucht wurden, für die Anwendung des Diuretin 
bei kardialem Hydrops. 

In den Fällen von Myokarditis, in denen Digitalis nur ge- 
lingen Erfolg hatte, wirkte Diuretin recht befriedigend, im Gegen- 
satz zu den von anderen Autoren verzeichneten negativen Resultaten. 

In einem Fall von Perikarditis stieg die Harnmenge durch 
Diuretin von 500 kern auf 3300 kcm % in einem anderen wurde 
durrh die kombinirte Verabfolgung von Diuretin und Digitalis ein 
sehr gutes Resultat erzielt. 

Bei Ctrrhosis hepatis wurde in 2 Fällen keine, in 2 anderen 
eine ziemliche Steigerung der Diurese und Abnahme des Hydrops 
erreicht. 

Indem Verfasser die «exquisit harntreibende Wirkung» des 
Diuretin betont, konstalirt er, dass der diuretische Effekt der 
Grosse des vorhandenen Hydrops entspricht. Die Wirkung trat 
meist schon am ersten Tage ein, um nach 3 — 7 Tagen ihr 
Maximum zu erreichen. Cumulative Wirkung wurde nicht be- 
obachtet, ebensowenig eine Reizung des Nierenparenchyms durch 
das Mittel. 

«Nach unseren Erfahrungen, sowie den übereinstimmenden 
Berichten aller anderen Autoren, fährt Verfasser fort, ist weiters 
ein ganz ausserordentlich günstiger Einfluss des Diuretin auf die 
Abnahme des Hydrops zu betonen. Es verschwinden zugleich mit 
der Steigerung der Harnmenge in ganz kurzer Zeit entweder 
gänzlich oder zum grossen Theile die Oademe, der Hydrops ascites 
und Hydrothorax, Umstände, welche, wenn sie in den meisten 
Fällen auch nicht zur Heilung führen, so doch die Luiden des 
Patienten erheblich vermindern und dessen subjektives Befinden in 
nicht zu unterschätzender Weise verbessern.» Das Diuretin hat 
sicherlich auch eine direkte, das Herz kräftigende Wirkung, läset 
sich aber trotzdem als Herzmittel an Bedeutung mit Digitalis nicht 
vergleichen, während es <als Diureticum unter allen 
bisher bekannten Medikamenten wohl den ersten Platz 
einnimmt und die Wirkung des Coffein, Calomel,Kal. 
acet. etc. weitaus übertrifft.» 

Als unangenehme Nebenwirkungen sah Verfasser in einigen 
Fällen Erbrechen, in anderen profuse Diarrhöen, welch 1 letztere 
aber meist nur vorübergehend auftraten und die Verfasser übrigens 
eher als einen günstigen Umstand betrachtet. 

«Zum Schluss möchte ich nochmals auf die ausgezeichnete 
harntreibende Wirkung des Diuretin hinweisen und das- 
selbe für alle jene Fälle, wo man die Resorption von 
Transsudaten anstrebt, also in erster Linie bei 
Nephritis und Erkrankungen desHerzens wärmstens 
empfehlen. In ganz verzweifelten Fällen, wo auch mit Diuretin 
kein Erfolg erzielt wird, kann man vielleicht durch Kombination 
desselben mit Digitalis oder einem anderen Herzmittel den 
Zustand des Kranken noch wesentlich bessern.» 

(Präger med. Wochenschrift 1892, Nr. 12 u. 13.) 



Ueber Befunde am Gefässapparat der Leichen von 

Nierenkranken. 

Von Dr. O. Israel in Berlin. 
Er hebt zunächst hervor, dass das Herz nicht nur eine 
Hypertrophie des linken, sondern auch eine solche des rechten 
Ventrikels anfrässe. An der Aorta findet sich sehr häufig allgemeine 
oder partielle Erweiterung. Als konische Dilatation bezeichnet Vor- 
tragender diejenige Form, bei der eine Erweiterung im aufsteigenden 
Theil beginnt, auch den Bogen uod den Brusttheil theilweise oder 
ganz betriff*, jedoch den unteren Abschnitt noch nicht ergriffen hat. 



Die Dilatation kommt zu Stande durch die Einwirkung der dauernd 
erhöhten Spannung der Gefässwand, welche die elastische Ein- 
richtung der Media in quantitativ messbarer Weise schädigt. Auf 
die besondere Beziehung dieser Affektion zu der Veränderung der 
Intima gebt Israel näher ein. Eigenthümliche Beobachtungen be- 
züglich Milz, Nieren, Nebennieren und Pankren führen ihn zu der 
Anschauung, dass die sogenannte cyanotische Indikation dieser 
Organe in einem Theile der Fälle und solange noch keine Kompen- 
sationssiörungen eingetreten sind, nicht wie allgemein angenommen 
wird, durch Behinderung des venösen Abflusses, sondern vielmehr 
durch aktive Kongestion zu Stande kommen. Alles dies weist 
darauf hin, dass die Kompensation für die ausfallende Funktion 
der Nierenparenchymie in der Erhöhung der allgemeinen drkulations- 
grösse besteht. Die gleichen Veränderungen fand Israel bei 
Potatoren und bei Leiden an Diabetes mellitus Gestorbenen; in 
letzten hatten 10% Herzhypertrophie ohne Nierenerkrankung. Es 
sind dies Zustände von relativer Nieremnsufficienz, die sich also 
ebenso verhalten bezüglich der sekundären Gefässveränderungen, wie 
die Affektionen mit Verlust von Nierenparenchym. Der Vortrag er- 
scheint in Nr. 18 der Berliner Klinischen Wochenschrift. 



Zur modernen Jatrochemie. 

Einen auch für medizinische Kreise Interesse bietenden Vor- 
trag hielt der Fachvorstand des hiesigen technologischen Gewerbe- 
museums, Regierungsrat h R. v. Perger am 8. v. M. im nieder- 
österr. Gewerbeverein unter dem Titel «Zur Geschichte chemischer 
Arbeit». Bei Besprechung und Demonstrirung der unzähligen neuen 
auf synthetischem Wege fabriksmässig dargestellten Arzneimittel hob 
der Vortragende das Hand- in- Handgehen medizinischer und 
chemischer Forschung auf diesem Gebiete hervor, das berechtigt 
von einem neuerlichen «iatrochemischen» Zeitalter zu sprechen. 
Allerdings unterscheide sich dieses von dem des 16. und 17. 
Jahrhunderte durch seine auf streng wissenschaftlichen Prinzipien 
fussende Planmässigkeit. Bei näherer Betrachtung finde man, dass 
die Legion dieser neuen Körper sich gesetzmässig um gewisse 
«Krystallisationspunkte» gruppiren lasse, dass durch planvolle Ein- 
führung der verschiedensten Atomkomplexe in die Ausgangsver- 
bindungen dieselben in bestimmter und beabsichtigter Weise modi- 
ficirt, dabei aber doch ihre chemischen Grundcharaktere und dem- 
gemäss auch ihre Grundwirkungen gewahrt werden. In einer vom 
Vortragenden producirten Riesentabelle sind diese Verhältnisse er- 
sichtlich. Als 6 Hauptgruppen werden darin angeführt: die Quecksilber- 
verbindungen, die vom Chloroform und Chloral entspringenden 
Anästhetica, die vom Phenol, ferner die von der Salicylsäure und 
den homologen Säuren ausgehenden Produkte, Farbstoffe, schliess- 
lich basische Verbindungen von den Aniliden bis zu den Chinolin- 
basen. Natürlich fanden sich auch Kombinationen zwischen den 
einzelnen Gruppen, so ist Salophen-salicylsaures Antifebrin Sali- 
pyrin-salicylsaures Antipyrin etc. etc. Auch das eigentlich ausserhalb 
des Rahmens des Vortrages liegende Tuberkulin wurde in seinen 
theoretischen Voraussetzungen gestreift. Die ursprünglichste Analogie 
desselben findet v. Per GER in der Thatsache, dass Gährungs- 
produkte schliesslich die Thätigkeit der Gährungserreger sistiren 
können. 



Vergiftung mit Aconitin. 

Apotheker Vandsndaele von Grammont hatte sich kürzlich 
vor dem zuständigen Gerichte wegen fahrlässiger Tödtung zu ver- 
antworten. Er hatte einem Arzte in Virginal 500 Granülen zu 
1 / i mg Aconitinum crystallis geliefert. Der betreffende Arzt ver- 
ordnete dieselben in seiner Landpraxis sehr häufig und so gab er 
auch einem Fabriksarbeiter einige davon mit dem Bemerken, nur 
ein Stück auf einmal zu nehmen. Der Arbeiter nahm aber drei 
Stück auf einmal und starb nach einer Stunde. Das hatte eine 
Autopsie, chemische Expertise und schliesslich die gerichtliche Ver- 
folgung des Apothekers zur Folge. Da aber der Nachweis geführt 
werden konnte, dass die betreffenden Aconitin-Granülen vorschrifts- 
mässig ä */ 4 m 9 hergestellt wurden und andererseits der chemische 
Experte zu beweisen suchte, dass 17 mg des Aconitinum crystallis. 



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Original frorn 
UNIVERSITY 0F MICHIGAN 



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Internationale Klinische Rundschau 1892. 



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erst toxisch wirken können, so wurde der Apotheker freigesprochen. 
Nachdem Vergiftungen mit Aconitin immer häufiger vorkommen, so 
wäre eine besondere Vorsicht zu empfehlen. Die englische Pharma- 
kopoe spricht sich über die Dosis wie folgt aus: «Reines, krysfal- 
lisirtes Aconitin wirkt bereits in 3 m^-Dosen (>/ aa Gran) toxisch; 
die Dosis maxima sollte */io m 9 (P ro die ß /io m 9) nicht über- 
steigen.» Ueberhaupt sollte mit einer noch geringeren Dosis an- 
gefangen werden. Das deutsche amorphe Aconitin ist lOmal schwächer 
als das reine krystallisirte englische. Wegen der enormen Giftigkeit 
dieses Präparates erscheint es weniger praktisch, dasselbe in 
Granülen, als in Pillenform, respektive in mit Acid. hydrochlor. 
angesäuerten Lösungen oder das Aconitinum nitric. zu dispensiren. 

(Pharmaceutische Presse Nr. 19, 1892.) 







Kleine therapeutische Mittheilung 


en u. Rezeptformeln. 


Receptformeln. 




Rp. Natr. parairesot. 


10- 20 


Tinct. laudani 


gtts. 2-4 


Cognac 


10 


Syrup. spl. 


50 


Aq. destill. 


250 


DS. Zweistündlich 1 Kaffeelöffel (bi 


M Gaslro-Inlestinalkatarrli 


der Kinder). 


D e m m e. 


Rep. Atropini sulf. 


002 


Moiphini hydrochl. 


005 


Glycerini 


150 


DS. Früh und Abends 2 Tropfen 


ins Ohr einzuträufeln. 




(Otalgie und Otitis.) 


Rp. Resorcini 


1 0—3 


Chloroform ii 


2 0-40 


Aq. destill. 


800-1000 


Tinct. amarae 




Aq. Menth, pip. aa 


15-0-200 


DS. Stündlich 1 Esslöffel bei Dyspepsie infolge anomaler 


Gährungen im Magen. 


Cattani. 


Rp. Salipyrin. 


100 


Glycerini 


250 


Syr. moror. 


500 


Aq. destill. 


750 


DS. Stündlich oder halbstündlich 


1 Löffel (bei Influenza 


oder anderen fieberhaften Krankheiten.) 




Rp. Bals. peruv. 




Tinct. Arnicae 


aa 20 


Ol Amygd. dulc. 


300 


Aq. Calcis 


150 


DS. Bei wunden Brustwarzen 


(D. Med.-Ztg.) 


Rp. Ichthyoli 


40 


Lanolini 




Glycerini 


aa 50 


Ol. Amxgd. dulc. 


10 


DS. Bei wunden Brustwarzen. 


(Ther. MonaUh.) 



Standesfragen, Tagesgeschichte und Korrespondenz 



Rp. Mentholi 0*75 

Saloli 1-50 

Ol. Oliv. 1-50 

Lanolini 4500 

M. f. u. 2 — 3 Mal täglich einzureiben ; gegen aufgesprungene 
Hände. (Cenlralblatt für Therapie Nr. 4 1892) 



XL Kongress für innere Medizin zu Leipzig. 

(Original-Bericht der «Internationalen Klinischen Rundschau. » *) 
1. Kongresstag: 20. April. (Vormittags- Sitzung.) 

Leipzig hat seit der 50. Versammlung deutscher Naturforscher 
und Aerzte eine grössere Anzahl von Aerzten in seinen Mauern 
nicht begrusst. Seit der Zeit hat die medizinische Fakultät sich 
bedeulend erweitert und die Institute, die damals nur theilweise 
fertig gestellt waren, sind jetzt abgeschlossen, so dass gerade für 
Aerzte diese alte Handels-, Kunst- und Universitätsstadt viel des 
Interessanten bietet. Herr Cürschmann eröffnete den Kongress 
pünktlich um 9 Uhr, begrüsste die Versammlung und gab einen 
Ueberblick über die Verhandlungen des vorigen Jahres. Nachdem 
die Frage der Tuberkulosen-Behandlung die Gemüther in äusserster 
Weise erregt hatte, war es dem vorjährigen Kongresse vorbehalten, 
die therapeutischen Erfolge ruhig und sachlich zu prüfen. Seit der 
Zeit ist die Tuberkulinfrage in das Laboratorium und in die Klinik 
verwiesen worden, welche Stätten sie nicht eher verlassen wird, 
bis sie nicht zu einem deßnitiven Abschlüsse gebracht worden ist. 
Auch in diesem Kongresse werden wir die Tuberkulinfrage wieder 
behandeln, daneben wird ein Gegenstand der Verhandlung sein, 
Untersuchungen über Immunität und Immunisirung, sowie die Frage 
über Bluterkrankung. Ferner stehen auf dem Programme Kapitel 
über Zuckerkrankheit, Leberleiden, Nierenerkrankungen, Herz- 
erkrankungen u. s. w., so dass mit diesem Programme das Prinzip 
des Kongresses, nämlich trotz seiner Vielheit das Festbalten an 
der Einheit der Medizin zum Ausdruck kommt. Schon längst haben 
sich gewisse Spezialitäten in der Medizin das Bürgerrecht erworben 
und muss es unser Bestreben sein, jeder einzelnen, soweit sie be- 
rechtigt ist, auch im Universitätsplane ein Plälzchen anzuweisen. 
Solche Spezialitäten jedoch, die nur zu einer Zersplitterung der 
Gesammtheilkunde führen, werden wir stets aufs Lebhafteste be- 
kämpfen. Wir können keine Spezialität, wie z. B. Lungenkrankheiten, 
Herzkrankheiten, Leberkrankheiten anerkennen. Dass eine Vertiefung 
in Einzelkapitel möglich ist, ohne dass dasselbe von der Gesammt- 
heilkunde losgerissen wird, das beweist die Nervenpathologie, die 
nie eine Loslösung der Gesammtmedizin angestrebt, sich dabei 
aber gut entwickelt hat. Diese Frage über Spezialismus fängt an, 
auch weitere Kreise zu interessiren, da von gewisser Seite die An- 
regung ausgegangen ist, Spezialistenexamina einzuführen. «Ich selbst», 
sagte Cürschmann, «würde solchen Prüfungen aufs Entschiedenste 
entgegenstehen. Wir haben stets das ältere Ziel im Auge, all- 
gemein gebildete, humane Aerzte heranzuziehen.» 

Diesem Vortrage folgte seine Excellenz, Herr Kultusminister 
v. Seydewitz. der den Kongress im Namen der Sächsischen Re- 
gierung willkommen heisst. Durch sein Erscheinen wolle er beweisen, 
welches Verständniss für die Wichtigkeit des Kongresses die 
Königliche Regierung habe. Die ärztliche Wissenschaft strebe darnach, 
einestheils dunkle Gebiete zu beleuchten, anderntheils praktische 
Thätigkeit anzuregen. Möge auch die Arbeit dieser «wahrhaft er- 
lauchten Versammlung» die Wissenschaft auf diesem Wege einen 
Schritt weiter führen, damit mehr und mehr das Leben über den 
Tod triumphire. 

Nun folgt der Bürgermeister der Stadt Leipzig, Dr. Trendlin 
und begrusst die Versammlung namens der Stadt. Leipzig könne 
zwar weder mit Wiesbadens Naturpracht, noch mit der Bedeutung 
jener Städte, in denen der Kongress bisher getagt habe, wetteifern, 
worin es aber allen jenen Orten gleich komme, das sei die Herz- 
lichkeit, mit der es den Kongress willkommen heisse. Er freue sich, 
dass auf der Liste derjenigen Städte, in die der Kongress periodisch 
wiederzukehren oeabsichtige, sich auch Leipzig befände. Das heute 
angeknüpfte Verhältniss sei also voraussichtlich kein vorüber- 
gehendes, sondern ein dauerndes. Er wünsche, dass daselbe sich 
stets zur allgemeinen Befriedigung gestalten möge. 



*) Obgleich wir bereits in den früheren Nu nmern einen kurzen 
offiziellen Bericht über den Leipziger Kongress gebracht haben, dürfte 
hei der Wichtigkeit der hier behandelten Fragen ein ausführlicher Bericht 
unseres Korrespondenten den Lesern willkommen sein. 



■ 



#**.— 






Original from 
UNIVERSITYOF MICHIGAN 



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Internationale Klinische Rundschau 1892. 



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Darauf ergriff das Wort Se. Magnificenz der Professor der 
Theologie Or. Lrpsirjs, zur Zeit Rektor Magnificus, im Namen der 
Universität. Dieselbe würde den Namen einer universitas litterarum 
nicht verdienen, wurde sie es unterlassen, die heutige Versamm- 
lung zu begrüssen. Die Universität wisse es wohl anzuerkennen, 
wie viel sie gerade der medizinischen Fakultät zu verdanken habe, 
und so heisse er die Vertreter der Medizin, die aus allen Ländern 
herbeigekommen seien, herzlich willkommen. 

Herr Cürschmann dankt hierauf den Rednern für ihre Be- 
grüssung und schreitet zur Bildung des Komitee Es werden zu 
Vicepräsidenten ernannt die Herren Mannkopf, Senator, Mari- 
oliano und Rosbnstein, zu Sekretären die Herren Lenhartz, 
v. Noorden, Pbiper und Rieder. 

Nachdem noch das Andenken der verstorbenen Mitglieder 
durch Erheben vom Sitze geehrt worden ist, erhält zum ersten 
Vortrage das Wort Herr Birch-Hirschfeld (Leipzig), der an 
Stelle des durch Krankheit verhinderten Professor Biermer einen 
Vortrag über schwere anämische Zustände hält. 



Birch- Hirscfifeld (Leipzig): Ueber schwere anämische 

Zustände. 

Bierher, so beginnt der Vortragende, war Derjenige, der zuerst 
die allgemeine Aufmerksamkeit auf diese Krankheiten gelenkt hat, 
obwohl Bchon früher einzelne Forscher, wie z. B. Addison, sich 
damit beschäftigt haben. Man kann die Fälle schwerer Anämie, 
wenn man von denjenigen absieht, die durch plötzliche starke 
Blutverluste entstehen, zweckmässig in drei Gruppen eintheilen. 
Zu der 1. Gruppe gehört die sekundäre schwere Anämie zu 
der 2. die Chlorose, zu der 3. die perniciöse schwere Anämie. 
Die 1. Gruppe sei charaktersirt in einer Abnahme der rothen 
Blutkörperchen, ohne dasd der Hämoglobingehalt vermindert sei. 
Die 2. Gruppe ist als primäre Erkrankung anzusehen, bei 
welcher Veränderungen der Blutbildung mit einer Verengerung 
des Gefässsystems zusammenfallen zu Gesteigerter Eiweisszerfall findet 
hier nicht statt. Auch hier tritt eine Abnahme der rothen und eine 
Zunahme der weissen Blutkörperchen, sowie eine Abnahme des 
Hämoglobingehaltes ein. Bei der perniciösen Anämie der dritten 
Gruppe tritt ein Zerfall des Blutes und der Gewebe auf; die rothen 
Blutkörperchen zeigen entartete Formen, sowie Detritus, daneben 
Regenerationsvorgänge. Den Zerfall der Gewebe haben Ponfick und 
Perl nachgewiesen. Der Zerfall der Gewebe und die Zerfallspro- 
dukte im Blute haben Biermer veranlasst, diese Krankheit als be- 
sondere Krankheitsform anzusehen. Schon am Lebenden entstehen 
deutliche Zeichen des Gewebezerfalls. Eichhorst hat nachgewiesen, 
dass der erhöhte Harnstoffgehalt des Urins, sowie die Peptonurie 
von diesem Zerfalle abhängt. Auch Redner hat in der Hälfte seiner 
Fälle Peptonurie beobachtet. In einem Falle 18 Tage lang. Eine ein- 
heitliche Aetiologie der schweren Anämie lässt sich bisher nicht 
aufstellen. Selbst für die 1. Gruppe fehlt dieselbe. Soviel steht fest, 
dass sie nie in Folge einer einmaligen noch so heftigen Blutung 
entsteht, sondern erst auf wiederholte kleinere Blutungen eintritt. 
Vielleicht verändert sich hierbei die Lymphe, vielleicht fehlt es an 
Zeit, damit die rothen Blutkörperchen sich regeneriien. Bei der durch 
Anchylostomen und andere Parasiten bedingten schweren Anämie wirken 
vielleicht toxische Substanzen mit. Gussbrow hat die schwere Anämie 
nach Geburten und schweren Wochenbetten gesehen. Eine schlechte 
Ernährung führt selten zu Anämien, so tritt sie niemals bei 
Oesophaguscarcinom auf, worauf Strümpell aufmerksam gemacht 
hat. Vielleicht spielen Lokalverhältnisse dabei eine Rolle. Jeden- 
falls ist es auffallend, dass die perniciöse Anämie in Zürich so 
häufig, in München hingegen fast niemals auftritt. Gleichzeitig sei 
bemerkt, dass Herr v. Ziemssrn auch die Seltenheit der Anämien 
überhaupt in München festgestellt habe. Wir müssen auch die Frage 
nach der innern Pathogenese der Krankheit stellen. Hier sind 
3 Momente in Betracht zu ziehen: 1. Störung der ßlutbildung, 
2. Zerfall des Blutes, 3. Kombination beider Zustände. Das Erste 
ist schwer nachzuweisen, da ja die Stätte der Blutbildung bisher 
noch nicht bekannt ist. Ziemlich wahrscheinlich wird das Blut im 
Knochenmark regenerirt. Milzveränderungen sind bei perniciöser 



Anämie nicht konstant, Veränderungen der Leber werden von 
manchen Forschern nachgewiesen. Mehr Anhaltspunktspunkte wie 
für primäre Erkrankung der blutbildenden Organe, vortragender sah 
in einem Falle von Knochensarkom perniciöse Anämie auftreten 
und man neigt zu der Ansicht, dass sich das Blut im Knochen- 
marke regenerire, findet man in dem Zerfalle der Blutelemente. So 
findet sich Eisengehalt der Leber, sowie Pigmentgehalt der innern 
Organe mehrfach. Auch der zuweilen vorkommende Ikterus könnte, 
auf einen Zerfall der Blutkörperchen hindeuten. Nach Silbbumann 
beruhe die Anämie auf einer Hämoglobinämie ; er konnte ex- 
perimentell einen der perniciösen Anämie ähnlichen Befund hervor- 
rufen. Auch Hunter nimmt eine Hämoglobinämie des Pfortader- 
systems an, erzeugt durch Parasiten ; auch bei Leber-Cirrhose habe 
man seine Anämie ebenfalls beobachtet. Unter den Fällen des 
Vortragenden befinden sich zwei Alkoholisten. Bei einzelnen schleichend 
verlaufenen Fällen wurde auch Hämoglobinurie bemerkt. Bei 
Chlorose ist im Gegensatz hierzu geringere Wässerigkeit des Blutes 
und erhöhte Gerinnbarkeit desselben zu konstatiren, so dass bei 
dieser Krankheit es sogar zu Thromben bildung kommt, was bei 
perniciöser Anämie niemals der Fall ist. Heyem hat nachgewiesen, 
dass die Blutplättchen, die er für die erste Anlage des Blutes 
hält, bei perniciöser Anämie gänzlich fehlen. Es ist interessant, 
dass nach Einführung von Toxinen in das Blut diese Plättchen 
ebenfalls verschwinden. «Meine Auffassung > so schliesst der Redner, 
«geht dahin: 1. Die schweren anämischen Zustände sind charak- 
tensirt durch Veränderung und Zerfall der Blutkörperchen und der 
Gewebe; 2. die Krankheit wird eingeleitet durch einen Zerfall der 
rothen Blutkörperchen, erst später schlitsst sich an denselben ein 
Zerfall der Gewebe. 3. Die verschiedensten Schädlichkeiten, die zu 
einer Veränderung des Blutplasmas führen, können perniciöse 
Anämie hervorrufen ; diese schliessen sich 4. entweder an genannte 
Ursachen an oder sind kryptogenetischen Ursprungs. Solche Schäd- 
lichkeiten sind 5. unter den bekannten häufigen Blutungen, Dys- 
pepsien, Parasiten, Schwangerschaft, akute Infektionskrankheiten, 
und Syphilis zu finden. Endlich finden sich 6. auch unbekannte 
Ursachen. Was die Behandlung betrifft, so ist die Eisendarbietung 
ohne jeden Nutzen. Arsen-Behandlung ist erfolgreicher, da jedoch 
das Arsenen an und für sich einen Zerfall der rothen Blutkörperchen 
bewirkt, so kann seine günstige Wirkung nur auf Umwegen ge- 
schehen. Im Beginn der Krankheit dürfe eine diätetische und 
klimatische Kur den meisten Erfolg versprechen. 

Es ergreift hierauf der Koreferent, Herr Ehrlich (Berlin) das 
Wort. Nach einer Schilderung seiner Methode, Blutpräparate zu 
gewinnen, bei welcher es darauf ankommt, möglichst dünne und 
möglichst reine Deckgläschen mit einer feinen Schicht Blutes zu 
belegen, berichtet er über seine Befunde. Auch er bestätigt die 
Angabe des Vorredners, dass im Blute sich Degenerations- und 
Regenerations-Vorgänge gleichzeitig abspielen. Man findet im Blute 
Poikilocyten (Schistocyten) als Fragmente rother Blutscheiben. 
Sowohl er als Marigeliano haben diese Schollen als Produkte 
einer Goagulationsnekrose aufgefasst. Endlich sei noch eine Form 
der Degeneration der Blutscheiben zu beobachten, die Ehrlich als 
hämoglobinämische bezeichnet. Dieser letztere Zustand ist dadurch 
kenntlich, dass sich im Innern einer Blutscheibe ein bis zwei 
Körperchen vorfinden, die aus mortificirtem Hämoglobin bestehen. 
Dieses sind die degenerativen Formen. Die regenerativen Formen 
hingegen sind erkennbar am Auftreten von zwei Formen kern- 
haltiger Blutkörperchen, den Normoblasten und deren Megalo- 
blasten; diese beiden Formen sind prinzipiell verschieden. Die 
Normob'asten entsprechen den Blutkörperchen Erwachsener, die 
Megaloblasten denjenigen der Embryonen. Aus den Normoblasten 
wird der Kern ausgestoßen und bildet sich zu einem neuen 
Normoblasten um, bei den Megaloblasten aber wird der Kern 
resorbirt. Bei sekundären Anämien findet man Normoblasten oft 
in grosser Menge, Megaloblasten hingegen in sehr geringer Zahl. 
Im Knochenmark hingegen treten bei perniciöser Anämie die 
embryonalen Zellen massenhaft auf, es scheint also hier gewisser- 
massen ein Vorgang stattzufinden, das veraimte Blut wieder mit 
jungen Zellen zu versorgen, eine Art Kompensation der Blutbildung 
scheint im Knochenmark eingeleitet zu sein. Doch in den aller- 
schwersten Fällen vermisst man Megaloblasten im Knochenmarke. 






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UNIVERSITYOF MICHIGAN 



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873 



Internationale Klinische Kundschau 1892 



874 



Diskussion: Herr Troje (Berlin) berichtet, dass er an den 
Zellen des Knochenmarkes Uebergänge der kleinen Zellen in 
Megaloblasten nie gesehen habe, sodass er beide Formen als 
gleichwerthig neben einander stehend ansprechen müsse. 

Herr Fürbringer (Berlin) hat 75 Fälle von schwerer Anämie 
beobachtet und 30 Sektionen gemacht. In den meisten Fällen 
konnte die Diagnose aus dem Blutbefunde gemacht werden; doch 
auch hier gibt es Ausnahmen. In einem Falle, in welchem während 
des Lebens der mikroskopische Befund normale Zustände gab, 
zeigte sich bei der Sektion die typische Veränderung der pemiciösen 
Anämie. Nicht der Befund der Makrocyteo an sich sichert die 
Diagnose, sondern ihre Zahl; die Diagnose der perniciösen Anämie 
sei erst dann gesichert, wenn mindestens der 4. Theil der Blut- 
körperchen aus Makrocyten bestehe. Er habe dabei das auffallende 
Faktum gesehen, dass das Blut keineswegs blass aussah, vielmehr 
dunkel, ja sogar theerartig. Was die Heilungsresultate anbetreffe, 
so habe er freilich nur 4 zu verzeichnen und zwar unter dem 
Gebrauche von Arsenik; hingegen habe er eine grosse Anzahl von 
Besserungen gesehen. 

Herr Klebs (Zürich) erinnert daran, dass er in einer Anzahl 
von Fällen perniciöser Anämie sicher Flageilaten nachgewiesen habe, 
Parasiten, die ja in normalem Blute niemals vorkommen. Diese 
Fälle unterscheiden sich aber von den sonst typischen der Anämie 
dadurch, dass sie mit Fieber und Milzvergrösserung einhergingen. 

* 

Herr Litten (Berlin) ist der Ansicht, dass die Mikrocyten und 
die Poikilocyten nicht diejenige Bedeutung haben wie die Megalo- 
eyten. Wie wenig Blutverluste zur perniciösen Anämie führen, 
konnte experimentell dadurch festgestellt werden, dass sie bei 
Thieren nicht zu erzeugen war, bei denen man 7 Tage hinter- 
einander je 1 / 7 ihres Gesammtblutes entzog, «o dass nach dieser 
Zeit eine Erneuerung dieses Blutes stattgefunden haben musste. Es 
ist möglich, dass sich schwere Fälle auf Infektionen zurückführen 
lassen. Redner hat niemals Flageilaten gefunden, hingegen hat er 
im Blute fast aller Menschen gewisse weisse cylindrische Gebilde 
gesehen, von denen er aber keine Deutung zu geben vermag. 

(Fortsetzung folgt.l 



Briefe aus dem Deutschen Reiche. 

(Originalbericht der Internationalen Klinischen Rundschau.) 

Berlin, 10. Mai 1892. 

Weiteres über die Disziplinarbefugnisse der Aerztekammer- 

und Reform des Central-Ausschusses. 

Der Kampf, den wir in unserer letzten Korrespondenz an- 
gekündigt haben betreffs der wichtigen Frage der Erweiterung der 
Disziplinargewalt der Aerztekammern, hat sich inzwischen auf der 
ganzen Linie lebhaft entwickelt. Noch schwankt das Zünglein. Es 
stehen mehrfach noch definitive Berichte aus. Wir bringen zunächst 
den aus der uns nächst liegenden Kammer, aus der Kammer der 
Stadt Berlin und der Provinz Brandenburg, welche vor etlichen 
Tagen (am Sonnabend den 7) mit grosser Majorität (gegen 6 
Stimmen) die Zulassung einer Erweiterung der disziplinaren Be- 
fugnisse der Aerztekammern im Prinzip angenommen, im weiteren 
aber folgende Resolution angenommen hat: 

<Die Aerztekammer Berlin-Brandenburg hält die Erweiterung 
der ehrengerichtlichen Strafgewalt der Aerztekammern im Interesse 
des ärztlichen Standes für wünschenswerth. Es wird dabei vor- 
ausgesetzt: 1. dass die beamteten Aerzte mit Einschlug der Militär- j 
ärzte des Friedensstandes, soweit sie ärztliche Praxis ausüben, 
der ehrengerichtlichen Strafgewalt bis zum Abschluss der Vor- 
untersuchung nicht entzogen werden; 2. dass der §. 5. der königl. 
Verordnung vom 25. Mai 1887, betreffend die Einrichtung einer 
ärztlichen Standesvertretung, dahin ergänzt werde, dass ausser 
der Entziehung des Wahlrechts, welche als höchste Strafe be- 
trachtet wird, die Aerztekammer Warnung uni Verweis auszusprechen 



berechtigt sei; 3. dass der Vorstand der Aerztekammer die Be- 
fugniss habe, ehrengerichtliche Gutachten bei Streitigkeiten von 
Aerzten untereinander abzugeben; 4. dass Geldstrafen, wie Ent- 
ziehung der Approbation zu verhängen nicht beabsichtigt werde; 
5. dass die Mehrheit des Ehrengerichts sowie der Berufungsinstanz 
aus Aerzten besteht.» 

Hinsichtlich der Berufspflichten der A erzte wurde beschlossen: 

< Bevor die Berufspflichten der Aerzte, soweit solche nicht 
durch das Strafgesetz oder Polizeiverordnungen gegeben und bereits 
der Beurtheilung der gewöhnlichen Gerichte unterstellt sind, durch 
eine Medizinalordnung festgestellt sein werden, wünschen wir 
nicht, dass Verletzungen der Berufspflicbten dem ehrengerichtlichen 
Verfahren unterliegen. Es steht aber dem Ehrengericht zu, zu 
entscheiden, ob nach Verurtheilung von Aerzten wegen Verletzung 
ihrer Berufspflichten durch den gewöhnlichen Richter ausserdem 
das ehrengerichtliche Verfahren einzuleiten ist.» 

Dieser Beschluss hat insofern nichts Ueberraschendes, als 
der Au8schuss der Aerztekammern ja von vornherein geneigt war, 
auf die Erweiterung einzugehen. Aber wenn man an die Ver- 
handlungen anderer kollegialer Kreise denkt, an die Verhandlungen der 
Berliner medizinischen Gesellschaft und der ausserdem ad hoc 
einberufenen allgemeinen Aerzte- Versammlung, — so erhält man 
ein Kontrastbild. Denn in beiden Versammlungen ist die Erweiterung 
mit erdrückender Majorität abgelehnt worden. Indess die Stimme 
der Kammer, als der zuständigen Instanz in der Frage, ist die 
massgebende der Regierung gegenüber, und wenn, wie es scheint, 
die meisten anderer Kammern in demselben Sinne beschliessen 
werden, dann werden wir ein neues Blatt in den Kranz derer 
winden, welche das Heil unseres Standes in einer Art Verstaat- 
lichung oder in dem Eldorado mit der Aufschrift «hinaus aus der 
Gewerbe-Ordnung» zu finden glauben. Letztere ist gewissermassen 
der Prügeljunge für alle Schäden des ärztlichen Standes. Gewiss 
hat die Anwendung der Gewerbefreiheit auf die Aerzte manche 
Schäden zur Folge, allein sie hat uns doch so kostbare Güter ge- 
bracht, dass wir uns doch besinnen sollten, das Kind mit dem 
Bade auszuschütten und als landatores temporis acti aufzutreten. 
Offenbar steuern wir in einem rückläufigen Fahrwasser. Jene Er- 
klärung hierfür findet man vielleicht, wenn man, was wir schon 
öfter betont haben, die socialärztliche Bewegung im Lichte der 
allgemeinen socialen Bewegung, d. h. als Theilerscheinung, zu be- 
trachten versucht, dann erklärt sich uns so Manches! 

In letzterem Sinne wollen wir noch weiter berichten über 
die jüngst angedeuteten Reform- Bestrebungen des Central-Aus- 
schusses der Berliner ärztlichen Bezirks-Vereine. Diese Bestrebungen — 
Vereinfachung des Geschäftsganges, Revision der Statuten, häufigeren 
Sitzungen, Einberufung allgemeiner Versammlungen u. s. w. — werden 
voraussichtlich noch im Laufe d. M. ihren Abschluss finden. Eine 
Rolle spielt dabei die Stellung zweier noch seibstständiger Vereine, 
IX und X von welchen wir m unserer letzten Korrespondenz be- 
richieten, dass sie den Eintritt in den Central- Ausscbuss begehren, 
jedoch den Aufnahme-Modus des Ballotements beibehalten wollen, 
während der Kassen-Arzt Aufnahme durch eine Aufnahme- Kommission 
vorschreibt. Dieses Reservatrecht erscheint harmlos, — so berichteten 
wir, — hat aber doch für die Eingeweihteren einen eigentümlichen 
Beigeschmack, der an Strömungen auf politischem und konfessionellem 
Gebiete erinnert, daher in kollegiale Vereine, noch dazu ärztliche 
Vereine, nicht hineingetragen werden darf.» Wir halten diesen 
Standpunkt nach wie vor fest, und freuen uns heute berichtigen 
zu können, dass der X. Verein mit diesen Strömungen nichts zu 
thun haben will, ebenso wie wir das von dem IX. Vereine mit 
Freuden begrüssen müssen, damit der Central-Ausschuss durch den 
endgiltigen Eintritt der beiden Vereine auf gesunder Basis, gestärkt 
aus seiner jetzigen Krise hervorgehe und so als der unbestrittene 
Repräsentant unserer Standesangelegenheiten in Berlin für die Ge- 
sammtheit weiter wirken könne. K. 






Original from 
UNIVERSITY OF MICHIGAN 



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Internationale Klinische Rundschau 1892 



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Tagesnachrichten und Notizen. 



(Aerztliches Vereinsleben in Wien.) Zu Beginn 
der am 20. d. M. abgehaltenen Sitzung der k. k. Gesellschaft der 
Aerzte ergriff der Vorsitzende Hofrath Prof. Krafft-Ebing das 
Wort zu folgender Ansprache : «Indem ich heule die Sitzung eröffne 
und damit mein Amt als Vorsitzender antrete, ist es mir eine 
angenehme Pflicht, den Anwesenden meinen verbindlichsten Dank 
auszusprechen für die hohe Ehre, der Sie mich für würdig erachtet 
haben. Möge es mir vergönnt sein, mich ihres Vertrauens würdig 
zu machen und ein Schärflein beizutragen, das Interesse der Ge- 
sellschaft zu fördern.» Die Theilnahme der Gesellschaft wurde während 
der ganzen Silzung durch eine Reihe interessanter Demonstrationen 
rege gehalten. Zuerst stellte Prof. Urbantschitsch einige 
Patienten vor, um an denselben seine Methode der Durchleuchtung 
des Processus mastoideus zu demonstriren und die er als einen 
nicht unschätzbaren diagnostischen Behelf bei Affektionen des 
Processus mastoideus hinstellt. Weniger Glück halte Prof. Adam- 
kiew icz mit der Demonstration eines 47 Jahre alten Patienten, 
der an einem Epitheliom der Unterlippe und carcinomalösen 
Drüsenschwellungen litt. Während Prof. Adamkiewicz diesen 
Fall als einen in Heilung begriffenen hinstellte, stellten Prof. 
Kundrat, Weinlechner, Hofmokl und Hofrath D i 1 1 e 1 
dies entschieden in Abrede. Dr. Frank demonstririe hierauf 
eine Patientin, bei welcher wegen eines dem Coeeum angehörenden 
Tumors die Darmausscbaltung, wie sie Dozent Hochenegg schon 
einmal in der Gesellschaft erklärte, mit günstigem Erfolge vor- 
genommen wurde. — Prof. Hofmokl stellt hierauf einen Patienten 
vor, bei welchem nach einem Hufschlage in die Schläfe ein aus- 
gebreiteter Defekt der Kopfknochen zur Ausheilung kam. Prof. Hof- 
mokl demonstrirt ferner ein Präparat, welches einer Patientin ent- 
stammt, die wegen Intussusception laparotomirt wurde. Es bestand 
der seltene Fall von Inlussusception des Colon ascendens gegen 
das Quercolon, bedingt durch ein polypenartiges in den Darm 
wachsendes submucöses Lipom. Prof. Weinlechner berichtet 
anschliessend an die von Hofmokl demonstrirten Fälle über 
ähnliche Affektionen aus seiner eigenen Praxis. — Prof. Kund rat 
ergreift hierauf das Wort zu einigen Bemerkungen, welche sich auf 
die Diskussion über die Wasserversorgung beziehen, u. zw. sagte 
Prof. Kund rat Folgendes: < VI. H ! Als Sekretär der Gesellschaft 
fühle ich mich verpflichtet, Angelegenheiten zur Sprache zu bringen, 
die wohl keinem Mitgliede gleichgiltig sein können; zunächst die 
Thatsache, dass am Tage nach der Schlusssitzung über die 
Wasserfrage von den hiesigen Journalen berichtet wurde, dass Prof. 
Suess auch über die Donau-Nutz Wasserleitung gesprochen habe. Wie 
Sie wohl wissen werden, hat dies Prof. Suess nicht gethan, sondern 
er erklärte ausdrücklich, dass er dies unterlasse, weil er dazu nicht 
aufgefordert sei. Dagegen findet sich in den Journalen die in dieser 
Frage wichtige Aeusserung Prof. Suesa nicht erwähnt, dass unter 
dem Steinfelde Tiefquellen wasser genug vorhanden sei, um ganz 
Wien damit zu versorgen. Wäre ich damals in Wien gewesen, so 
hätte ich um die Richtigstellung ersucht, so erfuhr ich aber erst später 
davon und habe es deshalb unterlassen. Da mittlerweile andere 
Vorkommnisse es geboten erscheinen lassen, dass eine Berichtigung 
erfolgt, ?o glaubo ich berechtigt zu sein, das Ersuchen an die 
Journale zu richten, den Bericht vom 7. Mai richtig zu stellen. 
Sie werden auch gehört haben, dass im Wiedner fortschrittlichen 
Vereine die Gesellschaft der Aerzte und ihre Resolution bezüglich 
der Wasserversorgung Wiens eine so abfällige Kritik und Anfeindung 
erfahren hat, dass dieselbe nicht stillschweigend übergangen werden 
kann, zumal diese — vorausgesetzt dass die Angaben der Journale 
richtig sind — in erster Linie von keiner geringeren Persönlich- 
keit, als dem Bürgermeister Wiens selbst ausgeht. Ich glaube, 
dass die Gesellschaft voll berechtigt ist, zu bedauern, dass der 
Bürgermeister vergessen hat, in welcher loyalen Weise die Ge- 
sellschaft der Aerzte den sanitären Fragen Wiens stets ent- 
gegenkommen ist. Es ist erstaunlich, dass es der Bürgermeisler 
selbst unternimmt, das Ansehen der Gesellschaft zu erschüttern und 
zu untergraben, deren Urtheil er in anderen Angelegenheiten anruft. 
Wie Sie wissen, werden wir ja demnächst bezüglich der neuen 
Baupläne zu verhandeln haben. Es ist erstaunlich, dass er als Laie 



sich über das Gutachten der ersten und besten Fachleute hinweg- 
setzt und es wagt, in einer so wichtigen Angelegenheit, wie es die 
Wasserversorgung Wiens ist, durch welche ja das Wohl von Tau- 
senden, ja von ganzen Generationen beeinflusst wird, die Verant- 
wortung allein auf sich zu nehmen, indem er so entschieden für 
die Donau-Nutzwasserleitung eintritt. Was die Aeusserungen des 
Vii e- Bürgermeisters Dr. Richter anlangt, so haben diese ihre 
Korrektur in der Versammlung selbst gefunden. Sie sind übrigens 
derart, dass es nicht würdig wäre, sich hier weiter mit ihnen zu 
beschäftigen. Dagegen hat sich in derselben Versammlung Dr. 
Scholz zu Aeusserungen hinreissen lassen, die wir umsomebr be- 
dauern und abweisen müssen, als sie von einem Standesgenossen 
herrühren. Bei der allgemein anerkannten Würde und Ehrenhaftigkeit 
der Gesellschaft der Aerzte, sowie der Mitglieder, die bei der 
Debatte betheiligt waren, fällt die Schande einer Verdächtigung nur 
auf Dr. Scholz selbst zurück!» — Der von Regiments-Arzt 
Dr. Habart angekündigte Vortrag «Die Schusseffekte kleinkalibriger 
Kriegsgewehre mit Demonstration von Schusspräparaten und Ge- 
schossen» entfiel wegen der vorgerückten Stunde. Der ausführliche 
Bericht über den Verlauf der Sitzung und der Diskussion erscheint 
in der nächsten Nummer. — Der «Wiener medizinische Klub» hat 
für dieses Semester seine wissenschaftlichen Versammlungen sistirt, 
um dieselben im folgenden Semester fortzusetzen. Dr. Em. Mandl. 

(Vom Obersten Sanitätsrathe.) Nach Mittheilung der 
Einlaufe und Vorlage mehrerer beim Obersten Sanitätsrathe eingelangter 
wissenschaftlicher Werke erstatteten die vom Ministerium des Innern an- 
lässlich des Ausbruches einer Miliaria-Epidemie nach K r a i n 
entsendeten Obersanitätsräthe Hofrath Prof. Dr. A. Dräsche und 
Prof. Dr. A. Weichselbaum den im Wesentlichen bereits in 
einer Notiz in Nr. 20 d. Bl. zur altgemeinen Kenntnis gebrachten Be- 
richt über die vorläufigen Ergebnisse ihrer Thätigkeit im Epidemie- 
orte, durch welche der specifische Charakter dieser In- 
fektionskrankheitausserZweifel gestellt, wurde. Von 
laufenden Angelegenheiten galangten zur Erledigung : Gutachten über die 
bei der E i nsegn ung der Leichen in Ki rchen i n Betr ac h t 
kommenden sanitären Rücksichten (Referent: 0. S. R. 
Prof. Dr. A. Weichselbaum), ferner über die Verwendung 
unverzinnter Kupferkessel bei der Käsebereitung (Re- 
ferent; S. R Prof. Dr. Fl. K ratsch m er). Anläßlich der Ver- 
handlung über letzteren Gegenstand wurde die Einleitung um- 
fassender Untersuchungen über den Kupfergehalt der in kupfernen 
Kesseln erzeugten Käsesorten verschiedener Provenienz in Antrag 
gebracht. Am Schlüsse gelangten zwei Initiativanträge zur 
Annahme. Mit dem ersten wurde empfohlen, dass mit Rücksicht 
auf das im Reichsrathe zur Verhandlung kommende Gesetz, be- 
treffen! die Regeluag der konzeisionirten Baugewerbe, hingewirkt 
werde, dass zum Befähigungs-Nachweise für Bau- und 
Brunnenmeister em gewisses bei der Prüfung nachzu- 
weisendes Mass bauhygienischer Kenntnisse ge- 
fordert werde. Mit dem zweiten Antrage wurde mit Rücksicht auf 
den Unfug, dass nichtärztliche Personen unter den verschiedenen 
Formen sich gewerbsmässig mit Ort hopäd i e befassen und 
eine «orthopädische Thätigkeit» ankündigen, die Notwendig- 
keit dargelegt, ein derartiges Vorgehen zu verbieten, weil die Ortho- 
pädie einen besonderen, sehr gründliche medi- 
zinische Kenntnisse voraussetzenden Zweig der chi- 
rurgischen Wissenschaft darstellt, dessen Ausübung in sani- 
tärer Beziehung häufig von solcher Tragweite ist, dass die Befassung 
mit diesem Zweige der Heilkunde unbedingt an die persönliche Aus- 
übung des ärztlichen Fachmannes geknüpft werden muss. 

(Uni versi tä ts- und Persona I n ach ric h te n.) Der 
Kaiser hat dem ersten Leibarzte des Königs der Belgier, Med. Dr. 
Georg Wimmer, den Stern zum Komthurkreuze des Franz Josef- 
Ordens und dem praktischen Arzte in Aleppo, Med. Dr. Josef 
Zakrzewski, das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens verliehen. — 
Der Kaiser hat ferner die Uebernahme des mit Wartegebühr be- 
urlaubten Oberstabsarztes I. GL Dr. Wilh. Tonner, des Gamisons- 
Spitales Nr. 3 in Przemysl nach dem Ergebnisse der neuerlichen 
Superarbifirung als zum Truppendienste im Heere untauglich, zu 
Localdiensten geeignet, in den wohlverdienten Ruhestand angeordnet. 






OfiüiriLiI fron» 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 




877 



Internationale Klinische Rundschau 189*2. 



878 



und demselben bei diesem Anlasse in Anerkennung seiner langen, 
pflichttreuen und im Kriege ausgezeichneten Dienstleistung, den 
Orden der eisernen Krone taxfrei verliehen. — Zu Professoren am 
Jefferson Medical College in Philadelphia wurden ernannt: Dr. Monl- 
g o m e r y für Gynäkologie, Dr. D e r c u m für Neurologie, Dr. G ra h a n 
für Kinderkrankheiten, Dr. Stelwagon für Dermatologie und Dr. 
C o p 1 i n für Hygiene. 

Budapest. Aus Budapest schreibt man uns: Der Central- 
ausschu88 der Wanderverjammlungen ungarischer Aerzte und Natur- 
forscher, hat unter Vorsitz des Prof. Dr. Josef Szabö eine Sitzung 
abgebalten, an welcher der Obergespan Michael Maurer, als 
Präsident der diesjährigen in Kronstadt (Siebenburgen) statt- 
findenden Wanderversammlung theilnahm. Obergespan Maurer 
erklärte, dass sowohl die Stadt als das Komitat Kronstadt grosse 
Vorbereitungen getroffen haben zum Empfange der Wanderver- 
sammlung, was der Ausschuss mit Freude zur Kenntniss nahm. 
Bisher sind 83 Vorträge angemeldet und kommen noch immer 
neuerliche Anmeldungen an. Zur Hinabreise nach Kronstadt arrangirt 
der Ausschuss einen Extrazug. — In der jüngsten Sitzung der 
ungarischen Akademie der Wissenschaften hat Prof. Ludwig von 
Than hoffer einen Vortrag gehalten unter den Titel: «Neuere 
Beiträge betreffend die Nervenendungen der quergestreiften Muskel- 
fasern und die Entwicklung derselben, sowie ihrer Nerven im 
lebenden Organismus», und die Ergebnisse der an menschlichen 
und thierischen Muskeln und ihren Nervenendigungen angestellten 
Studien, durch prachtvolle Abbildungen illustrirt. Hierauf legte 
Prof. Ferdinand Klug eine Abhandlung des Assistenten im physio- 
logischen Institute, Dr. Hermann L an d a u e r vor, unter dem Titel: 
«Ueber sensible und vasomotorische Nerven der Muskeln.» Die in 
den Muskeln nachgewiesenen sensiblen Nerven dienen zur Empfin- 
dung der Müdigkeit und des Grades der Muskelkontraktion ; die 
feinen Nervenfaden der Blutgefässe entstammen muskelbewegenden 
Nervenfasern. Schliesslich hat Prof. Karl v. Than eine Abhandlung 
Stefan Bugarszky's; «Studien aus der chemischen Statik» vor- 
gelegt. 

Rom. Der XI. internationale medizinische Kongress wird, 
so weit bis jetzt das Komite" es festgestellt hat, im September 
1893 tagen. Der Tag ist noch nicht festgesetzt. 

Philadelphia. Zur Errichtung eines anatomischen und 
biologischen Museums in Philadelphia hat der General Isaak J. 
Wistar 4,000000 M. und zur jährlichen Unterhaltung desselben 
einen Fond gestiftet, der die Summe von 120000 M. abwirft. Der 
Onkel des Gebers war einst Prof. der Medizin an der Universität 
von Philadelphia, zu dessen Ehre das Institut dessen Namen 
tragen soll. 



(Todesfälle.) In Berlin starb am 5. d. M. in Folge einer Apo- 
plexie der berühmte Professor der Chemie an der Berliner Universität 
Wilhelm v. Hofmann, im Alter von 74 Jahren. Hofmann war ein 
Schüler Liebig's und nicht nur durch seine hervorragenden Leistungen, 
sondern auch durch seine vorzüglichen Charaktereigenschaften einer der 
gefeiertesten Lehrer Deutschlands. Die Entdeckung der Anilinfarbstoffe, 
die man ihm verdankt, war ebensowohl für viele Zweige der Technik, 
als auch für die histologische und bakteriologische Forschung von ent- 
scheidender Bedeutung. — Am 5. Mai L J. verschied an den Folgen eines 
apoplektischen Insultes. Dr. Julius Put z ler- Kolbenschlag, Stadt- und 
Secundararzt des Allgemeinen Krankenhauses in Carlsbad im 40. Lebens- 
jahre. — Am 1. Mai 1. J. verstarb zu Mautern bei Krems der k. und k. 
Oberwundarzt i. R, Georg Kiener, im 66. Lebensjahre — Dr. Casimir 
Musialowicz, Stadtarzt in Betz starb am 11. April, 40 Jahre alt, an 
Typhus — Dr. Josef Frankfurter, Stadarzt in Stanislau starb am 
5. April, 48 Jahre alt. — Dr. Anton Ciecha n ow i cz, herrschaftlicher 
Arzt in Tarnobrzeg, 40 Jahre alt, starb an Flecktyphus. — Prakt. Arzt 
Donat Pistol starb am 4. Februar, 59 Jahre alt. — Dr. Anton Plesky 
starb in Ossowa-Bitischka. — Dr. Josef üamper starb in Payerbach. 
— Dr. Paul Kreis starb in Hinterbrühl. 



Dr. Sigmund Alexander, seit 14 Jahren ausübender Arzt 
in Pistyan empfiehlt sich hiermit den Herren Kollegen. 

Verantwortlicher Redakteur: Dr. Arthur Schnitzirr . 



Aerztliche Stellen. 

Distriktaarztesstelle inKirchbach (Kä-nten). Mit derselben ist eine 
Jahresremuneration von 604*44 fl., und zwar 300 fl aus dem 
Landesfonde, 304*44 fl von den betreffenden Gemeinden, so- 
wie bis auf weiteres freies Quartier, eventuell 100 fl. Quartiergeld 
und jährlich 7 Klafter Brennholz von der Gemeinde Kirchbach ver- 
bunden, ausserdem för Dienstreisen und Vornahme der öffentlichen 
Impfung und Tudtenbeschau der Bezug der normirten Gebühren. Die 
Stelle wird nur unter der Bedingung der gegenseitigen zweimonat- 
lichen Kündigung veiliehen. Der jeweilige Distriktsarzt ist verpflichtet, 
eine Hausapotheke zu führen. Bewerber um diese Stelle wollen ihre 
gehörig belegten Gesuche längstens bis 15. Juni K. J. an die k. k. Be- 
zirkshauptmannschaft Hermagor einsenden. 

Distriktsarztesstelle in Grossmergthal, Gerichtsbezirk Zwickau, 
(Böhmen), mit cirka 6000 Einwohnern. Jahresgehalt 400 fl., Reise- 
kostenpauschale 100 fl. jährlich. Der betreffende Arzt hat die Armen- 
behandlung. Todtenbeschau und die Impfung in den zugewiesenen 
Gemeinden unentgeltlich zu besorgen, ist aber zur Führung einer Haus- 
apotheke berechtigt und würde mangels an Aerzten in der Umgebung 
eine lohnende Praxis linden. Die Anstellung erfolgt für das erste 
Jahr provisorisch und wird nach Ablauf dieser Frist bei zufrieden- 
stellender Dienstleistung in eine definitive umgewandelt, und gelten 
hiefür; sowie im Allgemeinen, die auf Grund des Gesetzes vom 23. 
Februar 1888 erlassenen Bestimmungen. Der Sitz des Distriktsarztes 
ist Grossmergthal, Knotenpunkt des Bezirksstrassennetzes, eine Stunde 
von Zwickau, anderthalb Stunden von Zittau entfernt; dortselbst be- 
findet sich ein k. k Postamt und eine vierklassige Volksschu'e. Be- 
werber um diese Stelle wollen ihre vollständig instruirten Gesuche 
bis längstens 15 Juni 1892 bei dem Bezirksausschusse in Zwickau 
überreichen. 

DisIrikUarztesstelle für den Sanitätsdistrikt Nr. 3 im Bezirke Poliöka 
(Böhmen) mit dem Amtssitze in Deutsch-Biela mit 9 Gemeinden, 
6492 Einwohnern und einem Flächenausmasse von 63 7 Quadratkilom. 
Nebst einem Gehalte von 400 fl. jährlich und einem Reise- 
pauschale von 20 fl. für je 10 Quadratkilometer stellt die Gemeinde 
Deutsch-Biela dem Distriktsarzte eine standesgemässe Wohnung un- 
entgeltlich zur Verfügung. Die nach § 5 des Gesetzes vom 23. Februar 
188H, L. G. BI. Nr 9. belegten Gesuche sind bis zum 31. Mai 1892 
lim dem Bezirksausschusse in Policka zu überreichen. 

Distriktsarztesstelle im Sanitätsdistrikte Aussergefild wurde, da sich 
Bewerber um diesen Posten nicht gefunden haben, neuerdings der 
Konkurs ausgeschrieben. 



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UNIVERSITYOF MICHIGAN 



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Internationale Klinische Rundschau 1892. 



880 



Verlag von Wilhelm Braumüller 

k. u. k. Hof- u. Universitäts-Buchhändler 

WIEN und LEIPZIG. 



Soeben erschien : 



Verhandlungen 



der 






* 

Dritter Congress 

gehalten zu Leipzig, 17.— 19. September 1891. 

Im Auftrage der Gesellschaft herausgegeben von 
Prof. Dr. A. Neisser, Breslau. 



8. XX. 419 Seiten. Hit 18 Tafeln. 9 fl. 60 kr. — 16 M. 



Der Band enthält u. A. folgende Vorträge: Kaposi: lieber die 
Behandlung der tuberkulösen Haut- und Schleimt-autaffektionen niit Tuber- 
kulin. — Urban: Demonstration von Lupusfallen, behandelt mit Excision 
und Hautverpflanzung. — Jadassohn: Demonstration von Unna's «Plas- 
mazellen» und von eosinophilen Zellen im Lupus und in anderen Geweben. 

— Jacobi: Pathologie und Pathogenese des Liehen scrophulosorum. — 
Schwimmer: Ueber Psorospermosis cutanea vegetans. — Neisser: 
lieber den gegenwärtigen Stand der Psorospermosenlehre 'mit Demon- 
strationen.) — Pick: Ist das Molluscum contagiosum contagiös. — Neu- 
mann (Wien): Ueber die histologischen Veränderungen der luetisch 
erkrankten Tonsillen, Uvula und der hinteren Racher. wand. — Spalte- 
holz (Leipzig): Ueber die Blutgefässe der Haut (mit Demonstrationen). — 
Neisser (Breslau;: Pathologie des Ekzems (Referat). — Veiel (Cannstadt): 
Therapie des Ekzems (Referat). — Pick (Prag): Zur Pathologie des 
Ekzems. — Blaschko (Berlin): Aetiologie und Pathogenese des Gewerbe- 
ekzems. — Ledermann (Breslau): Ueber den Fettgehalt der normalen 
Haut. — Neisser (Breslau): Ueber das Tumenol und seine Verwendung 
in der Ekzem-Therapie. — Arning (Hamburg): Pseudoleukaemie mit 
multiplen Haut-, Schleimhaut- und Muskel-Tumoren (mit Krankenvor- 
stellung und mikroskop. Demonstrationen) — Joseph (Berlin): Ueber 
Pseudoleukaemta cutis (mit mikroskop. Demonstrationen). — Neuberger 
(Breslau): Ueber Leukaemia cutis. — Galewski: Ueber Pityriasis rubra 
pilaris /mit Krankenvorstellung und mikroskop. Demonstrationen). — 
Veiel (Cannstadt): Krankenvorstellung eines fraglichen Falles von Mycosis 
fungoides. — Kollmann (Leipzig): Ueber Instrumente zur Strikturbe- 
handlung (mit Demonstrationen). — Lesser (Leipzig): Ueber Urticaria 
pigmentosa (Krankenvorstellurg). — Lesser: lieber Ichthyosis palmaris 
et plantaris (Kranken Vorstellung). — Lesser : Ueber Epidermolysis bullosa 
hereditaria (Krankenvorstellung). — Lesser: Ueber Aplasia pilorum inter- 
mittens (Krankenvorstellung). — Friedheim (Leipzig): Ueber Sklero- 
dermie (mit Krankenvorstellung. — Friedheim: Ueber den Zusammen- 
hang der Syphilis mit den Erkrankungen des Nervensystems. — Fried- 
heim: Ueber Lepra (mit Krankenvorstellung). — Doutrelepont (Bonn): 
Zur Pathologie und Therapie der Lepra (mit mikroskop. Demonstrationen). 

— Touton (Wiesbaden) : Zur Lehre von der Acne necrotica. — Kro- 
meyer (Halle): Beitrag zum feineren Bau der Epithelzelle (mit Demon- 
strationen mikroskop. Präparate). — Ehrmann (Wien): Ueber die Herx- 
heimer'schen Fasern in der Epidermis. — Winternitz (Prag): Versuche 
Über Hautresorption. — Galewski (Dresden): Ueber Herstellung von 
Hautphotographien zur Erklärung der von der Breslauer Dermatologischen 
Klinik ausgestellten Photographien. — Hammer (Stuttgart): Ueber den 
Einfluss des Lichtes auf die Haut. — Jadassohn (Breslau): Ueber Atrophia 
maculosa cutis frait mikroskop. Demonstrationen). — Neuberger (Breslau): 
Ueber den sogenannten Pemphigus neuroticus. — Caspary (Königsberg): 
Zur Diagnose des Scharlachs. — Barlow (Breslau): Ueber Chlorzinkstift- 
Behandlung bei Uteringonorrhoe (mit Demonstration). — Petersen 
(Petersburg): Ueber Temperatursteigerungen nach Injektionen von Hydrarg. 
palicyl. bei Syphilis. 



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Vorzügliches 
Diureticum. 



empl. von Prof. v. Schröder (Heideib.) u. Prot. Gram (Kopenh). 
Indlcirt bei Hydrops in Folge von Herz- und Nieren- 
leiden, wirksam auch wo Digitalis und ötrophantus versagten. 
Hat vor Calomel den Vorzug völliger Ungiftigkeit. 

Mit gröratem Erfolg angewendet von : 
Dr. A. Hoffmann (Klinik des Prot. Erb, Heidelb.), 
Dr. Koildohoaer (Klinik des Prof. von Sc« rotte r, Wien), 
Dr. Pfeffer (Klinik dea Prof Dräsche, Wien), 
Dr. E Frank (Klinik des Prof t. Jahnen, Prag), u. A. 



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Angewöhnung. 

Bestes Ersatzmittel des Morphiums. Vorzüglich be- 
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Morphium-Entziehungs-Kuren. Dosis die dreifache des Morphiums 

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Sanatorium und Kaltwasser-Heilanstalt, 

in Purkersdorf bei Wien. <*«t) 

In windgeschützter, staubfreier Lage im Wienerwalde, in einem 
150.000 Quadratmeter grossen Parke gelegen, enthält das Sanatorium 
alle Kurbehelfe einer medizinisch-chirurgischen sowie einer Kaltwasser- 
heilanstalt. 

Im Besonderen sind vorhanden: Badeanstalt mit Voll-. Douche- 
ii nd Dampfbädern. Wannen hadern. Elektrisches Bad (System Professor 
Gärtner), Inhalationskammern, pneumatische Kammern, Stahlquelle, 
Wandelbahn, sowie sämmtliche nothwendigen medizinisch-chirurgischen 
Instrumente und Apparate. 

Sämmtliche Räume sind bequem eingerichtet, elektrisch beleuchtet. 

Vorzügliche Verpflegung wird bei massigen Preisen geboten. 

Das Sanatorium eignet sich daher vorzugsweise zur Aufnahme 
von: Nerven- und Rückenmarkskrankheiten, Anämie. Rekonvalescenz 
nach schweren Krankheiten, Lungen- und Kchlkopfkrankheiten. Frauen- 
leiden. Magen- und Darmkrankheiten und Morphinismus. — Auskünfte 
ertheilt der Eigenthümer 

Dr. A_nfcoii Loe^w. 




Einbanddecken. 




Wir erlauben uns anzuzeigen, tlass für den Jahrgang 1891 der 
..Internationalen Klinischen Rundschau" und für den V. Band der „Klinischen 
zeit- und Streitfragen' 1 elegante Einbanddecken angefertigt wurden, und 
zwar können dieselben sowohl von uns direkt, als auch durch jede Bach- 
handlung für die „Internationale Klinische Rundschau ' um I fl., gleich 2 Mark, 
für die „Klinischen Zelt- und Streitfragen" um 60 kr., gleich I Mark 20 Pf. 
bezogen werden. 

Ih> Administration der Jirternaftonalen Kllnl«h«n Rnndschaa". 



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Original ftom 
UNIVERSITYQF MICHIGAN 



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881 



Internationale Klinische Kundschau 1892. 



882 




K. pr. Sanitätsrath 




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von Mitte Mai ab wie seit 1876 

Badearzt ia Wildbad Gastein 
(Winter: Kurarzt in Arco). 



(1201; 




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Dies von der Firma F. Ad. Richter & Cie. in den Handel ge- 
brachte Pepsin-Präparat erfreut sich der grössten Beliebtheit, sowohl 
wegen der prompten Wirkung, als auch in Folge des Urnstandes, 
dass die Pillen in höchst eleganter Weise mit Caoao überzogen sind. 
Sie enthalten bestes WirrB'sches Pepsin und die erforderliche Menge 
Salzsäure. Der Ueberzug ist leicht löslich, trotzdem aber hält er 
die Salzsäure zurück, was deshalb wichtig ist, weil bekanntlich 
die verdauende Kraft des Pepsins durch die Säure gefördert wird. 
Diese Pepsin-Pillen werden immer häufiger und mit sehr guten 
Erfolgen angewendet bei Verdauungstörungen (chronischem Magen- 
darmkatarrh und in Folge vorausgegangener Affektion (Rekon- 
valescenz) oder bei bestehender konstitutioneller Erkrankung, herab- 
gesetzter Verdauungskraft. Preis 70 kr. die Flasche. (iisö) 

Haupt-Depöt: Josef v. Török, Apotheker in Budapest. 




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Man verlange ausdrücklich in den Apotheken 

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von Farbwerke vwm. Meister Lucius & Brüning. Die Etiquettes der Büchsen 
zur Verpackung müssen das Facsimile des Namenszuges «Dr. Knorr» 
tragen. Dr. Knorr's Antipyrin ist in Wasser leicht und vollkommen löslich. 

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UCl IllalUI Jodoform ersetzend. Erfindung von Dr. Heinz und Dr. Liebrecht. 

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In sämratliche Buchsen ist unsere eingetragene „Löwenmarke" eingestanzt. 
Die Etlquettirung tragt den Namenszug der betreffenden Erfinder. 

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Tumenolsillfon (Tumenolöl) > patentirt 

Acidum SUlfotumenOliCUm (Tumenoipulver) j 

empfohlen von Herrn Professor Dr. Neiaser auf dem Dermatnlogen-Kongress in Leipzig. 

TnhorPiilnri iin von Prof«* 8 " Kiebs Bezuglich der Conceotration der Tubercu- 
I UUcri/UIULI Jlll locidinlösung bemerken wir, dass diese Lösung unter Benützung 
des gleichen Vol. von Tuberculinura Kochii hergestellt wird Dieas Cincentration be- 
zeichnet Professor Klebs in seinen Publikationen als lOOpercentig. Wir liefern von jetzt 
ab nur noch diese Lösung, und zwar nur in Mengen von 2, 5, 10 und 25 kern zum Preise 
von Mark 6.— per kern. 

Man hüte sich vor Nachahmungen. — Alleinige Fabrikanten obiger Produkte eine*: 

Farbwerke vorm. Meister Lucius & Brüning, Höchst a. Main 

Ausserdem liefern dieselben: 

Benzoesäure an« Tolnol. Renorcln ehem. rein. 

Culiiolln pur. ti pnrl»«. resnbl. albiu. 

Cbinolln purim. Vrelhao. 

a Naphlol ehem. rein, krlnl. Pnenyluretnan. 

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Farbwerke vorm. Meister Luolua & Brüning:, Höchst a. M. 



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Inhaber mehrerer kaiaerl. und königl. österr. und Ungar . sowie ausländischer Pri- 

vil'gien und Auszeichnungen etc. 
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laulfirils, Kranken-?. oll- Trag- und Fahrstühlen und Wögen fürZimmor, Garten 
und S ra*«-\ lla«l>r-, Schlitter- und Schiebkorrpn-Trapen. Rückentraestnhlen, Lnft- 
stlihlei I»tr Feuerwehren, fu«- Touristen etc. — Uebernahm^ von Krank-ntransoorten 
m vo.1 und nncfl \, «n mittels Trag- und Fahrbetten, Stühlen und Kranken-Equipagen 
(«igens xn diesem /wecke gebaute Sanltatslanduuer.) — lllustrire Prels-Prospscte 

gratis und franco. (1074) 



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Hydropatische und Molken-^F heilanstalt. Klimatischer Kurort, 
trisehe-, Massage-, Milch- Kuren etc. Saison 1. Mai bis 30. 

Arzt: Dr. Edm. Kowalski. Post, Telegraf, Bahnstation. Auskünfte und Prospe 
(1161) durch die Kade-f ii*pekt ion. 



österr. 
Schlesien. 

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UNIVERSITYOF MICHIGAN 



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Internationale Klinische Rundschau 16H2. 



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Jod- 

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Stärkste Jod-Soole des Kontinente«. Glänzende Heilerfolge bei allen 
»krophulöaen Erkrankung en, sowie bei allen Erkrankungren der Ge- 

«ohleohUorg-ane and denn beiderseitigen Folgren. 
Vorzug-Hohe Kureinriohtung-on (Bader u. Trinkkar, Einpaokung-en, 
Inhalationen, Massage, Kofyr). Sehr g-ün»tlg-e kllmatlsohe Ver- 
haltnisse; Bahnstation, Reiseroute über Linz a. d. D. oder Stoyr. 

8alson vom 1£>. Mai Mb 30. September. 

(HSSr Ausführlich.' 1 rospekte in mehreren Sprachen durch die 

Kurverwaltung in BAD HALL. 





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(Liquor ferri peptonati Pizzala). 

Seit sehn Jahren nur in berufenen Fachblättern bekannt 
gegeben, erfreut sich dieses bewährte Präparat hohen Ansehens 
und ausgezeichneter Anerkennung in der medicinischen Welt, 
in weitesten akademischen und ärztlichen Kreisen Deutschlands. 
Es steht auf wissenschaftlicher Höhe und bietet eine nach 
eigenem Verfahren hergestellte chemische Verbindung von Eisen 
mit derjenigen Umsetzung des Albumins, wie sie der Arzt und 
Physiologe einzig gebrauchen kann: cHemialbumoMe und 
Pepton». Das Medicament ist bei Bleichsucht, Blut- 
armuth, Reconvale&cenz, Magen- und Nerven- 
leiden von ebenso rascher, wie zuverlässiger Wirkung und 
greift die Zähne nicht an, sowie es auch selbst von dem 
schwächsten Magen vertragen und sicher resorbirt wird Es 
zeichnet sich durch milden Geschmack, angenehme Form, be- 
deutende Haltbarkeit und billigen Preis hervorragend aus, ist 

anerkannt das vorzüglichste, von keiner Nachahmung 

erreichte Eisenmedicament der Neuzeit. — Prospecte mit 

Analysen, sowie Proben und Material zu Versuchen 

gratis und franco direct von der Fabrik in Linz a. D. 
zu beziehen. 

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Linz a. d. Donau. Ober-Oesterreich. 



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568 Meter — besitzt drei kohlensäurereiche, alkalisch-erdige Eisentrink-Quellen, 
Mineral-. Moor-, Douche-Bäder und eine vorzügliche Molken- und Milchkur-An- 
stalt. Namentlich angezeigt bei Krankheiten der Respiration, der Ernährung und 
Konstitution. Frequenz 7000 Personen. 6 Bade-Aerzte Saison-Eröffnung Anfang 
Mai Eisenbahn-Endstation Rückers-Reinerz 4 km. Prospekte gratis und franco. 



Gleichenberg- 



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Dr. Martin Szigeti hat 
seine Kurärztliche Praxis in 
(Ileichenber? am 3. Mai auf- 
genommen. (Villa Karlsruhe.) 



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Aerztliches Pädagogium 

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in Tulln bei Wien. 

Arzt: Dr. S VlffM von Kreutsinfeld. Pidagug»; Dr. S. Krenbor K «r 

ProspeolS wollen auf Wunsch zugesendet. 








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Ichthyol, 

mit Erfolg angewandt bei: Frauenleiden, 

Rheumatismen aller Art, bei Hals- und 
Nasenleiden, bei vielen Krankheiten der 
Haut, der Blase, des Magens und Dann- 
kanals sowie de« Nervensystems. 

Wird empfohlen von den Herren 

Professor Dr. Edlefsen in Kiel, Wirkt. Staatsrath Dr. Edelberg in St Peters- 
burg, i )■•■ rarzt Dr. Engel-Reimers in Hamburg, Professor Dr. Eulenbart 
in Berlin. Privatdozent Dr. von Hebra in Wien. Professor Dr. L Hirt in 
Hreslau. Dr. Ackermann in Weimar. Stabsarzt Dr. Lorenz in Metz. Dr. 
M. Lange und l>r von HofTmann in Baden-Baden, Dr. L. 6. Kraus in Wien. 
Professur Dr. L Sohwenninger in Berlin, Stadtarzt Dr. J. Mudra in Zebrac. 
Reftiiiieiitsarzt und Truppeuspitalsieiter Dr. Vlnoenz Svoboda in Gödina 
(Mahren), Geheimrath Professor Dr. Tobold in Berlin, Dr. P. 6. Unis, 
dir. Arzt d^r Privat-Heilanstalt für Hautkranke in Hamburg, Professor Dt. 
Zuelzer in Berlin, GeheimrathProfessor Dr. von Nussbaun in München u. a. m 

AusserdHm wird das Mittel in verschiedenen Krankenhäusern 
sn?»wnn<it. von denen nur die grösseren genannt seien: 

Allgemeines Krankenhaus in Hamburg (in verschiedenen Abteilungen 
desselben), König I. Charite in Berlin (in verschiedenen Abtheilungen des- 
selben), St.Hedwgs-Krankenhaus in Berlin (Diiektor Geheimrath Dr.Volmer). 
Städtisches Krankenhaus Moabit in Berlin (Direktor Dr. P. Guttmann). 
Heilanstalt für Nervenkranke (dir. Arzt Dr. Albreoht Erlenmeyer) in Ben 

dorf a. Rh., Gerraan- Hospital, London-Hospital, SL Mary's Hospital in 

London u. a. in. 

Zur Anwendung 
kommt Ichthyol in folgenden Formen: 

Ichthyol- Ammonium (vulgo t Ichthyol» ., sowie auch Ichthyol - Natrium, 
-Kalium, -Ltthium, -Zincum; ferner lO*/, und 30*/ # alkohol- ätherische 
Ichthyol- Lösung, Ichthyol-Pillen. Kapseln. -Pflaster, -Watte und -Seife and 
Ist zur Vermeidung von Falsifikaten genau aof unsere Schutzmarke zi aohten. 

Tor anscheinend int Handel befindlichen Nuohahmun^en, 

welche mit dem Iolitbyol höchstens das Aassehen oder nmr ein» 

Aehnllchkeit des Namens gemeiu haben, wird gewarnt. 

Wissenschaftliche Abhandlungen über Ichthyol nebst Receptformelxi 

versendet gratis und franko die 

Ichtnyol Gesellschaft Cordes Hermanni <& Co. 




Die Johann Hon sehen Malzhellnahrungs-Fabrikate wirken als Nähr- 
und Genussmittel wohlthuend und heilbringend auf das zerrüttete 

Nervensy.'tem und die gestörte und mangelhafte Verdauung. 
Die überaus rühmlichen Au- Sprüche und Anerkennungen der hervor- 
ragendsten medic. Autoritäten, sowie die amtlichen Heilberichte von 
den Chefärzten von über 400 öffentlichen Spitälern und Kranken 
Häusern bestätigen dies auf das Beste und bilden die grösste 
Garantie für den Kranken und Leidenden. 

An Uorrn Inhann Un-fP alleinigen Erzeuger d< r weh seinem Nomen 
«II nCIMI JUIIdllll null, bennnnten Joharn HotTschen Malzextrakt- 
fleilnahrungs-Praparate. HeMt/er von 76 hohen Auezeichnungen, Ernemungen, 
Diplomen etc., Kittcr hoher Orden und k. u. k. Hoflieferant der meisten euro- 
päischen Souveräne, in Beilln u Wien, X., Graben, Briiunerfctrosf e 8 

ilirso-Mitvlimnrl,rii<l<..l(.h;iiinfl<>ir\i|i l Mal/* \Irilkl-«w'hlllM|- 

liollNbler habe ich nicht allein well Jahren hei allen meinen 
Freunden und Bekannlen empfohlen, sondern da Ich Keil hccIim 
Jahren an l'nCerlelliKhenchnet den, Nervenleiden kranltlc, mll 
i i i<> i •_ NelhHi - « 'iii-iini hi Ich hnbedie l'ebcrveiiiinntc, dahs mein 
leidender Zuxland «echoben nlrd. Dr. Adolf Werner, Prüf. i. Dessau 

Jim ersten und »Hein echten schleimlösenden Johann Hoff'schen Brust-Maizbonbon* 

ilnd In blauem Papier. Zu haben In alien Apotheken, Droguerlen und arossen 

Geschäften. — Unter 2 Dulden wird Nichts versendet. 10'JOg 






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Original frorn 
UNIVERSITY0F MICHIGAN 



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885 



Internationale Klinische Rundschau 1892. 



88 



Höhenkurort 

MÄRILLA- 



THAL 



(1172) 



(Südungarn) 

eignet sich beson- 
ders für 

Brust-, Nerven- 
kranke und Re- 

konvalescenten 



Das wechselfieberfreie. von Süden blos offene 
Mari IIa liegt 800 Meter über den Meeresspiegel, 
in einem dichten NaHelwalde. Windstille, voll- 
kommene Staubfreiheit, reine balsamische Luft, 
kaum nennenswertheTemperaturschwankungen, 
sehr froher warmer Frühling, prachtvoller Spät- 
herbst sind die Bedingungen, welche dieses 
Hochthal zu einem klimatischen Kurorte per 
excellenze stempeln, der ausser über oben er- 
wähnten Heilfaktoren noch über folgende unter- 
stützende Heilpotenzen verfügt: 
Pneumatische Kammer, Inhalationssaal, vor- 
züglich eingerichtete Wasserbeilanstalt, hydro- 
elektrische Bäder, Heilgymnastik und Massage. 

Eröffnung der Saison am 26. Mal. 

Post und Telegraf im Kurorte. 
Näheres beim Gefertigten. Dr. Hoffenreloh. 



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vorzügliches Antipyreticum, Antineuralgicum, Antinervinum. 

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vorzügliches Lösungsmittel für Harnsäure, Harngries u nd harnsaure Harn 
steine. Dasselbe löst sieben Mal mehr Harnsäure als Litbion, daher von 
Aerzten empfohlen gegen harnsaure Diathese und Folgezustände 

Chloralamid Ph. G. III 

vorzügliches Schlafmittel. 

(Chloralamid darf nur in kaltem Wasser gelöst werden und ist am 

besten vorher fein zu zerreiben.) 

Brochüren Über obige Präparate stehen auf Wunsch zu Diensten 

Zu beziehen durch die Apotheken und Droguenhandlungen. 

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Chemische Fabrik auf Actien 

<»«> (vorm. E. Schering). 



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Stahldrahtnetz und Stahldrahtmatratzen für Kranken-An- 
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Wien, XI. , Simmering, Leberstrasse 24. 

Die Fabrik lieferte scnon mehr als 25.000 Stück für Militär- und Ci vil- 
«pitäler und stehen ihr zahlreiche Anerkennungsschreiben zu Gebote, 
lllustrirte Preiscourante gratis und franko. nso 



(1163) 



Dr. Gager. 



Sommer: 

Badearzt in Bad-Gastein. 



Winter: 

Kurarzt in Arco (Südtirol). 




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tarrhe, Frauenkrankheiten etc. Kurhaus, Konzert-, Lese-. Spieleale, Theater Herrl 
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Wirkung in der Wundbehandlung, sowie dadurch, dass man in der Regel 
nur 26— 50° ige Verreibungen gebraucht, billiger alt Jodoform. 

Ich mache noch besonders darauf aufmerksam, dass i»ei der Ver- 
schreibung, r?sp. Dispensirung darauf zu achten ist, dass das Kalium soio- 
jodolicum nur sehr fein verrieben angewendet werden soll. 

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Glycerin) nehme man das Natrium sozojodolicum. 

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dann, wenn dieselben in meiner Originalpackung ä 25, 50, 1 26^ 25 0, 500 
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